Was ist der Unterschied zwischen verschraubtem und zementiertem Zahnersatz?
Eine Krone oder Brücke kann auf zwei Arten mit dem Implantat verbunden werden. Nach der Patienteninformation des Leeds Teaching Hospitals NHS Trust werden feste Kronen und Brücken auf das Implantat geschraubt oder zementiert; in beiden Fällen können Sie den Zahnersatz nicht selbst zum Reinigen herausnehmen. Auch die Implantologie-Broschüre des Universitätsklinikums Freiburg beschreibt festsitzenden Zahnersatz als Versorgung, die nur die Zahnärztin oder der Zahnarzt entfernen kann.
- Verschraubt: Die Krone wird mit einer Schraube, die durch sie hindurchführt, auf dem Implantat oder dem Aufbau festgezogen. Der Schraubenkanal liegt auf der Kaufläche oder der Innenseite des Zahns und wird nach dem Festziehen mit einer zahnfarbenen Füllung verschlossen.
- Zementiert: Zuerst wird ein Aufbau (Abutment) auf das Implantat geschraubt; die Krone wird dann, ähnlich wie eine Krone auf einem natürlichen Zahn, mit Zement auf diesen Aufbau geklebt.
| Thema | Verschraubt | Zementiert |
|---|---|---|
| Abnehmen durch die Praxis | Durch Lösen der Schraube möglich | Begrenzt; manchmal muss die Krone aufgetrennt werden |
| Zementreste unter dem Zahnfleisch | Keine | Risiko vorhanden |
| Öffnung auf der Kaufläche | Ja, mit Füllung verschlossen | Nein |
| Lage des Implantats | Muss genau passen, damit der Kanal an geeigneter Stelle austritt | Winkelabweichungen lassen sich über den Aufbau ausgleichen |
| Häufige technische Komplikation | Abplatzen der Keramik | Lösen der Krone, Lockern des Aufbaus |
Wie schneiden beide Varianten in Studien ab?
Die systematische Übersicht von Wittneben und Kollegen (2014) für die ITI-Konsensuskonferenz 2013 wertete 73 Studien mit rund 5.800 implantatgetragenen Versorgungen aus. Nach fünf Jahren waren 96,03 Prozent des zementierten und 95,55 Prozent des verschraubten Zahnersatzes noch in Funktion; der Unterschied war nicht signifikant. Auch getrennt nach Einzelkronen und Brücken zeigte sich kein Unterschied.
Die Unterschiede liegen in der Art der Komplikationen. Die Übersicht berechnete unter anderem folgende Raten pro 100 Jahre Tragezeit:
| Komplikation | Zementiert | Verschraubt |
|---|---|---|
| Lösen der Krone | 5,44 | 0,61 |
| Lockern des Aufbaus | 2,31 | 0,62 |
| Abplatzen der Keramik | 1,02 | 3,56 |
| Fistel oder eitriger Ausfluss | 1,65 | 0,22 |
Insgesamt traten bei zementiertem Zahnersatz mehr technische und mehr biologische Ereignisse auf. Die ITI-Konsenserklärung betont zugleich, dass bei beiden Varianten jährlich bis zu 10 Prozent technische und bis zu 7 Prozent biologische Komplikationen vorkommen können und dass sich Probleme durch die Wahl der Befestigung nicht vollständig vermeiden lassen.
Können Zementreste eine Entzündung am Implantat auslösen?
Ja, das ist möglich; es gibt Studien, die den Zusammenhang zeigen, die Beweislage ist aber begrenzt. Die S3-Leitlinie der Europäischen Föderation für Parodontologie (EFP) von 2023 spricht von begrenzten Belegen dafür, dass Zementreste unter dem Zahnfleisch mit einer Entzündung um das Implantat (Periimplantitis) zusammenhängen. Wittneben und Kollegen nennen die schwierige Entfernung überschüssigen Zements als Hauptproblem der zementierten Befestigung.
Je tiefer der Kronenrand unter dem Zahnfleisch liegt, desto größer ist das Problem, weil überschüssiger Zement dort leicht übersehen wird. In der Studie von Montevecchi und Kollegen (2025) wurden bei 37 von 46 Patientinnen und Patienten mit zementierter Einzelkrone und Entzündung am Implantat (80,4 Prozent) Zementreste unter dem Zahnfleisch gefunden, vor allem auf der Zungen- oder Gaumenseite (59,5 Prozent) und auf der Wangenseite. Lag der Kronenrand tiefer und der Rest näher am Knochen, war häufiger bereits der Knochen betroffen. Da die Studie keine Vergleichsgruppe ohne Entzündung hatte, lässt sich der Anteil nicht auf alle zementierten Kronen übertragen. Anzeichen und Behandlung einer Periimplantitis beschreibt der Ratgeber Periimplantitis.
Warum ist die Abnehmbarkeit gerade bei einer Behandlung im Ausland wichtig?
Dass Zahnersatz auf Implantaten über die Jahre Wartung braucht, ist normal: Eine Schraube kann sich lockern, Keramik abplatzen, oder eine Entzündung am Implantat muss behandelt werden. Nach Wittneben und Kollegen lässt sich verschraubter Zahnersatz vorhersagbar abnehmen; das erleichtert Reinigung, Reparatur und chirurgische Eingriffe. Wegen der begrenzten Eingriffsmöglichkeiten nach dauerhafter Zementierung sehen die Autoren insgesamt eine Präferenz für die Verschraubung. Bei Brücken auf mehreren Implantaten und bei festsitzenden Vollprothesen wiegt das noch schwerer, weil für ein Problem an einem Implantat unter Umständen die ganze Versorgung abgenommen werden muss; verschraubte Versorgungen des ganzen Kiefers blieben in der Übersicht nach fünf Jahren zu 96,71 Prozent erhalten.
Wenn Sie in der Türkei behandelt werden und in Deutschland leben, kommt ein praktischer Punkt hinzu: Kleine Wartungsarbeiten fallen oft Jahre später an, wenn eine Reise für ein Nachziehen der Schraube unverhältnismäßig wäre. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, die Nachsorge einer Praxis in Deutschland zu überlassen und sich die gesamte Behandlung einschließlich der verwendeten Materialien schriftlich dokumentieren zu lassen. Verschraubter Zahnersatz kann in einer anderen Praxis grundsätzlich geöffnet werden; die Praxis braucht dafür Angaben zum Implantatsystem und passende Instrumente. Sprechen Sie Ihre Praxis zu Hause deshalb vor der Behandlung an und nehmen Sie Ihren Implantatpass und den schriftlichen Behandlungsplan mit, in denen Hersteller und Modell der Implantate stehen. Was bei Beweglichkeit des Zahnersatzes zu tun ist, lesen Sie im Ratgeber Zahnersatz auf Implantaten pflegen.
Stört der Schraubenkanal die Ästhetik?
Bei Seitenzähnen liegt der Schraubenkanal auf der Kaufläche und fällt nach dem Verschluss mit zahnfarbenem Material meist nicht auf. Bei Frontzähnen hängt es vom Winkel des Implantats ab, wo der Kanal austritt: Auf der Innenseite ist er unsichtbar; träfe er die Vorderseite, wäre das ein ästhetisches Problem.
Die ITI-Konsenserklärung hält fest, dass eine zementierte Befestigung bevorzugt werden kann, wenn der Kanal an einer sichtbaren Fläche austreten würde oder das Implantat nicht ideal steht. Wittneben und Kollegen betonen, dass die Verschraubung eine genaue Positionierung des Implantats im Verhältnis zum geplanten Zahn voraussetzt; die Rate ästhetischer Komplikationen war in der Übersicht bei beiden Varianten ähnlich. Eine genaue Planung der Implantatposition ist deshalb Voraussetzung; wie sie mit DVT und Bohrschablone gelingt, erklärt der Ratgeber Schablonengeführte Implantation.
Wann wird welche Befestigung gewählt?
Die ITI-Konsenserklärung sagt ausdrücklich, dass sich keine der beiden Varianten pauschal für alle Fälle empfehlen lässt. Die in den Quellen genannten Kriterien lassen sich so zusammenfassen:
| Situation | Tendenz | Begründung |
|---|---|---|
| Kronenrand liegt tief unter dem Zahnfleisch | Verschraubt | Risiko von Zementresten (Montevecchi und Kollegen) |
| Kurze Brücke oder Einzelkrone, Rand auf Höhe des Zahnfleischs oder darüber | Zementiert möglich | Vereinfacht die Herstellung (ITI) |
| Schraubenkanal würde an sichtbarer Fläche austreten | Zementiert möglich | Ästhetik (ITI) |
| Brücke auf mehreren Implantaten oder festsitzende Vollprothese | Verschraubt | Abnehmbarkeit für Wartung und Reparatur (Wittneben und Kollegen) |
| Schwer zu reinigender Bereich oder Parodontitis in der Vorgeschichte | Verschraubt | Die EFP empfiehlt, wenn möglich eine verschraubte Befestigung zu wählen |
| Eingeschränkte Mundöffnung, hinterster Zahn | Zementiert kann einfacher sein | Die Verschraubung braucht Platz für Instrumente (Dental Update) |
Die Tabelle zeigt nur allgemeine Tendenzen. Entschieden wird bei der Untersuchung nach Lage des Implantats, Zustand des Zahnfleischs und Art des Zahnersatzes. Einen Überblick über die Versorgungsformen gibt die Seite Implantatgetragene Prothese.
Worauf sollten Sie bei zementiertem Zahnersatz achten?
- Fragen Sie, wie tief der Kronenrand unter dem Zahnfleisch liegen wird; laut ITI ist das Zementieren von Implantatkronen keine einfache Aufgabe und erfordert große Sorgfalt.
- Lassen Sie sich erklären, wie überschüssiger Zement nach dem Einsetzen kontrolliert wird.
- Bemerken Sie Blutung, Schwellung, eitrigen Ausfluss oder ein kleines Bläschen am Zahnfleisch (Fistel), warten Sie nicht auf den nächsten Kontrolltermin; in Deutschland ist eine Praxis in Ihrer Nähe die erste Anlaufstelle, und Fotos können Sie uns zusätzlich per WhatsApp senden (siehe Nachsorge).
- Halten Sie Ihre Kontrolltermine ein.
Wie entscheiden wir bei Rönesans zwischen verschraubt und zementiert?
In unserer Praxis wird die Implantatposition mit dem DVT (digitale Volumentomographie) geplant; ob der Zahnersatz verschraubt oder zementiert wird, ergibt sich aus Lage des Implantats, Zustand des Zahnfleischs und Art der Versorgung. Ihren Fall besprechen unsere Zahnärztinnen und Zahnärzte gemeinsam, und Sie wissen von Anfang an, wer Sie behandelt. Vor Behandlungsbeginn erhalten Sie einen schriftlichen Behandlungs- und Kostenplan, in dem für jeden Zahn die Behandlung, die Materialien und bei Implantaten Hersteller und Modell stehen.
Die Abformung kann mit einem Intraoralscanner erfolgen; Kronen und Brücken werden im Dentallabor, mit dem wir zusammenarbeiten, im CAD/CAM-Verfahren hergestellt. Bei der Abreise erhalten Sie Kopien Ihrer Behandlungszusammenfassung und Röntgenbilder sowie einen Implantatpass mit dem offiziellen Etikett des Herstellers für jedes Implantat. Auf unsere Behandlungen geben wir eine Garantie zu festgelegten Bedingungen für Probleme, die nicht von Ihnen verursacht wurden; Umfang und Ausschlüsse erklären wir bei der Untersuchung. Fragen zur Planung können Sie uns per WhatsApp an +90 532 363 49 54 stellen; die Kommunikation auf Deutsch übernimmt ein Teammitglied mit Deutsch als Muttersprache.