Was ist eine Entzündung rund um Implantate, und welche Stadien gibt es?
Zahnfleisch und Knochen um ein Implantat können sich, wie das Gewebe um eigene Zähne, durch bakteriellen Zahnbelag entzünden. Die 2023 veröffentlichte Leitlinie der Europäischen Föderation für Parodontologie (EFP) weist darauf hin, dass sich die Oberfläche eines Implantats nicht wie natürliches Gewebe erneuert und sich Belag darauf ablagern kann; deshalb sei das Implantat selbst als Risikofaktor zu betrachten.
Die Entzündung verläuft in zwei Stadien:
- Periimplantäre Mukositis: Die Entzündung beschränkt sich auf das Zahnfleisch um das Implantat, Knochen geht nicht verloren. Laut dem Leitfaden der EFP für Zahnärztinnen und Zahnärzte kann sie abheilen, sobald die Belagentfernung wieder konsequent erfolgt.
- Periimplantitis: Die Entzündung reicht tiefer, und der Knochen, der das Implantat trägt, geht verloren. Die EFP-Leitlinie beschreibt diesen Schaden als nicht umkehrbar und weist darauf hin, dass Implantat und Zahnersatz bei fortschreitender Erkrankung wahrscheinlich verloren gehen.
Laut EFP geht die Mukositis der Periimplantitis voraus und kann in eine Periimplantitis übergehen, vor allem wenn keine regelmäßige Nachsorge stattfindet. Auch die American Academy of Periodontology (AAP) beschreibt die Mukositis als üblichen Vorläufer der Periimplantitis. Dieser Beitrag erklärt, wie sich das Problem erkennen und wie sich ihm vorbeugen lässt.
Wie häufig sind Entzündungen rund um Implantate?
Sie sind nicht selten. Laut einer in der EFP-Leitlinie zitierten systematischen Übersichtsarbeit über 11 Studien (Derks und Tomasi, 2015) hatten etwa 43 % der Menschen mit Implantaten eine periimplantäre Mukositis und 22 % eine Periimplantitis. Eine andere Übersichtsarbeit über 47 Studien kam auf etwa 47 % und 20 %.
Diese Werte beziehen sich auf Personen, nicht auf einzelne Implantate; sie bedeuten also nicht, dass jedes Implantat mit dieser Wahrscheinlichkeit erkrankt. Zudem unterscheiden sich die Studien darin, wie sie die Erkrankung definieren, wie lange sie die Teilnehmenden beobachtet und welche Gruppen sie untersucht haben. Dennoch zeigen die Zahlen, dass alle Menschen mit Implantaten dieses Thema kennen und ihre Kontrollen wahrnehmen sollten.
Welche Anzeichen sprechen für eine Entzündung am Implantat?
Laut der Patienteninformation der EFP können diese Anzeichen auf eine Entzündung rund um ein Implantat hindeuten:
- Zahnfleisch um das Implantat, das beim Zähneputzen oder bei der Zwischenraumreinigung leicht blutet
- geschwollenes Zahnfleisch
- Mundgeruch oder ein unangenehmer Geschmack im Mund
- ein Implantat oder eine Brücke oder Prothese darauf, die sich locker anfühlt
Die AAP nennt gerötetes oder empfindliches Zahnfleisch und Bluten beim Zähneputzen, die britische Oral Health Foundation gerötetes, schmerzendes oder geschwollenes Zahnfleisch, Blutungen am Implantat und Infektionen. Laut EFP ist es nicht immer leicht, solche Veränderungen selbst zu bemerken; auch deshalb sind Kontrollen wichtig, wenn Sie keine Beschwerden haben. Bemerken Sie Anzeichen einer Entzündung an einem Implantat, rät die EFP, so bald wie möglich einen Termin in Ihrer Zahnarztpraxis zu vereinbaren.
Wie stellt die Zahnärztin oder der Zahnarzt die Entzündung fest?
Die Diagnose beruht auf Untersuchung und Röntgenbild. Laut dem Leitfaden der EFP für Zahnärztinnen und Zahnärzte wird mit einem feinen Messinstrument mit Skala (einer Sonde) vorsichtig in die Zahnfleischtasche um das Implantat getastet, um Blutung oder Eiteraustritt festzustellen und die Taschentiefe zu messen; das Röntgenbild zeigt die Höhe des Knochens, der das Implantat trägt.
| Zustand | Befund bei der Untersuchung | Knochen |
|---|---|---|
| Gesund | Keine Blutung und kein Eiter bei vorsichtiger Sondierung, keine Zunahme der Taschentiefe | Kein Knochenverlust |
| Periimplantäre Mukositis | Blutung und/oder Eiter bei vorsichtiger Sondierung | Kein Knochenverlust |
| Periimplantitis | Blutung und/oder Eiter, Taschentiefe im Vergleich zu früheren Untersuchungen erhöht | Knochenverlust über die Veränderungen der ersten Einheilphase hinaus |
Deshalb ist der Vergleich mit früheren Befunden wichtig. Der EFP-Leitfaden empfiehlt, nach Fertigstellung des Zahnersatzes auf Implantaten ein Ausgangsröntgenbild und Ausgangsmesswerte zu erheben; die Leitlinie von 2023 empfiehlt die erste Sondierung innerhalb von drei Monaten nach dem Einsetzen des Zahnersatzes und eine Wiederholung bei jeder Kontrolle. Fehlen frühere Befunde, spricht es laut EFP-Leitfaden für eine Periimplantitis, wenn neben Blutung oder Eiter Taschentiefen von 6 mm oder mehr vorliegen und der Knochen im Röntgenbild mindestens 3 mm unterhalb des oberen Randes des im Knochen sitzenden Implantatteils liegt.
Was erhöht das Risiko?
Laut dem EFP-Leitfaden gibt es die stärksten Belege für eine frühere schwere Parodontitis sowie für unzureichende Belagentfernung in Verbindung mit fehlender regelmäßiger Nachsorge. Die Datenlage zu Rauchen und Diabetes als Risikofaktoren für Periimplantitis bezeichnet derselbe Leitfaden als nicht eindeutig; die Leitlinie von 2023 zählt Rauchen jedoch zu den Faktoren, die mit Mukositis in Zusammenhang stehen, und die AAP nennt Rauchen und Diabetes unter den Risikofaktoren. Leeds Teaching Hospitals NHS Trust nennt außerdem einen schlecht eingestellten Diabetes und eine frühere Bestrahlung der Kiefer als Faktoren, die das Risiko für Probleme mit Implantaten erhöhen.
Die EFP-Leitlinie von 2023 versteht Vorbeugung als Prozess, der schon bei der Implantatplanung beginnt:
| Phase | Empfehlungen der Leitlinie |
|---|---|
| Vor der Implantation | Parodontitis behandeln und stabilisieren; Rauchen einschließlich E-Zigaretten aufgeben oder einschränken; bei Diabetes die Blutzuckereinstellung verbessern; die Mundhygiene verbessern; Gewohnheiten wie Pressen und Knirschen angehen |
| Planung und Gestaltung des Zahnersatzes | Implantat in einer Position, die die Reinigung erlaubt; Zahnersatz so gestalten, dass die Reinigungshilfsmittel der Patientin oder des Patienten sowie die Mess- und Reinigungsinstrumente der Praxis das Implantat erreichen, ohne übermäßiges Volumen; wo es sinnvoll ist, verschraubten Zahnersatz wählen |
| Während das Implantat in Funktion ist | Regelmäßige Termine zur unterstützenden Nachsorge und häusliche Pflege, die an die Gestaltung des Zahnersatzes angepasst ist |
Wie reinigen Sie zu Hause rund um Implantate?
Laut Oral Health Foundation ähnelt die Pflege von Implantaten der Pflege eigener Zähne:
- Putzen Sie mindestens zweimal täglich je zwei Minuten mit fluoridhaltiger Zahnpasta, einmal davon abends vor dem Schlafengehen.
- Reinigen Sie täglich mit Interdentalbürsten um jedes Implantat. Die AAP und Leeds Teaching Hospitals empfehlen zusätzlich Zahnseide.
- Tragen Sie eine herausnehmbare Implantatprothese, nehmen Sie sie laut Leeds Teaching Hospitals nachts und zur Reinigung der Implantate heraus; festsitzender Zahnersatz wird im Mund gereinigt.
- Wenn Sie rauchen, holen Sie sich Unterstützung beim Aufhören.
Die EFP-Leitlinie betont, dass die häusliche Pflege an die Gestaltung des Zahnersatzes angepasst werden sollte. Laut Oral Health Foundation kann Ihnen Ihr Praxisteam zeigen, wie Sie die Bereiche um das Implantat reinigen; welche Größe der Interdentalbürste und welche weiteren Hilfsmittel Sie brauchen, hängt von Ihrem Zahnersatz ab. Blutet das Zahnfleisch um ein Implantat beim Reinigen, hören Sie nicht damit auf: Laut EFP kann eine Mukositis abheilen, sobald die Belagentfernung wieder konsequent erfolgt.
Warum sind regelmäßige Kontrollen so wichtig?
Die EFP-Leitlinie von 2023 empfiehlt für Menschen mit Implantaten eine regelmäßige unterstützende Nachsorge, auch solange das Gewebe um die Implantate gesund ist. Dazu gehören die professionelle Entfernung von Belägen ober- und unterhalb des Zahnfleischrands, die Überprüfung der Mundhygiene und das frühe Erkennen von Problemen. Laut EFP-Leitfaden kann eine Mukositis in eine Periimplantitis übergehen, vor allem wenn keine regelmäßige Nachsorge stattfindet.
Frühes Erkennen ist auch wegen des Verlaufs wichtig: Laut EFP-Leitfaden schreitet eine Periimplantitis schneller fort als eine Parodontitis an eigenen Zähnen, und zwar nicht gleichmäßig, sondern sich beschleunigend. Auch die AAP betont, dass Implantate im Rahmen einer umfassenden parodontalen Untersuchung regelmäßig kontrolliert werden sollten.
Der Abstand der Kontrollen ist nicht für alle gleich. In den Studien, auf die sich die EFP-Leitlinie stützt, wurden unterschiedliche Abstände verwendet, von individuell festgelegten bis zu dreimonatigen oder bis zu zwölfmonatigen Intervallen. Welcher Abstand zu Ihnen passt, legt Ihre Zahnärztin oder Ihr Zahnarzt anhand einer früheren Parodontitis, Risiken wie Rauchen und Diabetes und der Art Ihres Zahnersatzes fest.
Wurden Ihre Implantate im Ausland eingesetzt, kann Ihre Zahnarztpraxis am Wohnort diese Kontrollen übernehmen. Weil der Vergleich mit früheren Befunden wichtig ist, fragen Sie nach Kopien Ihrer Röntgenbilder und halten Sie Ihren Implantatpass für die Praxis zu Hause bereit. Wie die Betreuung nach Ihrer Rückkehr abläuft, lesen Sie auf unserer Seite zur Nachsorge nach Ihrer Rückkehr.
Wie wird eine Entzündung am Implantat behandelt?
Die Behandlung richtet sich nach dem Stadium. Laut EFP-Leitlinie von 2023 gilt:
- Bei einer Mukositis geht es darum, die Belagansammlung zu beseitigen: Die Stelle wird professionell gereinigt und die häusliche Pflege verbessert. Nach zwei bis drei Monaten wird das Ergebnis beurteilt; ist die angestrebte Heilung nicht erreicht, wird die Behandlung wiederholt.
- Bei einer Periimplantitis wird zuerst entschieden, ob das Implantat behandelbar ist. Ist es das, folgt als erster Schritt eine nichtchirurgische Tiefenreinigung; danach wird das Ergebnis erneut beurteilt, und sind die Behandlungsziele nicht erreicht, folgt eine chirurgische Behandlung.
Laut AAP ist eine Mukositis umkehrbar, wenn sie früh erkannt wird, während eine Periimplantitis meist chirurgisch behandelt werden muss. Laut der Patienteninformation der EFP ist eine Periimplantitis meist deutlich schwieriger zu behandeln als eine Parodontitis an eigenen Zähnen; ein Implantat kann seine Verankerung im Knochen verlieren und muss dann eventuell ersetzt werden, und um verlorenen Knochen wiederherzustellen, kann ein weiterer Eingriff nötig sein. Welche Behandlung infrage kommt, wird bei der Untersuchung festgelegt.
Wie wird die Gesundheit Ihrer Implantate bei Rönesans begleitet?
Implantologie gehört zu unseren Behandlungsbereichen, und die Nachsorge folgt bei uns einem festgelegten Ablauf. Zahnfleisch und Knochen um Ihre Implantate werden bei den Kontrollterminen beurteilt; welche Bildgebung nötig ist, entscheidet die Zahnärztin oder der Zahnarzt bei der Untersuchung. In unserer Praxis steht ein Gerät zur Verfügung, das Belag mit einem Gemisch aus Luft, Wasser und feinem Pulver entfernt; welche Reinigungsmethode um Ihre Implantate angewendet wird, wird nach der Untersuchung entschieden.
Nach der Behandlung erhalten Sie einen Implantatpass mit der Chargennummer Ihres Implantats. Gehen Sie Jahre später zu einer anderen Praxis, etwa zu Hause, hilft er, Ihr Implantat richtig zuzuordnen. Wird eine Entzündung an einem Implantat festgestellt, werden die Behandlungsmöglichkeiten bei der Untersuchung beurteilt. Sie erhalten einen schriftlichen Behandlungs- und Kostenplan mit den geplanten Leistungen sowie Einzel- und Gesamtkosten, und Sie wissen von Anfang an, wer Ihre Behandlung betreut. Die Kosten richten sich nach dem Behandlungsplan und stehen nach der Untersuchung fest.
Bemerken Sie Bluten, Schwellung oder Lockerung an einem Implantat, schicken Sie uns Fotos per WhatsApp oder schreiben Sie uns über das Kontaktformular; Nachrichten auf Deutsch und Englisch beantworten wir während der Öffnungszeiten innerhalb von höchstens 15 Minuten. Fotos ersetzen keine Untersuchung; bei akuten Beschwerden wenden Sie sich zuerst an eine Praxis in Ihrer Nähe. Mehr über den Ablauf der Implantatbehandlung lesen Sie auf unserer Seite zu Zahnimplantaten in der Türkei, über feste Zähne für einen ganzen Kiefer auf der Seite zu festen Zähnen auf Implantaten.