Implantat am selben Tag: Was ist möglich?

Kurz gesagt

Mit „Implantat am selben Tag“ sind zwei verschiedene Dinge gemeint: das Einsetzen des Implantats in derselben Sitzung, in der der Zahn entfernt wird (Sofortimplantation), und das Befestigen eines provisorischen Zahns auf dem Implantat innerhalb einer Woche (Sofortbelastung). Beides ist bei geeigneten Patientinnen und Patienten möglich. Voraussetzung sind intakte Knochenwände und ein Implantat, das beim Einsetzen fest im Knochen sitzt. Der Zahn vom ersten Tag ist ein Provisorium; der endgültige Zahnersatz folgt nach dem Einheilen, in der Regel bei einem zweiten Aufenthalt.

Medizinisch geprüft von: Dt. Muhammed Raşid KızılarslanoğluAktualisiert:

Was bedeutet „Implantat am selben Tag“?

Hinter dem Begriff stehen zwei verschiedene Eingriffe. Es lohnt sich zu wissen, welcher Ihnen angeboten wird:

  • Sofortimplantation: Der Zahn wird entfernt, und das Implantat wird im selben Eingriff in das Zahnfach gesetzt. Eine Konsenserklärung des International Team for Implantology (ITI) (Hämmerle et al., 2004) grenzt dies von der Frühimplantation nach teilweiser Heilung von Zahnfleisch oder Knochen und von der Spätimplantation in einen vollständig verheilten Kiefer ab.
  • Sofortbelastung: Auf das Implantat wird kurz nach dem Einsetzen ein Zahn befestigt. Eine Cochrane-Übersichtsarbeit definiert die Sofortbelastung als Belastung innerhalb der ersten Woche nach dem Einsetzen des Implantats.

Beides ist unabhängig voneinander möglich. Ein Implantat kann am Tag der Zahnentfernung gesetzt und dann ohne Zahn eingeheilt werden, oder ein Implantat in verheiltem Knochen erhält noch am selben Tag einen provisorischen Zahn. In beiden Fällen ist der Zahn vom ersten Tag ein Provisorium.

Wie schneidet die Sofortbelastung im Vergleich zum Abwarten ab?

Die Cochrane-Übersichtsarbeit (Esposito et al., 2013) unterscheidet folgende Belastungszeitpunkte:

Belastung Nach dem Einsetzen des Implantats
Sofortbelastung innerhalb einer Woche
Frühbelastung zwischen einer Woche und zwei Monaten
Konventionelle Belastung nach zwei Monaten

In 26 randomisierten Studien mit 1.217 Teilnehmenden fand die Übersichtsarbeit keinen überzeugenden Beleg für einen klinisch bedeutsamen Unterschied zwischen diesen Zeitpunkten bei Zahnersatzverlust, Implantatverlust oder Knochenabbau. Die durchschnittliche Implantatverlustrate lag bei 2,5 %. Die Autorinnen und Autoren bewerteten die Qualität der Belege jedoch als sehr niedrig. Ein hohes Eindrehmoment von mindestens 35 Ncm, also ein fester Halt im Knochen beim Einsetzen, scheint eine der Voraussetzungen für eine erfolgreiche Sofort- oder Frühbelastung zu sein.

Beim konventionellen Vorgehen verwächst das Implantat zuerst mit dem Knochen. Laut der Cleveland Clinic dauert das drei bis neun Monate; der Guy’s and St Thomas’ NHS Foundation Trust nennt in der Regel mindestens drei Monate, bevor das Implantat Zahnersatz tragen kann.

Für wen kommt eine Sofortimplantation infrage?

Die ITI-Konsenserklärung von 2004 nennt als Vorteile der Sofortimplantation weniger chirurgische Eingriffe, eine kürzere Gesamtbehandlungszeit und die Nutzung des Knochens, der im Zahnfach noch vorhanden ist. Sie berichtet außerdem, dass sofort gesetzte Implantate ähnlich häufig erhalten bleiben wie Implantate in verheiltem Knochen.

Nicht jedes Zahnfach ist jedoch geeignet. Laut der Erklärung gilt:

  • Lässt der verbliebene Knochen keinen festen Sitz des Implantats zu, sollte es nicht bei der Zahnentfernung gesetzt werden.
  • Ist die dünne Knochenwand auf der Lippen- oder Wangenseite verloren gegangen, wird eine Sofortimplantation nicht empfohlen.
  • Bei dünnem Zahnfleisch ist das Risiko hoch, dass diese Knochenwand abgebaut wird und das Zahnfleisch zurückgeht; dann wird ein gleichzeitiger Knochenaufbau empfohlen.

Die Erklärung weist auch darauf hin, dass die Form des Zahnfachs die ideale Position des Implantats erschweren kann und der Eingriff technisch anspruchsvoll ist.

Gibt es für eine Einzelzahnlücke ein Provisorium am selben Tag?

Eine systematische Übersichtsarbeit für die ITI-Konsensuskonferenz 2018 (Gallucci et al., 2018) hat Implantations- und Belastungszeitpunkte gemeinsam ausgewertet. Für Implantate, die bei der Zahnentfernung gesetzt und sofort belastet wurden, lag die gewichtete kumulative Überlebensrate bei 98,4 %. Die Arbeit stuft dieses Vorgehen als „klinisch dokumentiert“ ein, die Sofortimplantation mit konventioneller Belastung dagegen als „wissenschaftlich und klinisch validiert“. Für die Kombination aus Sofortimplantation und Sofortbelastung gibt es also weniger Belege als für das Abwarten vor der Belastung.

Aus Sicht der Patientinnen und Patienten fanden die ITI-Konsenserklärungen von 2018 keinen Unterschied zwischen einem sofortigen Provisorium und der konventionellen Belastung, wiesen aber darauf hin, dass die Belege für sofortige Provisorien begrenzt sind. Sie empfehlen, dass solche Provisorien beim Zubeißen und bei Kieferbewegungen keinen Kontakt zu den Gegenzähnen haben.

Für obere Frontzähne nennt die ITI-Konsensuskonferenz von 2023 genauere Kriterien. Sie beschreibt das Vorgehen bei sorgfältig ausgewählten Stellen als vorhersagbar, wobei die meisten Verluste in den ersten sechs Monaten auftreten, und nennt Faktoren wie:

  • eine intakte oder nur gering beschädigte Knochenwand auf der Lippenseite
  • genug Knochen, damit das Implantat in der richtigen Position fest sitzt
  • gesunde Nachbarzähne
  • Zahnfleisch und Zahnfleischverlauf, Parodontitis, Ihren Biss und Gewohnheiten wie Pressen oder Knirschen

Die Erklärung empfiehlt nachdrücklich eine DVT-Aufnahme zusätzlich zum Einzelzahnröntgenbild. Außerdem rät sie, das Provisorium vor der Zahnentfernung vorzubereiten und den Eingriff von Zahnärztinnen und Zahnärzten mit Erfahrung in Implantatchirurgie und Prothetik durchführen zu lassen.

Sind feste Zähne für einen ganzen Kiefer innerhalb weniger Tage möglich?

Fehlen alle Zähne eines Kiefers oder sind sie nicht zu erhalten, kann eine festsitzende Brücke auf mehreren Implantaten befestigt werden. Die 5. ITI-Konsensuskonferenz kam zu dem Ergebnis, dass die Sofortbelastung von Implantaten im Ober- und Unterkiefer mit einer einteiligen festsitzenden provisorischen Brücke ebenso vorhersagbar ist wie eine frühe oder konventionelle Belastung. Als Vorteile nennt sie sofort feste Zähne, weniger Beschwerden als mit einer herausnehmbaren Interimsprothese und eine kürzere Gesamtbehandlungszeit.

Dieselben Erklärungen betonen zwei Voraussetzungen:

  1. Jedes Implantat muss fest sitzen: Vor einer Sofortbelastung muss die Primärstabilität jedes einzelnen Implantats bestätigt sein. In den meisten ausgewerteten Studien wurden Kriterien wie ein Eindrehmoment von mindestens 30 Ncm verwendet.
  2. Vorsicht bei gleichzeitigem Knochenaufbau: Ein Knochenaufbau oder Sinuslift im selben Eingriff gilt als relative Gegenanzeige für eine Sofortbelastung. Die Implantate heilen dann unter Umständen unbelastet ein.

Wie die Behandlung über zwei Aufenthalte organisiert wird, beschreibt die Seite Feste Zähne auf Implantaten.

Ist der Zahn vom ersten Tag endgültig?

Nein. Ein Zahn oder eine Brücke, die am selben Tag oder wenige Tage nach dem Eingriff befestigt wird, ist ein Provisorium für die Einheilzeit. Der endgültige Zahnersatz wird nach dem Einheilen anhand neuer Abformungen angefertigt. Weil sich Zahnfleisch und Knochen in dieser Zeit noch verändern, muss das Provisorium unter Umständen angepasst werden.

Während der Einheilung muss das Implantat vor starker Belastung geschützt werden. Ihre Zahnärztin oder Ihr Zahnarzt sagt Ihnen deshalb, wie lange Sie weiche Kost essen sollten und welche Speisen Sie meiden sollten.

Was bedeutet das für Ihre Reise in die Türkei?

Ein Provisorium beim ersten Aufenthalt bedeutet, dass Sie nicht mit einer Lücke nach Hause fliegen. Die Einheilzeit verkürzt es aber nicht. Für Patientinnen und Patienten aus dem Ausland sind bei Implantaten in der Regel zwei Aufenthalte nötig: Beim ersten werden die Implantate eingesetzt, beim zweiten, einige Monate später, wird der endgültige Zahnersatz befestigt. Mehr dazu lesen Sie auf der Seite Zahnimplantate.

Fragen Sie vor der Buchung des Rückflugs, ab wann Fliegen unbedenklich ist; nach einem Knochenaufbau oder einem Eingriff in der Nähe der Kieferhöhle wird unter Umständen empfohlen, länger zu warten. Planen Sie etwas Puffer vor dem Rückflug ein, damit eine Kontrolle und kleine Anpassungen möglich sind. Wie ein Aufenthalt organisiert wird, beschreibt die Seite Ihren Besuch planen, die Betreuung in der Einheilzeit zu Hause die Seite zur Nachsorge.

Wann ist Abwarten die bessere Wahl?

Nach den genannten Quellen kann es sinnvoller sein, das Implantat in verheilten Knochen zu setzen oder unbelastet einheilen zu lassen, wenn:

  • die Knochenwand auf der Lippen- oder Wangenseite weitgehend verloren gegangen ist
  • der verbliebene Knochen keinen festen Sitz des Implantats zulässt
  • im selben Eingriff ein Knochenaufbau oder Sinuslift nötig ist
  • am zu entfernenden Zahn eine Fistel besteht oder das entzündete Gewebe nicht vollständig entfernt werden kann
  • Sie mit den Zähnen pressen oder knirschen oder Ihr Gesundheitszustand eine weitere Abklärung erfordert

Die ITI-Konsensuskonferenz von 2023 zu oberen Frontzähnen weist außerdem darauf hin, dass eine geplante Sofortimplantation mit Provisorium nicht immer während des Eingriffs abgeschlossen werden kann. Das Implantat heilt dann unbelastet ein oder wird später in den verheilten Kiefer gesetzt. Besprechen Sie diese Ausweichlösung vor dem Eingriff, wenn für Sie ein Zahn am selben Tag geplant ist.

Welche Fragen sollten Sie vor der Buchung stellen?

  • Soll das Implantat bei der Zahnentfernung gesetzt werden, soll am selben Tag ein Provisorium befestigt werden, oder beides?
  • Was zeigt die DVT-Aufnahme über die Knochenwände und die Knochenmenge?
  • Was trage ich in der Einheilzeit, falls ein Zahn am selben Tag nicht möglich ist?
  • Was kann ich mit dem Provisorium essen, und wie lange?
  • Wann wird der endgültige Zahnersatz angefertigt, und wie viele Tage sollte ich für jeden Aufenthalt einplanen?

Wie planen wir Provisorien am selben Tag bei Rönesans?

Die Implantatplanung beginnt in unserer Praxis mit einer Untersuchung und einer DVT-Aufnahme (digitale Volumentomographie), die Höhe und Breite des Kieferknochens und den Abstand zu Kieferhöhle und Nervkanal dreidimensional zeigt. Knochenaufbau, Sinuslift und weitere oralchirurgische Eingriffe führen wir in unserer Praxis durch; bei Bedarf ist auch eine Behandlung in Vollnarkose möglich.

Je nach Befund erhalten Sie für die Einheilzeit eines einzelnen Implantats einen provisorischen Zahnersatz; was für Sie infrage kommt, besprechen wir vorab mit Ihnen. Festsitzende Brücken für einen ganzen Kiefer setzen wir auf vier oder sechs Implantate. Häufig ist vorgesehen, dass kurz nach dem Einsetzen der Implantate eine provisorische festsitzende Brücke befestigt wird. Voraussetzung ist, dass die Implantate fest genug im Knochen sitzen; ob das bei Ihnen möglich ist, lässt sich erst während der Behandlung beurteilen und kann nicht vorab versprochen werden.

Vor Behandlungsbeginn erhalten Sie einen schriftlichen Behandlungs- und Kostenplan mit Einzel- und Gesamtkosten; die Kosten stehen nach der Untersuchung fest. Hersteller und Modell Ihrer Implantate stehen im Behandlungsplan, die Chargennummer im Implantatpass, den Sie erhalten. Für Patientinnen und Patienten aus dem Ausland sind der Transfer vom Flughafen Istanbul und die Unterkunft in den Behandlungskosten enthalten, und wir planen die Termine passend zu Ihren Reisedaten. Vor der Reise können Sie uns per WhatsApp Fotos und Röntgenbilder für eine erste Voreinschätzung senden oder über unsere Kontaktseite schreiben. Nachrichten auf Deutsch und Englisch beantworten wir während der Öffnungszeiten innerhalb von höchstens 15 Minuten.

Quellen
  1. Esposito M, Grusovin MG, Maghaireh H, Worthington HV. Interventions for replacing missing teeth: different times for loading dental implants. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2013.
  2. Hämmerle CHF, Chen ST, Wilson TG Jr. Consensus statements and recommended clinical procedures regarding the placement of implants in extraction sockets. International Journal of Oral & Maxillofacial Implants, 2004.
  3. Gallucci GO, Hamilton A, Zhou W, Buser D, Chen S. Implant placement and loading protocols in partially edentulous patients: A systematic review. Clinical Oral Implants Research, 2018;29(Suppl 16):106–134.
  4. Selection criteria for immediate implant placement and immediate loading for single tooth replacement in the maxillary esthetic zone – ITI-Konsensuskonferenz 2023, International Team for Implantology (ITI)
  5. Immediate Loading vs. Early/Conventional Loading of Immediately Placed Implants in Partially Edentulous Patients from the Patients' Perspective – ITI-Konsensuskonferenz 2018, International Team for Implantology (ITI)
  6. Loading Protocols for Fixed Prostheses in Edentulous Jaws – 5. ITI-Konsensuskonferenz, International Team for Implantology (ITI)
  7. Dental Implants – Cleveland Clinic
  8. Having a dental implant – Guy's and St Thomas' NHS Foundation Trust

Häufige Fragen

Bekomme ich Implantat und endgültigen Zahn am selben Tag?

In der Regel nicht. Ein Zahn, der am selben Tag oder innerhalb einer Woche befestigt wird, ist ein Provisorium. Die endgültige Krone, Brücke oder Prothese wird angefertigt, wenn das Implantat mit dem Knochen verwachsen ist; die Cleveland Clinic nennt dafür drei bis neun Monate. Deshalb sind für Patientinnen und Patienten aus dem Ausland meist zwei Aufenthalte nötig.

Kann ich mit dem Provisorium vom ersten Tag normal essen?

Nicht sofort. Das Provisorium wird so gestaltet, dass das Implantat während der Einheilung nicht überlastet wird. Für einzelne Zähne und Teilbezahnte empfiehlt eine Konsenserklärung des ITI von 2018, dass das Provisorium beim Zubeißen und bei Kieferbewegungen keinen Kontakt zu den Gegenzähnen hat. Welche Speisen Sie wie lange meiden sollten, sagt Ihnen Ihre Zahnärztin oder Ihr Zahnarzt; üblich ist weiche Kost.

Ist eine Sofortimplantation nach einer Entzündung an der Wurzelspitze möglich?

Das hängt vom Befund ab. Für obere Frontzähne hält die ITI-Konsensuskonferenz von 2023 fest, dass eine chronische Entzündung an der Wurzelspitze allein keine Gegenanzeige ist, wenn genug Knochen vorhanden ist, damit das Implantat fest sitzt. Dieselbe Erklärung rät davon ab, wenn eine Fistel besteht oder das entzündete Gewebe nicht vollständig entfernt werden kann. Entschieden wird nach Untersuchung und DVT-Aufnahme.

Sind sofort belastete Implantate weniger erfolgreich?

Eine Cochrane-Übersichtsarbeit fand keinen überzeugenden Beleg für einen klinisch bedeutsamen Unterschied bei Implantat- oder Zahnersatzverlusten zwischen einer Belastung innerhalb einer Woche und einer Belastung nach zwei Monaten. Die Autorinnen und Autoren bewerteten die Qualität der Belege aber als sehr niedrig und mahnen zur Vorsicht bei der Auslegung. Ein fester Sitz des Implantats beim Einsetzen gilt als eine der Voraussetzungen.

Brauche ich einen zweiten Aufenthalt, wenn ich schon beim ersten ein Provisorium bekomme?

In der Regel ja. Das Provisorium überbrückt die Einheilzeit zu Hause. Der endgültige Zahnersatz wird beim zweiten Aufenthalt angefertigt, nach neuen Abformungen, wenn die Implantate mit dem Knochen verwachsen sind und sich das Zahnfleisch stabilisiert hat. Ihren Ablauf legen wir nach der Untersuchung verbindlich fest.

Ob die Behandlung für Sie geeignet ist, klärt die Untersuchung

Senden Sie uns Fotos oder Röntgenbilder per WhatsApp für eine Voreinschätzung. Der endgültige Plan entsteht erst nach der Untersuchung vor Ort.

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