Was ist Socket Preservation (Alveolenmanagement)?
Socket Preservation bedeutet, dass das Zahnfach (die Alveole) unmittelbar nach der Zahnentfernung mit Knochenmaterial gefüllt und abgedeckt wird; im Deutschen spricht man auch von Alveolenmanagement oder Kieferkammerhalt. Laut einer klinischen Übersicht im Blog des International Team for Implantology (ITI, Balcázar und Sánchez, 2022) soll damit der Abbau der äußeren Knochenwand nach der Zahnentfernung so gering wie möglich gehalten und die Knochenbildung im Zahnfach unterstützt werden.
Nach der ITI-Übersicht und dem Konsensbericht der italienischen Akademie für Osseointegration (2022) läuft der Eingriff in der Regel so ab:
- Der Zahn wird entfernt, und die Knochenwände des Zahnfachs werden auf Unversehrtheit geprüft.
- Das Zahnfach wird von entzündetem Gewebe gereinigt.
- Knochenmaterial wird in das Zahnfach eingebracht.
- Das Material wird mit einer Membran oder mit eigenem Weichgewebe abgedeckt.
- Die Stelle heilt mehrere Monate; danach wird das Implantat gesetzt.
Laut ITI eignen sich diese Techniken, wenn die Knochenwände intakt sind; fehlt eine Wand, ist eher ein Knochenaufbau mit Membran nötig. Was nach einer Zahnentfernung allgemein zu beachten ist, erklärt der Ratgeber Nach der Zahnentfernung; den Eingriff selbst beschreibt die Seite Zahnentfernung.
Wie viel Knochen geht nach einer Zahnentfernung verloren?
In den ersten Monaten nach der Zahnentfernung verliert der Kiefer an Breite und Höhe. Laut der systematischen Übersicht von Tan und Kollegen in Clinical Oral Implants Research (2012) nahm die Knochenbreite innerhalb von sechs Monaten im Mittel um 3,79 Millimeter ab, die Höhe auf der Wangenseite um 1,24 Millimeter. Der Breitenverlust erreichte nach drei Monaten 32 Prozent; die schnellste Veränderung fand in den ersten drei bis sechs Monaten statt.
Im Frontzahnbereich kann der Verlust ausgeprägter sein. In der Studie von Chappuis und Kollegen im Journal of Dental Research (2013) wurde bei 39 Patientinnen und Patienten nach Entfernung eines sichtbaren Frontzahns der Knochen acht Wochen lang mit DVT verfolgt. War die Knochenwand vor dem Zahn 1 Millimeter dick oder dünner, betrug der vertikale Knochenverlust im Median 7,5 Millimeter; bei dickerer Wand 1,1 Millimeter. Was das für ein Implantat im sichtbaren Bereich bedeutet, erklärt der Ratgeber Implantat im Frontzahnbereich.
Für wen ist Socket Preservation sinnvoll?
Socket Preservation wird nicht nach jeder Zahnentfernung routinemäßig durchgeführt; sie kommt infrage, wenn das Implantat nicht im selben Eingriff gesetzt werden kann oder verschoben werden soll. Der Konsensbericht der italienischen Akademie für Osseointegration empfiehlt sie vor allem:
- bei Zahnentfernungen im sichtbaren, ästhetisch wichtigen Bereich
- in der Nähe der Kieferhöhle im Oberkiefer sowie des Nervkanals oder des Nervaustritts am Kinn im Unterkiefer
- wenn der Behandlungsplan eine spätere Implantation vorsieht
- wenn die Patientin oder der Patient das Implantat aus einem beliebigen Grund verschieben möchte
Die ITI-Übersicht nennt Gründe, die eine spätere Implantation erforderlich machen können: eitrige Infektion, zu wenig Knochen jenseits der Wurzelspitze und große Entzündungsherde an der Wurzelspitze als örtliche Gründe; sehr junges Alter, Schwangerschaft und nicht eingestellte Allgemeinerkrankungen als persönliche Gründe. Der Konsensbericht des European Workshop in Periodontology 2019 (Tonetti und Kollegen) empfiehlt, sechs Punkte gemeinsam zu bewerten: Infektion, ob das Implantat an der richtigen Position sofort fest sitzen kann, Schäden am Zahnfach, Zahnfleisch- und Knochentyp, ästhetischer Anspruch und allgemeine Gesundheit.
Wann ist Socket Preservation nicht nötig?
Kann das Implantat im selben Eingriff wie die Zahnentfernung gesetzt werden, ist eine separate Socket Preservation oft nicht nötig. Laut ITI ist in geeigneten Fällen die Sofortimplantation mit einem Provisorium oder einem individuellen Zahnfleischformer der bevorzugte Weg. Die Patientenzeitschrift ZahnRat der Landeszahnärztekammern weist allerdings darauf hin, dass eine Sofortimplantation nur bei einem kleinen Teil der zu ersetzenden Zähne infrage kommt; die DGI nennt dafür ausreichend Knochen, kräftiges und entzündungsfreies Zahnfleisch als Voraussetzungen. Die Bedingungen erklärt der Ratgeber Implantat am selben Tag.
Auch die Grenzen der Evidenz spielen eine Rolle. Tonetti und Kollegen betonen, dass sich die vorliegenden Studien überwiegend auf einzelne Zahnentfernungen beziehen und bei mehreren Zähnen Vorsicht geboten ist.
Was sagt die Cochrane-Übersicht zur Wirksamkeit?
Socket Preservation kann den Knochenverlust verringern, die Sicherheit der Evidenz ist aber sehr niedrig. Die 2021 aktualisierte Cochrane-Übersicht (Atieh und Kollegen) wertete 16 randomisierte kontrollierte Studien mit 426 Erwachsenen und 524 Zahnfächern aus:
- Mit tierischem Material verringerte die Socket Preservation gegenüber dem Abwarten den Breitenverlust nach sechs Monaten um etwa 1,2 Millimeter und den Höhenverlust um etwa 1,4 Millimeter.
- Mit synthetischem Material fand eine einzelne Studie mit nur 15 Teilnehmenden etwa 3,7 Millimeter weniger Höhenverlust.
- Ob durch Socket Preservation seltener ein zusätzlicher Knochenaufbau vor der Implantation nötig wird oder weniger Implantate verloren gehen, ließ sich nicht zeigen.
- Einzelne Teilnehmende berichteten verzögerte Heilung, Schmerzen, Schwellung oder Rötung; schwere Nebenwirkungen traten in den meisten Studien nicht auf.
Die Autorinnen und Autoren beschreiben die Studien als widersprüchlich und oft unklar in der Methodik; der Einfluss auf Implantaterfolg und Aussehen der Zähne sei kaum untersucht.
Was bringt Socket Preservation für das Implantat?
Das Ziel ist, dass das Implantat später dort gesetzt werden kann, wo der Zahn hingehört, und nicht dort, wo zufällig noch Knochen ist. Laut ITI wird Socket Preservation bei geplanter späterer Implantation empfohlen, um die Abmessungen zu erhalten und das Implantat dreidimensional in der prothetisch richtigen Position setzen zu können. Der italienische Konsensbericht hält sie besonders im sichtbaren Bereich für geeignet, den Knochenverlust nach der Zahnentfernung zu begrenzen.
Die Cochrane-Übersicht konnte jedoch nicht zeigen, dass dadurch ein zusätzlicher Knochenaufbau zur Implantation entfällt. Auch nach einer Socket Preservation kann also bei der Implantation Knochen ergänzt werden müssen; das zeigt die Untersuchung mit DVT vor dem Eingriff.
Wie lange dauert es bis zum Implantat, und wie viele Aufenthalte sind nötig?
Laut dem italienischen Konsensbericht wird das Implantat nach einer Socket Preservation in der Regel nach 4 bis 6 Monaten gesetzt; die Cochrane-Übersicht bezog Studien mit mindestens sechs Monaten Nachbeobachtung ein. Der ZahnRat empfiehlt auch ohne Auffüllen, vor der Implantation die weitgehende Ausheilung des Zahnfachs von etwa zwölf Wochen abzuwarten. Wie sich die Wartezeit nach einer Zahnentfernung in die Gesamtdauer einfügt, erklärt der Ratgeber Wie lange dauert eine Implantatbehandlung?
Für die Zeit nach dem Eingriff beschreibt die ITI-Übersicht, dass die Fäden in der Regel nach 10 bis 15 Tagen gezogen werden und sich eine Kollagenabdeckung über dem Zahnfach in etwa 14 Tagen auflöst. In den ersten Tagen können einzelne Körnchen des Materials in den Mund gelangen; was normal ist und worauf Sie achten sollten, steht im Ratgeber Heilung nach Knochenaufbau.
Für Patientinnen und Patienten aus Deutschland bedeutet das: Zahnentfernung mit Socket Preservation und Implantation fallen in der Regel in getrennte Aufenthalte, und auf die Implantation folgt die Einheilzeit bis zum Zahnersatz. Fragen Sie vor der Buchung, ob die Fäden vor dem Rückflug gezogen werden oder in Ihrer Praxis zu Hause.
Zahnentfernung in Deutschland, Implantat in der Türkei: Wie geht das zusammen?
Viele Patientinnen und Patienten lassen einen nicht erhaltungsfähigen Zahn in Deutschland entfernen und planen das Implantat für die Türkei. Dann lohnt es sich, Ihre Praxis in Deutschland vor der Zahnentfernung auf eine Socket Preservation anzusprechen, denn sie ist laut ITI nur bei oder unmittelbar nach der Entfernung möglich. Hilfreich für die spätere Planung sind das Datum der Zahnentfernung, ein Röntgenbild von vorher und nachher sowie Angaben zum verwendeten Material und zur Membran.
Diese Unterlagen und aktuelle Fotos können Sie uns per WhatsApp für eine Voreinschätzung schicken; so lässt sich der erste Aufenthalt in die Zeit legen, in der das Zahnfach voraussichtlich ausgeheilt ist. Verbindlich wird der Plan nach Untersuchung und DVT vor Ort. Welche Unterlagen Sie generell mitbringen sollten, steht im Ratgeber Unterlagen für die Zahnbehandlung in der Türkei.
Wie planen wir Zahnentfernung und Implantat bei Rönesans?
In unserer Praxis in Serdivan werden vor einer Zahnentfernung bei Bedarf die Knochenwände um den Zahn sowie der Abstand zu Kieferhöhle und Nervkanal im DVT (digitale Volumentomographie) beurteilt. Knochenaufbau führen wir in der Praxis durch, bei Bedarf unter Vollnarkose. Ob eine Socket Preservation im selben Eingriff wie die Zahnentfernung für Sie sinnvoll ist, wird bei der Untersuchung geklärt.
Ihren Fall von der Zahnentfernung bis zum Zahn auf dem Implantat besprechen unsere Zahnärztinnen und Zahnärzte gemeinsam; eine feste Zahnärztin oder ein fester Zahnarzt begleitet Sie. Vor Behandlungsbeginn erhalten Sie einen schriftlichen Behandlungs- und Kostenplan mit den Eingriffen je Zahn und den geplanten Aufenthalten. In der Einheilzeit des Implantats wird je nach Befund ein Provisorium eingesetzt. Fragen vorab beantworten wir auf Deutsch per WhatsApp unter +90 532 363 49 54; wie Aufenthalte organisiert sind, lesen Sie auf der Seite Zahnbehandlung in der Türkei.