Zahnimplantate bei Diabetes: Was ist möglich, und worauf kommt es an?

Kurz gesagt

Bei gut eingestelltem Diabetes sind Zahnimplantate in der Regel möglich; die Ergebnisse liegen dann nahe an denen von Menschen ohne Diabetes. Bei schlecht eingestelltem Blutzucker heilen Implantate langsamer ein, gehen häufiger verloren und entzünden sich öfter. Der HbA1c-Wert, der den Blutzucker der letzten zwei bis drei Monate abbildet, leitet die Planung; die deutsche S3-Leitlinie empfiehlt, ihn vorher zu erfragen.

Medizinisch geprüft von: Dt. Muhammed Raşid KızılarslanoğluAktualisiert:

Ist Diabetes ein Hindernis für Zahnimplantate?

Bei gut eingestelltem Blutzucker ist Diabetes in der Regel kein Hindernis. Die systematische Übersicht von Wagner und Kollegen im International Journal of Implant Dentistry (2022) wertete 40 klinische Studien aus und sah bei kontrollierten Bedingungen kein Hindernis für eine Implantation. In einer der Studien gingen Implantate früh bei 4,5 Prozent der Menschen mit Diabetes und 4,4 Prozent ohne Diabetes verloren; der Unterschied war nicht signifikant.

Auch die deutsche S3-Leitlinie „Zahnimplantate bei Diabetes mellitus“ von DGI und DGZMK (AWMF-Registernummer 083-025, Stand Dezember 2022) sieht es so: In den ersten Jahren zeigt sich kein signifikanter Unterschied im Implantatüberleben, langfristig scheint das Verlustrisiko jedoch erhöht zu bleiben. Ihre Autorinnen und Autoren schreiben in den Zahnärztlichen Mitteilungen (2023), dass die Implantatversorgung bei Diabetes bei korrekter Indikation und risikoorientiertem Vorgehen ein sicheres und vorhersagbares Verfahren ist. Entscheidend ist weniger, ob Sie Diabetes haben, sondern wie gut er eingestellt ist.

Wie unterscheiden sich die Ergebnisse bei gut und schlecht eingestelltem Diabetes?

Bei schlecht eingestelltem Diabetes gehen Implantate häufiger verloren, und das Gewebe um die Implantate erkrankt leichter. Die Leitlinie der Europäischen Föderation für Parodontologie (EFP) von 2023 gibt die Ergebnisse einer systematischen Übersicht wieder, die gut und schlecht eingestellte Diabetikerinnen und Diabetiker vergleicht; in den meisten dieser Studien galt ein HbA1c von 6,1 bis 8 Prozent als gut und 8,1 bis 10 Prozent als schlecht eingestellt.

Kriterium Gut eingestellt Schlecht eingestellt Quelle
Implantatüberleben (geschätzter Mittelwert) Etwa 99 % Etwa 95,6 % EFP, 2023
Risiko eines Implantatverlusts Vergleichsgruppe Etwa 7,6-fach (zwei Studien) EFP, 2023
Periimplantitis Deutlich seltener (zwei Studien) Häufiger EFP, 2023
Überleben sofort belasteter Implantate Kein Verlust in einer Studie (HbA1c bis 8 %) 95,4 % in derselben Studie (HbA1c 8,1–10 %) Wagner und Kollegen, 2022

Die EFP stuft die Sicherheit dieser Belege als gering ein, spricht aber dennoch eine starke Empfehlung für eine gute Blutzuckereinstellung aus. Die deutsche S3-Leitlinie formuliert vorsichtiger: Ob die Güte der Einstellung den Implantaterfolg direkt beeinflusst, sei wegen uneinheitlicher Daten unklar.

Was ist der HbA1c-Wert, und welche Werte spielen eine Rolle?

Der HbA1c-Wert zeigt den durchschnittlichen Blutzucker der letzten zwei bis drei Monate. Laut Milton Keynes University Hospital misst er, wie viel Zucker an den roten Blutfarbstoff gebunden ist; angegeben wird er in Prozent oder mmol/mol, wobei 48 mmol/mol 6,5 Prozent entsprechen. Die Patientenbroschüre der Zahnärztekammer Nordrhein nennt ihn das „Blutzucker-Gedächtnis“ und gibt als therapeutisches Ziel 6,5 bis 7,5 an; die S3-Leitlinie verweist für den Zielkorridor auf die Nationale Versorgungsleitlinie Typ-2-Diabetes mit demselben Bereich. Ihr persönliches Ziel legt die Ärztin oder der Arzt fest, die oder der Ihren Diabetes behandelt.

In der Implantatforschung wurden unterschiedliche Grenzen verwendet. In der Übersicht von Wagner und Kollegen galt in einer Studie unter 8 Prozent als gut eingestellt; über 8 Prozent war in zwei Studien mit tieferen Taschen, mehr Blutung und mehr Knochenverlust um Implantate verbunden, und in einer Studie zum Sinuslift war unter 7,5 Prozent Voraussetzung für die Teilnahme.

Weder Wagner und Kollegen noch die S3-Leitlinie nennen einen festen HbA1c-Grenzwert, ab dem nicht implantiert werden darf. Ist der Wert hoch, kann die Implantation verschoben werden, bis die Einstellung besser ist. Für Reisende heißt das: Klären Sie Ihren Wert vor der Buchung, nicht erst vor Ort.

Verzögert Diabetes das Einheilen der Implantate?

Das kann vorkommen, vor allem bei schlechter Einstellung. Laut S3-Leitlinie scheint die Osseointegration, also das Verwachsen des Implantats mit dem Knochen, bei schlecht eingestelltem Diabetes verzögert zu sein; bei gut eingestelltem Diabetes sind die Daten uneinheitlich, und nach einem Jahr unterscheidet sich die Implantatstabilität nicht von der bei Gesunden.

Die Leitlinie schlägt vor, die Indikation für eine Sofort- oder Frühbelastung bei schlecht eingestelltem Diabetes besonders kritisch zu prüfen. Für die Reiseplanung bedeutet das: Rechnen Sie mit den üblichen zwei Aufenthalten im Abstand von mehreren Monaten; ob ein Provisorium auf dem Implantat möglich ist, wird in der Untersuchung entschieden. Mehr dazu im Ratgeber Implantat am selben Tag.

Erhöht Diabetes das Risiko einer Periimplantitis?

Vor allem bei schlechter Einstellung ja; bei guter Einstellung sind die Ergebnisse gemischt. Von 23 Studien, die Wagner und Kollegen auswerteten, fanden 12 kein erhöhtes Risiko, 6 ein erhöhtes und 5 ein unklares Ergebnis. Die S3-Leitlinie hält den unmittelbaren Einfluss von Diabetes auf periimplantäre Entzündungen für unklar, sieht aber Hinweise, dass das Risiko mit den Jahren steigt. Sie schlägt deshalb vor, Patientinnen und Patienten vor der Behandlung über dieses Risiko aufzuklären und die Nachsorge risikoorientiert zu planen. Eine Übersichtsarbeit im Journal of Dentistry (Giok und Kollegen, 2024) zählt Diabetes und erhöhten Blutzucker zu den Faktoren mit „suggestiver“ Evidenz für Periimplantitis.

Für Sie bedeutet das: Regelmäßige Kontrollen in Ihrer Zahnarztpraxis in Deutschland sind nach einer Implantation in der Türkei Teil der Behandlung. Wie Sie Anzeichen erkennen, lesen Sie im Ratgeber Periimplantitis.

Was empfiehlt die deutsche S3-Leitlinie vor und bei der Implantation?

Neben den oben genannten Punkten zu Belastung und Nachsorge enthält die Leitlinie diese Empfehlungen:

  1. Anamnese: Vor Behandlungsbeginn sollen Risikofaktoren einschließlich Diabetes erhoben werden.
  2. Einstellung und HbA1c: Die Behandelnden sollten sich über die Einstellung des Diabetes und den HbA1c-Wert informieren und bei Bedarf ärztlich abklären lassen; ein Austausch mit Hausärztinnen, Hausärzten oder Internistinnen und Internisten kann laut den Autorinnen und Autoren helfen.
  3. Zahnfleisch: Eine Parodontitis soll vor der Implantation behandelt werden.
  4. Eingriff: Eine einmalige vorbeugende Antibiotikagabe vor der Implantation und eine desinfizierende Mundspülung rund um den Eingriff werden vorgeschlagen.
  5. Knochenaufbau: Für Verfahren wie gesteuerte Knochenregeneration und Sinuslift gibt es bei gut eingestelltem Diabetes keine Hinweise auf höhere Komplikationsraten. Mehr dazu in den Ratgebern Knochenaufbau vor Implantaten und Sinuslift.

Wie wird der Blutzucker am Tag des Eingriffs gehandhabt?

Ziel ist, dass der Blutzucker während des Eingriffs weder zu hoch noch zu niedrig ist; die Medikamentenplanung liegt bei Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt. Allgemeine Hinweise aus den Quellen:

  1. Terminzeit: Michigan Medicine empfiehlt Termine möglichst am Vormittag; die Zahnärztekammer Nordrhein rät, sie an den gewohnten Essens- und Medikamentenzeiten auszurichten. Sagen Sie uns Ihre Zeiten, wir planen danach.
  2. Essen: Michigan Medicine rät, das Frühstück nicht auszulassen. Ist eine Vollnarkose geplant, müssen Sie nüchtern sein; laut der Patienteninformation eines NHS-Krankenhauses erhöht Nüchternheit das Risiko einer Unterzuckerung, deshalb wird der Plan für Mahlzeiten und Medikamente dann gesondert besprochen.
  3. Medikamente: Wie Sie Ihre Diabetesmedikamente am Eingriffstag einnehmen, sagt Ihnen die verordnende Ärztin oder der verordnende Arzt. Ändern Sie nichts auf eigene Faust.
  4. Messung: Michigan Medicine empfiehlt, das eigene Messgerät mitzubringen. Laut der NHS-Information wird bei entgleistem Blutzucker zuerst die Einstellung korrigiert; der Eingriff kann verschoben werden.
  5. Unterzuckerung: Schwitzen, Schwindel, verschwommenes Sehen und Zittern können darauf hinweisen. Die Zahnärztekammer Nordrhein rät, dann sofort Traubenzucker zu nehmen; sagen Sie dem Team Bescheid, sobald Sie sich unwohl fühlen.

Worauf sollten Sie als Diabetikerin oder Diabetiker achten?

  • Schicken Sie HbA1c-Wert und Medikamentenliste schon mit der Voreinschätzung und bringen Sie beides zur Untersuchung mit.
  • Informieren Sie Ihre Hausärztin, Ihren Hausarzt oder Ihre diabetologische Praxis über Behandlung und Reise, auch wegen Zeitverschiebung und veränderter Mahlzeiten.
  • Nehmen Sie Medikamente, Messgerät und Traubenzucker im Handgepäck mit.
  • Wird die Implantation wegen eines hohen Werts verschoben, ist das eine Vorsichtsmaßnahme; der Plan wird bei besserer Einstellung neu bewertet.
  • Reinigen Sie die Implantate täglich mit Zahnbürste und Interdentalbürsten, und warten Sie bei Blutung, Schwellung, schlechtem Geschmack oder Lockerung nicht auf den nächsten Kontrolltermin.

Wie planen wir Implantate bei Diabetes bei Rönesans?

Für eine erste Einschätzung können Sie uns Fotos, vorhandene Röntgenbilder, Ihren HbA1c-Wert und Ihre Medikamentenliste per WhatsApp an +90 532 363 49 54 schicken; die Kommunikation auf Deutsch übernimmt ein Teammitglied mit Deutsch als Muttersprache. In der Untersuchung in unserer Praxis in Serdivan besprechen wir Ihren Diabetes und Ihre Medikamente zusammen mit Ihrer Krankengeschichte; der Knochen wird mit einem DVT beurteilt. Sie wissen von Anfang an, wer Sie behandelt. Bei Bedarf kann die Behandlung in Vollnarkose erfolgen; dann wird der Umgang mit Mahlzeiten und Medikamenten vorher gesondert geplant.

Ob während der Einheilzeit ein provisorischer Zahnersatz möglich ist, entscheiden wir unter Berücksichtigung Ihrer Blutzuckereinstellung in der Untersuchung. Vor Behandlungsbeginn erhalten Sie einen schriftlichen Behandlungs- und Kostenplan; Transfer ab Istanbul und Unterkunft in Sapanca sind im Behandlungspreis enthalten. Bei der Abreise bekommen Sie Ihren Implantatpass sowie Kopien Ihrer Behandlungszusammenfassung und Röntgenbilder für Ihre Zahnarztpraxis in Deutschland; danach erreichen Sie uns weiterhin per WhatsApp (siehe Nachsorge). Weil Probleme um Implantate bei Diabetes mit den Jahren zunehmen können, sind regelmäßige Kontrollen zu Hause besonders wichtig. Den Ablauf lesen Sie auf der Seite Zahnimplantate.

Quellen
  1. S3-Leitlinie Zahnimplantate bei Diabetes mellitus (AWMF-Registernummer 083-025), Langversion, Version 2.0, Stand Dezember 2022 – Deutsche Gesellschaft für Implantologie (DGI) und Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK)
  2. Wagner J, Naujokat H, Wiltfang J. Implantieren bei Diabetes mellitus. Zahnärztliche Mitteilungen (zm), Ausgabe 07/2023
  3. Wagner J, Spille JH, Wiltfang J, Naujokat H. Systematic review on diabetes mellitus and dental implants: an update. International Journal of Implant Dentistry, 2022;8:1.
  4. Herrera D, Berglundh T, Schwarz F et al. Prevention and treatment of peri-implant diseases – The EFP S3 level clinical practice guideline. Journal of Clinical Periodontology, 2023;50(Suppl 26):4–76.
  5. Giok KC, Veettil SK, Menon RK. Risk factors for peri-implantitis: An umbrella review of meta-analyses of observational studies and assessment of biases. Journal of Dentistry, 2024;146:105065 (Forschungsportal der Ajman University).
  6. „Zuckerkrank“ beim Zahnarzt – Patientenbroschüre der Zahnärztekammer Nordrhein, 2016
  7. What is your HbA1c? – Milton Keynes University Hospital NHS Foundation Trust
  8. Diabetes and Oral Health – Michigan Medicine, University of Michigan, Hospital Dentistry (2021)
  9. Your Day Case Surgery: information for people with diabetes – East Suffolk and North Essex NHS Foundation Trust (Centre for Perioperative Care)

Häufige Fragen

Welche Unterlagen sollte ich als Diabetikerin oder Diabetiker zur Reise mitbringen?

Ihren aktuellen HbA1c-Wert und eine Liste aller Medikamente mit Dosierung. Die deutsche S3-Leitlinie empfiehlt, dass sich die Behandelnden vor der Implantation über die Einstellung des Diabetes und den HbA1c-Wert informieren. Am besten schicken Sie uns diese Angaben schon mit der Voreinschätzung per WhatsApp.

Beeinflusst ein Prädiabetes das Implantat?

Laut S3-Leitlinie Zahnimplantate bei Diabetes mellitus scheinen intermediär erhöhte Blutzuckerwerte keinen Einfluss auf das Implantatüberleben zu haben. In der Übersicht von Wagner und Kollegen (2022) berichtete eine Studie allerdings über mehr Entzündungszeichen um Implantate bei Prädiabetes. Nennen Sie die Diagnose deshalb bei der Untersuchung und halten Sie die Kontrollen ein.

Bekomme ich als Diabetikerin oder Diabetiker ein Antibiotikum?

Die deutsche S3-Leitlinie schlägt bei Diabetes eine einmalige vorbeugende Antibiotikagabe vor der Implantation und eine desinfizierende Mundspülung rund um den Eingriff vor. Ob und welches Medikament Sie erhalten, entscheidet Ihre Zahnärztin oder Ihr Zahnarzt nach Ihrer Krankengeschichte und Ihren Allergien. Nehmen Sie keine alten Antibiotika aus der Hausapotheke ein.

Was passiert mit meinen Diabetesmedikamenten, wenn ich nach dem Eingriff nur weich essen kann?

Besprechen Sie das vor der Reise mit Ihrer Hausärztin, Ihrem Hausarzt oder Ihrer diabetologischen Praxis. Laut Michigan Medicine kann in der Heilungsphase eine Anpassung der Diabetesmedikamente nötig sein, wenn ein zahnärztlicher Eingriff Ihre Ernährung verändert; das gehört in ärztliche Hand. Lassen Sie Medikamente nie eigenmächtig weg.

Hilft eine Parodontitisbehandlung meiner Blutzuckereinstellung?

Sie kann helfen. Laut der Patientenbroschüre der Zahnärztekammer Nordrhein kann eine erfolgreiche Parodontitisbehandlung den HbA1c-Wert um etwa zehn Prozent verbessern, wobei das Ergebnis nicht bei allen eintritt. Die S3-Leitlinie verlangt vor einer Implantation ohnehin, dass eine vorhandene Parodontitis behandelt wird. Mehr dazu im Ratgeber Parodontitis-Behandlung.

Ob die Behandlung für Sie geeignet ist, klärt die Untersuchung

Senden Sie uns Fotos oder Röntgenbilder per WhatsApp für eine Voreinschätzung. Der endgültige Plan entsteht erst nach der Untersuchung vor Ort.

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