Wie stark erhöht eine frühere Parodontitis das Risiko am Implantat?
Wer eine Parodontitis hatte, also eine Zahnfleischentzündung, die auf den zahntragenden Knochen übergegriffen hat, trägt an Implantaten ein etwa doppelt so hohes Risiko für Entzündungen und Implantatverlust wie Menschen mit gesundem Zahnfleisch. Mehrere Metaanalysen kommen zu ähnlichen Ergebnissen:
| Ergebnis | Bei Parodontitis in der Vorgeschichte | Quelle |
|---|---|---|
| Implantatverlust | Risiko etwa 1,9-fach | Sgolastra et al. (14 prospektive Studien) |
| Periimplantitis | Risiko etwa 2,2-fach | Sgolastra et al. |
| Periimplantitis | Wahrscheinlichkeit etwa 2,3-fach | Ferreira et al., 2018 (19 Studien) |
| Periimplantitis | Wahrscheinlichkeit etwa 3,8-fach | Giok et al., 2024 (Umbrella Review) |
Diese Zahlen haben Grenzen. Ferreira und Kollegen weisen darauf hin, dass der Zusammenhang nicht nachweisbar war, wenn nur Studien betrachtet wurden, die Patientinnen und Patienten über die Zeit begleiteten, und dass die Ergebnisse wegen der Unterschiede zwischen den Studien vorsichtig zu lesen sind. Im Umbrella Review von Giok und Kollegen gehört Parodontitis zu den Faktoren mit „stark suggestiver“ Evidenz für Periimplantitis; die höchste Evidenzstufe erreichte kein Faktor.
Auch die Patienteninformation der European Federation of Periodontology (EFP) nennt eine frühere Parodontitis als Risikofaktor für Probleme am Implantat. Die Stadien und Anzeichen einer Entzündung am Implantat beschreibt der Ratgeber Periimplantitis.
Spielt der Schweregrad der Parodontitis eine Rolle?
Ja: Je schwerer und schneller die Erkrankung verlief, desto höher erscheint das Risiko. In der Metaanalyse von Sgolastra und Kollegen war das Risiko eines Implantatverlusts bei der in Studien als „aggressiv“ bezeichneten, in jungen Jahren rasch fortschreitenden Form etwa 4-fach, bei der langsamer verlaufenden chronischen Form etwa 1,6-fach erhöht. Innerhalb der chronischen Form war nur die schwere Erkrankung signifikant mit Implantatverlust verbunden.
Auch die Resttaschen nach der Behandlung zählen. Nach Daten, die die EFP-Leitlinie von 2023 zusammenfasst, trat Periimplantitis häufiger bei Menschen auf, die während der Nachsorge noch Taschen tiefer als 6 mm hatten. Entscheidend ist also nicht nur, ob Sie früher eine Parodontitis hatten, sondern wie gut sie heute unter Kontrolle ist.
Warum muss die Parodontitis vor der Implantation behandelt sein?
Weil die Leitlinien die Implantation erst nach einer erfolgreich behandelten, stabilen Parodontitis empfehlen. Die EFP-Leitlinie von 2023 spricht eine starke Empfehlung aus, bei Patientinnen und Patienten vor Implantaten Gingivitis und Parodontitis leitliniengerecht bis zu einem stabilen Zustand zu behandeln und sie in ein Programm unterstützender Nachsorge einzubinden. Die EFP-Patienteninformation betont ebenfalls, dass vor einer Implantation keine Parodontitis mehr bestehen soll.
Die Mundhygiene ist eine weitere Voraussetzung. Die EFP-Leitlinie von 2020 rät von parodontalchirurgischen Eingriffen einschließlich Implantationen ab, wenn jemand seine Mundhygiene nicht auf ein ausreichendes Niveau bringen und dort halten kann. Laut gesundheitsinformation.de, dem Portal des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gilt eine Parodontitis als behandlungsbedürftig, wenn Zahnfleischtaschen von mindestens vier Millimetern gemessen werden. Ein Implantatplan wird deshalb erst konkret, wenn die Ergebnisse der Parodontitisbehandlung vorliegen.
Wie läuft die Parodontitisbehandlung in Deutschland ab?
Die vier Stufen der EFP-Leitlinie von 2020 spiegeln sich in der Behandlung wider, die gesundheitsinformation.de für Deutschland beschreibt:
- Vorbehandlung: Mundhygieneschulung mit Zahnbürste, Zwischenraumbürsten und Zahnseide, Entfernung von Zahnstein, Unterstützung beim Rauchstopp und optimale Einstellung eines Diabetes.
- Geschlossene Behandlung: Beläge und harte Ablagerungen unterhalb des Zahnfleischrands werden meist unter örtlicher Betäubung entfernt.
- Reevaluation: Laut gesundheitsinformation.de prüft die Praxis den Erfolg drei bis sechs Monate nach der geschlossenen Behandlung. Verbliebene tiefe Taschen werden erneut gereinigt oder, wenn sie sehr tief sind, offen chirurgisch behandelt.
- Unterstützende Parodontitistherapie (UPT): Kontrolle der Mundhygiene, Blutungstest, Reinigung, Taschenmessung und bei Bedarf Röntgen; die Abstände richten sich nach dem Schweregrad. Die EFP-Leitlinie nennt Intervalle von drei bis höchstens zwölf Monaten.
Laut gesundheitsinformation.de übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen diese systematische Behandlung, wenn der Zahnhalteapparat behandlungsbedürftig ist; die UPT läuft über zwei Jahre und kann verlängert werden. Den Ablauf im Einzelnen beschreibt der Ratgeber Wie wird Parodontitis behandelt?
Erst Parodontitisbehandlung in Deutschland, dann Implantate in der Türkei: Wie passt das zusammen?
Für viele Patientinnen und Patienten aus Deutschland ist das die sinnvollste Reihenfolge. Zwischen geschlossener Behandlung und Reevaluation liegen Monate, in denen das Gewebe heilen muss; diese Zeit lässt sich mit einer Reise nicht überbrücken. Wenn Ihre Praxis in Deutschland eine Parodontitis festgestellt hat, beginnen Sie die Behandlung dort und planen die Implantation, sobald die Reevaluation einen stabilen Zustand zeigt.
Für die Voreinschätzung per WhatsApp sind dann folgende Unterlagen hilfreich: der Parodontalstatus mit den Taschentiefen vor und nach der Behandlung, aktuelle Röntgenbilder, der Zeitpunkt der Reevaluation und Ihr UPT-Plan. So lässt sich einschätzen, ob der Zeitpunkt für Implantate passt und ob vor Ort weitere Schritte nötig wären. Welche Unterlagen Sie sonst mitbringen sollten, steht im Ratgeber Unterlagen für die Zahnbehandlung in der Türkei.
Zeigt die Untersuchung vor Ort dennoch aktive Taschen, kann es sein, dass Implantate warten müssen. Auch eine frühere Parodontitis beeinflusst die Planung: Der Knochen, der die Zähne getragen hat, kann abgebaut sein, sodass ein Knochenaufbau nötig wird und die Zahl der Reisen beeinflusst. Wie viele Aufenthalte in der Regel nötig sind, erklärt der Ratgeber Zahnimplantate in der Türkei: Wie lange sollten Sie bleiben?
Warum ist die Nachsorge nach der Implantation so wichtig?
Regelmäßige Nachsorge senkt die Wahrscheinlichkeit periimplantärer Erkrankungen deutlich. Nach Daten in der EFP-Leitlinie von 2023 war sie bei Menschen mit regelmäßiger unterstützender Nachsorge erheblich geringer (Odds Ratio 0,42), während unregelmäßige Nachsorge mit einem etwa 3,8-fach höheren Risiko für Implantatverlust verbunden war. Die Leitlinie empfiehlt die Nachsorge deshalb ausdrücklich auch dann, wenn das Gewebe um die Implantate gesund ist.
Für Patientinnen und Patienten aus Deutschland heißt das: Die UPT in Ihrer Praxis zu Hause sollte nach der Implantation weiterlaufen und die Implantate einschließen. Laut der EFP-Leitlinie von 2020 dient sie auch dazu, ein Wiederaufflammen an den eigenen Zähnen zu verhindern. Fragen und Fotos können Sie uns zwischen den Terminen per WhatsApp schicken; wie die Betreuung nach der Rückkehr organisiert ist, beschreibt die Seite Nachsorge.
Wie reinigen Sie Implantate und Zähne zu Hause?
Im Mittelpunkt stehen Zahnbürste und Zwischenraumbürsten. Die EFP-Leitlinie von 2020 empfiehlt, das Putzen bei Menschen nach Parodontitisbehandlung durch Zwischenraumbürsten zu ergänzen; wo diese nicht passen, kommen andere Hilfsmittel für die Zwischenräume in Frage. Zahnseide wird nicht als erste Wahl genannt, und die Anleitung soll individuell angepasst werden.
An Implantaten richtet sich die Reinigung nach dem Zahnersatz. Die EFP-Leitlinie von 2023 empfiehlt, implantatgetragenen Zahnersatz so zu gestalten, dass er mit den Hilfsmitteln der Patientin oder des Patienten erreichbar bleibt, und die häusliche Pflege an das Design anzupassen. Praktische Hinweise gibt der Ratgeber Zahnersatz auf Implantaten pflegen.
Worauf sollten Sie mit einer Parodontitis in der Vorgeschichte achten?
- Beginnen Sie Implantate nicht, bevor die Parodontitisbehandlung abgeschlossen und die Reevaluation stabil ist.
- Wenn Sie rauchen, holen Sie sich Unterstützung beim Aufhören; beide EFP-Leitlinien empfehlen das.
- Halten Sie bei Diabetes den Blutzucker gut eingestellt.
- Machen Sie Zwischenraumbürsten zur täglichen Gewohnheit.
- Halten Sie Ihre UPT-Termine in Deutschland ein, auch ohne Beschwerden.
- Melden Sie Bluten, Schwellung oder schlechten Geschmack am Zahnfleisch oder am Implantat, ohne auf den nächsten Termin zu warten.
Wie planen wir Implantate nach Parodontitis bei Rönesans?
Bei der Untersuchung in unserer Praxis in Serdivan beurteilen wir Zahnfleisch, verbliebene Zähne und Ihre Parodontitisgeschichte gemeinsam. Weil die Erkrankung den Knochen angreift, prüfen wir das Knochenangebot mit einer DVT (digitale Volumentomographie). Den Behandlungsplan erarbeiten unsere Zahnärztinnen und Zahnärzte gemeinsam, und Ihre behandelnde Zahnärztin oder Ihr behandelnder Zahnarzt bleibt dieselbe Person.
Welche Zähne erhalten werden, was an welchem Zahn geschieht und was es kostet, erhalten Sie vor Behandlungsbeginn als schriftlichen Behandlungs- und Kostenplan; der Preis steht nach der Untersuchung fest. Nach der Implantation erhalten Sie einen Implantatpass sowie Kopien Ihrer Röntgenbilder und Ihrer Behandlungszusammenfassung für Ihre Praxis in Deutschland. Befunde und Fotos für die Voreinschätzung schicken Sie an +90 532 363 49 54; telefonisch erreichen Sie uns unter +90 264 606 09 43. Mehr zur Behandlung auf der Seite Zahnimplantate.