Rauchen und Zahnimplantate: Ist eine Implantation möglich, wenn Sie rauchen?

Kurz gesagt

Rauchende können Zahnimplantate bekommen, tragen aber ein deutlich höheres Risiko, das Implantat zu verlieren oder eine Entzündung daran zu entwickeln. Eine Metaanalyse fand bei Rauchenden eine etwa 2,4-fach höhere Wahrscheinlichkeit für einen Implantatverlust. Quellen empfehlen, mindestens eine Woche vor dem Eingriff aufzuhören und in der Einheilzeit nicht zu rauchen, am besten dauerhaft. Der Plan wird bei der Untersuchung festgelegt.

Medizinisch geprüft von: Dt. Muhammed Raşid KızılarslanoğluAktualisiert:

Wie stark erhöht Rauchen das Risiko, ein Implantat zu verlieren?

Rauchen erhöht die Wahrscheinlichkeit, ein Implantat zu verlieren, etwa um das Zweieinhalbfache. Die 2022 in der Fachzeitschrift Medicina veröffentlichte Metaanalyse von Mustapha und Kollegen, also eine Auswertung, die die Ergebnisse vieler Studien zusammenführt, beruht auf einer der größten Datengrundlagen zu dieser Frage: In 292 Publikationen wurden 35.511 Implantate bei Rauchenden mit 114.597 Implantaten bei Nichtrauchenden verglichen.

Messgröße Bei Rauchenden im Vergleich zu Nichtrauchenden Quelle
Implantatverlust Wahrscheinlichkeit etwa 2,4-fach Mustapha et al., 2022
Implantatverlust im Oberkiefer Wahrscheinlichkeit etwa 2,9-fach Mustapha et al., 2022
Implantatverlust im Unterkiefer Wahrscheinlichkeit etwa 2,9-fach Mustapha et al., 2022
Knochenabbau am Implantat Im Mittel 0,58 mm mehr Mustapha et al., 2022
Periimplantitis Risiko etwa 2,1-fach Giok et al., 2024
Implantatverlust nach Sinuslift Risiko etwa 1,9-fach Chambrone et al., 2014

Diese Zahlen bedeuten nicht, dass die meisten Implantate bei Rauchenden verloren gehen; in derselben Auswertung blieb der weit überwiegende Teil dieser Implantate im Mund. Sie zeigen, wie stark das Risiko im Vergleich zu einer nicht rauchenden Person steigt. Auch die Verbraucherzentrale nennt Rauchen neben Parodontitis, schlechter Mundhygiene und schlecht eingestelltem Diabetes als Risikofaktor, der vor einer Implantation besprochen werden sollte.

Der Grund liegt in der Heilung. Nach dem Informationsblatt des britischen National Centre for Smoking Cessation and Training (NCSCT) für Zahnarztpraxen verringert Rauchen den Sauerstoffgehalt im Blut und stört so die Heilung des Gewebes. Der Guy’s and St Thomas’ NHS Foundation Trust weist in seiner Patienteninformation darauf hin, dass bei Rauchenden das Risiko höher ist, dass das Implantat nicht mit dem Kieferknochen verwächst. Wie lange Implantate im Allgemeinen halten, lesen Sie im Ratgeber Wie lange halten Zahnimplantate?

Erhöht Rauchen auch das Risiko einer Periimplantitis?

Sehr wahrscheinlich ja, die Belege sind hier aber weniger eindeutig als beim Implantatverlust. In einer 2024 im Journal of Dentistry veröffentlichten Übersicht über Metaanalysen (Giok et al.) war Rauchen einer von zwei Faktoren, deren Zusammenhang mit Periimplantitis als „stark hinweisend” eingestuft wurde; das Risiko wurde auf etwa das 2,1-Fache berechnet. Für keinen Risikofaktor erreichte die Evidenz die höchste Stufe „überzeugend”.

Auch die Leitlinie der European Federation of Periodontology (EFP) von 2023 bewertet die Belege zum Rauchen als weniger gesichert als die zu einer vorangegangenen Parodontitis. Dennoch zählt sie das Aufgeben oder Verringern des Rauchens vor einer Implantation zu den starken Empfehlungen zur Vorbeugung.

Rauchen kann eine Entzündung außerdem verschleiern. In der Metaanalyse von Bangiev und Kollegen (2025) blutete das Zahnfleisch um Implantate bei Nikotinkonsumierenden beim Messen weniger als bei Nichtrauchenden. Die Autoren führen das auf die gefäßverengende Wirkung des Nikotins zurück und betonen, dass dies nicht als Zeichen von Gesundheit gewertet werden darf. Symptome und Behandlung einer Entzündung beschreibt der Ratgeber Periimplantitis.

Wie lange vor der Implantation sollten Sie mit dem Rauchen aufhören?

Der in den Quellen am häufigsten genannte Ansatz: mindestens eine Woche vor dem Eingriff aufhören und in den acht Wochen danach gar nicht rauchen. Laut NCSCT wurden bei Patientinnen und Patienten, die sich daran hielten, Implantaterfolge wie bei Nichtrauchenden berichtet. Guy’s and St Thomas’ empfiehlt, aufzuhören und langfristig nicht zu rauchen.

Diese Empfehlung beruht auf den Ergebnissen einer einzelnen Studie; Mustapha und Kollegen halten weitere Forschung dazu für nötig, wie sich unterschiedlich lange Rauchpausen um den Eingriff auswirken. Für eine Behandlung im Ausland ergibt sich daraus in der Regel folgender Ablauf:

  1. Bei der Voreinschätzung: Teilen Sie uns per WhatsApp mit, wie lange, wie viel und welches Produkt (Zigarette, E-Zigarette, Wasserpfeife) Sie konsumieren.
  2. Vor der Abreise: Die Woche vor dem Eingriff verbringen Sie noch zu Hause. Legen Sie Ihren Rauchstopp so, dass er spätestens eine Woche vor dem Implantationstermin beginnt.
  3. Während des Aufenthalts und nach der Rückkehr: In der Einheilzeit wird nicht geraucht; die Quellen nennen mindestens acht Wochen. Der größte Teil davon liegt nach Ihrem Rückflug.
  4. Danach: Am besten bleiben Sie rauchfrei; das Risiko besteht auch nach dem Einheilen weiter.

Unterstützung finden Sie in Deutschland leicht: Laut dem Infoblatt des IQWiG auf gesundheitsinformation.de ist die Hausarztpraxis eine häufige erste Anlaufstelle; die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bietet kostenlose Online- und Telefonberatung an, und Nikotinersatzprodukte, verschreibungspflichtige Medikamente sowie Kurse können kombiniert werden. Manche Angebote werden laut IQWiG von der Krankenkasse bezuschusst oder vollständig erstattet; fragen Sie dort nach. Wie Sie Ihre Reise insgesamt planen, erklärt die Seite Zahnbehandlung in der Türkei.

Sind E-Zigaretten und Wasserpfeife weniger schädlich für Implantate?

Sie gelten als weniger schädlich als Zigaretten, als sichere Alternative für Implantate sind sie jedoch nicht belegt. In der Metaanalyse von Bangiev und Kollegen (2025), die neun Studien zusammenführte:

  • war der Knochenabbau am Implantat bei E-Zigaretten-Nutzenden im Mittel 0,83 mm größer als bei Nichtrauchenden; einige Entzündungsmarker waren ebenfalls erhöht,
  • war der Knochenabbau bei Wasserpfeifen-Rauchenden im Mittel 1,9 mm größer, allerdings mit großen Unterschieden zwischen den Studien,
  • vermuten die Autoren eine abnehmende Risikoreihenfolge von Zigarette über Wasserpfeife und E-Zigarette bis zum Nichtrauchen.

Diese Ergebnisse sind vorsichtig zu lesen: Die meisten Studien erfassten nur einen Zeitpunkt und schlossen wenige Teilnehmende ein. Die Übersicht von D’Ambrosio und Kollegen (2022) hält es für möglich, dass E-Zigaretten mit weniger Entzündung einhergehen als Zigaretten, bewertet die Evidenz aber als schwach und fand keine randomisierten kontrollierten Studien. Die EFP-Leitlinie von 2023 nennt E-Zigaretten deshalb ausdrücklich unter den Gewohnheiten, die vor einer Implantation aufgegeben werden sollten.

Sind Knochenaufbau und Sinuslift bei Rauchenden möglich?

Ja, aber Rauchen erhöht auch bei diesen Eingriffen das Risiko. In der systematischen Übersicht von Chambrone und Kollegen in Clinical Oral Implants Research war das Verlustrisiko von Implantaten in Bereichen mit Sinuslift bei Rauchenden etwa 1,9-fach erhöht. Wurden nur die prospektiven Studien ausgewertet, war der Unterschied statistisch nicht signifikant; die Evidenz ist also begrenzt.

Mustapha und Kollegen fanden bei Rauchenden im Oberkiefer eine etwa 2,9-fach höhere Verlustwahrscheinlichkeit. Was ein Sinuslift ist und wann ein Knochenaufbau nötig wird, erklären die Ratgeber Sinuslift und Knochenaufbau vor Implantaten. Ist ein solcher Eingriff geplant, hilft es, das Rauchen schon bei der Voreinschätzung anzusprechen, damit die Termine entsprechend geplant werden können.

Worauf sollten Rauchende während der Implantatbehandlung achten?

  • Geben Sie Zigaretten, E-Zigaretten, Wasserpfeife und Tabakerhitzer bei Voreinschätzung und Untersuchung vollständig an.
  • Planen Sie den Rauchstopp nach dem Eingriffstermin, nicht erst in den letzten Tagen vor der Abreise.
  • Rauchen Sie nicht, während das Implantat einheilt oder ein Knochenaufbau heilt, also auch nach der Rückkehr nicht.
  • Werten Sie ausbleibendes Zahnfleischbluten nicht als Zeichen von Gesundheit; halten Sie Kontrolltermine bei Ihrer Praxis zu Hause ein.
  • Reinigen Sie den Bereich um das Implantat täglich mit Zahnbürste und Interdentalbürste.
  • Holen Sie sich bei Bedarf Unterstützung über Hausarztpraxis, BZgA-Beratung oder Kurse.

Wie planen wir die Implantation bei Rauchenden bei Rönesans?

Bei der Untersuchung in unserer Praxis in Serdivan besprechen wir Ihren Tabakkonsum zusammen mit Ihrer Gesundheitsgeschichte. Höhe und Breite des Knochens beurteilen wir mit einem DVT (digitale Volumentomographie); Knochenaufbau und Sinuslift führen wir in unserer Praxis durch. Unsere Zahnärztinnen und Zahnärzte besprechen Ihren Fall gemeinsam, und Sie wissen von Anfang an, wer Sie behandelt. Vor Behandlungsbeginn erhalten Sie einen schriftlichen Behandlungs- und Kostenplan, der die Behandlung Zahn für Zahn aufführt.

Fotos und Röntgenbilder können Sie uns vorab per WhatsApp an +90 532 363 49 54 senden; die Kommunikation auf Deutsch übernimmt ein Teammitglied mit Deutsch als Muttersprache, und Nachrichten auf Deutsch und Englisch beantworten wir während der Öffnungszeiten innerhalb von höchstens 15 Minuten. Nach der Rückkehr erreichen Sie uns für Fragen und Fotos ebenfalls per WhatsApp; weil Knochenabbau am Implantat bei Rauchenden häufiger ist, sind regelmäßige Kontrollen bei Ihrer Zahnarztpraxis zu Hause besonders wichtig. Mehr dazu auf den Seiten Nachsorge und Zahnimplantate.

Quellen
  1. Mustapha AD, Salame Z, Chrcanovic BR. Smoking and Dental Implants: A Systematic Review and Meta-Analysis. Medicina, 2022;58(1):39.
  2. Giok KC, Veettil SK, Menon RK. Risk factors for peri-implantitis: An umbrella review of meta-analyses of observational studies and assessment of biases. Journal of Dentistry, 2024;146:105065 (Forschungsportal der Ajman University).
  3. Chambrone L, Preshaw PM, Ferreira JD u. a. Effects of tobacco smoking on the survival rate of dental implants placed in areas of maxillary sinus floor augmentation: a systematic review. Clinical Oral Implants Research, 2014;25(4):408–416 (University of Dundee).
  4. Bangiev L, Lubotcky I, Lugassy AY u. a. The Impact of Cigarette Smoking, Waterpipe Smoking, and E-Cigarette Vaping on Peri-Implant Clinical Outcomes and Inflammatory Markers: a Systematic Review and Meta-Analysis. Journal of Oral & Maxillofacial Research, 2025;16(4):e1.
  5. D'Ambrosio F, Pisano M, Amato A u. a. Periodontal and Peri-Implant Health Status in Traditional vs. Heat-Not-Burn Tobacco and Electronic Cigarettes Smokers: A Systematic Review. Dentistry Journal, 2022;10(6):103.
  6. Herrera D, Berglundh T, Schwarz F u. a. Prevention and treatment of peri-implant diseases – The EFP S3 level clinical practice guideline. Journal of Clinical Periodontology, 2023;50(Suppl 26):4–76.
  7. The clinical case for providing stop smoking support to dental patients – National Centre for Smoking Cessation and Training (NCSCT), 2020
  8. Dental implants – Guy's and St Thomas' NHS Foundation Trust
  9. Implantate können auch Risiken und Nebenwirkungen haben – Verbraucherzentrale
  10. Infoblatt: Rauchentwöhnung – gesundheitsinformation.de (IQWiG)

Häufige Fragen

Schaden auch wenige Zigaretten am Tag dem Implantat?

Möglicherweise ja. In der Metaanalyse von Mustapha und Kollegen (2022) zählten bereits Personen mit einer Zigarette pro Tag zur Gruppe der Rauchenden. Die Autoren verweisen auf eine frühere Übersichtsarbeit, nach der Implantatverluste mit der Zahl der täglichen Zigaretten zunehmen. Weniger zu rauchen kann das Risiko senken; eine für Implantate unbedenkliche Untergrenze ist nicht definiert.

Ist Rauchen noch ein Problem, wenn das Implantat eingeheilt ist?

Ja, das Risiko ist nicht auf die Zeit um den Eingriff beschränkt. In der Metaanalyse von Mustapha und Kollegen blieb die höhere Verlustwahrscheinlichkeit bei Rauchenden über längere Beobachtungszeiten weitgehend unverändert. Rauchen gilt zudem als Risikofaktor für Periimplantitis. Der Guy's and St Thomas' NHS Foundation Trust empfiehlt deshalb, mit dem Rauchen aufzuhören und langfristig nicht zu rauchen.

Sind Tabakerhitzer für Implantate weniger schädlich?

Dafür gibt es zu wenig Daten. In der systematischen Übersicht von D'Ambrosio und Kollegen (2022) fand sich keine Studie, die die Gesundheit um Implantate bei Nutzenden von Tabakerhitzern untersucht hat. Die Leitlinie der European Federation of Periodontology (EFP) von 2023 empfiehlt, vor einer Implantation Tabak- und Nikotinkonsum einschließlich E-Zigaretten aufzugeben oder zu verringern.

Muss ich schon vor dem Flug in die Türkei aufhören?

Das ist sinnvoll. Die in den Quellen genannte Spanne von mindestens einer Woche vor dem Eingriff beginnt bei einer Behandlung im Ausland noch zu Hause. Planen Sie den Rauchstopp deshalb vor der Abreise, und besprechen Sie Unterstützung mit Ihrer Hausarztpraxis. Nennen Sie Ihren Tabakkonsum außerdem bei der Voreinschätzung per WhatsApp, damit er in die Planung einfließt.

Gibt es Alternativen, wenn ich nicht aufhören kann?

Möglicherweise. Rauchen schließt ein Implantat nicht aus, erhöht aber das Risiko; deshalb werden bei manchen Patientinnen und Patienten auch eine Brücke oder eine herausnehmbare Prothese besprochen. Welche Lösung für Sie geeignet ist, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Zahnärztin oder Ihrem Zahnarzt nach Untersuchung, DVT und Gesundheitsgeschichte.

Ob die Behandlung für Sie geeignet ist, klärt die Untersuchung

Senden Sie uns Fotos oder Röntgenbilder per WhatsApp für eine Voreinschätzung. Der endgültige Plan entsteht erst nach der Untersuchung vor Ort.

Weitere Seiten

Diese Seite dient der allgemeinen Information. Eine persönliche Beurteilung erfordert eine zahnärztliche Untersuchung.