Warum blutet das Zahnfleisch?
Die häufigste Ursache ist Zahnbelag am Zahnfleischrand. Belag (Plaque) ist ein klebriger, farbloser Film aus Bakterien, der sich jeden Tag neu bildet. Laut MedlinePlus, dem Patientenportal der US-amerikanischen Nationalbibliothek für Medizin, ist Belag am Zahnfleischrand die Hauptursache für Zahnfleischbluten. Auch gesundheitsinformation.de, das Portal des deutschen IQWiG, nennt bakteriellen Zahnbelag als häufigste Ursache: Stoffwechselprodukte der Bakterien lassen das Zahnfleisch sich entzünden und anschwellen.
Wird der Belag nicht regelmäßig entfernt, entzündet sich das Zahnfleisch. Diese Zahnfleischentzündung heißt Gingivitis. Das Zahnfleisch ist gerötet und geschwollen und blutet beim Putzen, bei der Zahnseide oder beim Abbeißen. Laut gesundheitsinformation.de verursacht eine Gingivitis meist keine Schmerzen und bleibt deshalb oft lange unbemerkt.
Belag, der auf den Zähnen bleibt, verhärtet mit der Zeit zu Zahnstein. Laut Mayo Clinic lässt sich Zahnstein nur durch eine professionelle Reinigung entfernen; eine Gingivitis ist dagegen im frühen Stadium mit professioneller Behandlung und guter häuslicher Pflege umkehrbar.
Was passiert, wenn die Zahnfleischentzündung nicht behandelt wird?
Hält die Entzündung an, kann sie auf den Zahnhalteapparat und den Kieferknochen übergreifen. Dieses fortgeschrittene Stadium heißt Parodontitis. Laut Mayo Clinic entstehen dabei tiefe Taschen zwischen Zahn und Zahnfleisch, in denen sich weitere Bakterien sammeln; mit der Zeit werden Gewebe und Knochen abgebaut, und Zähne können verloren gehen.
Bei einer Parodontitis können zum Bluten hinzukommen:
- Zahnfleischrückgang, die Zähne wirken länger
- anhaltender Mundgeruch oder ein unangenehmer Geschmack
- Eiteraustritt zwischen Zahn und Zahnfleisch
- Schmerz beim Kauen und ein veränderter Biss
- lockere oder wandernde Zähne
Laut DG PARO, der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie, sind in Deutschland schätzungsweise etwa zehn Millionen Menschen an einer schweren Parodontitis erkrankt; der Verlauf ist meist langsam und schmerzlos. Der NHS zählt lockere Zähne und sehr schmerzhaftes, geschwollenes Zahnfleisch zu den Gründen, kurzfristig eine Praxis aufzusuchen. Wie die Behandlung abläuft, beschreibt der Ratgeber Parodontitis-Behandlung; zum Rückgang lesen Sie den Ratgeber Zahnfleischrückgang.
Welche Ursachen gibt es außer Zahnbelag?
Zahnfleischbluten bedeutet nicht immer Zahnfleischerkrankung. Die Quellen nennen weitere Auslöser:
| Situation | Was tun? |
|---|---|
| Beginn mit Zahnseide oder Interdentalbürsten | Trotz leichtem Bluten in den ersten Tagen sanft weitermachen |
| Zu festes Putzen oder harte Borsten | Auf weiche Borsten wechseln, ohne Druck putzen |
| Schlecht sitzende Prothese oder Apparatur | In der Zahnarztpraxis anpassen lassen |
| Schwangerschaft | Pflege beibehalten, Kontrollen auch in der Schwangerschaft wahrnehmen |
| Diabetes | Blutzucker einstellen, Zahnfleisch regelmäßig kontrollieren lassen |
| Blutverdünnende Medikamente | Nicht eigenmächtig absetzen; Zahnarztpraxis und verordnende Ärztin oder Arzt informieren |
| Vitaminmangel, Bluterkrankungen | Seltener; bei ungewöhnlichem Bluten ärztlich abklären |
Die Patientenseite MouthHealthy der American Dental Association (ADA) erklärt, dass das Zahnfleisch zu Beginn der Zahnseidenpflege bluten kann, während es sich an die Reinigung der Zwischenräume gewöhnt, und dass auch zu kräftiges Putzen bluten lässt. MedlinePlus nennt zusätzlich falsche Zahnseidentechnik sowie schlecht sitzende Prothesen oder Apparaturen.
Schwangerschaft: Laut Cleveland Clinic verändert der deutliche Anstieg von Östrogen und Progesteron die Reaktion des Zahnfleischs auf Belag. In den USA betrifft die Schwangerschaftsgingivitis laut Cleveland Clinic 60 bis 75 Prozent der Schwangerschaften; die Beschwerden treten meist im zweiten und dritten Trimester auf und bilden sich nach der Geburt in der Regel zurück. Auch gesundheitsinformation.de nennt hormonelle Veränderungen in der Schwangerschaft als Risikofaktor.
Diabetes und Medikamente: Die Cleveland Clinic zählt Diabetes und gerinnungshemmende Medikamente zu den Ursachen; die Mayo Clinic führt Diabetes als Risikofaktor für Parodontitis. MedlinePlus betont, dass Medikamente nie ohne Rücksprache mit der verordnenden Ärztin oder dem Arzt geändert werden sollten.
Seltene Ursachen: MedlinePlus und Cleveland Clinic nennen Vitamin-C-Mangel (Skorbut), Vitamin-K-Mangel, eine niedrige Zahl an Blutplättchen, Gerinnungsstörungen wie Hämophilie und Leukämie. Diese Ursachen sind viel seltener als Belag, sollten bei ungewöhnlichem Bluten aber nicht übersehen werden.
Soll ich bei blutendem Zahnfleisch das Putzen einschränken?
Nein. Die blutende Stelle zu schonen ist verständlich, doch dort sammelt sich weiter Belag, und die Entzündung nimmt zu. MedlinePlus empfiehlt, mindestens zweimal täglich sanft mit einer weichen Bürste zu putzen.
Der NHS empfiehlt zur Vorbeugung von Zahnfleischerkrankungen:
- Mindestens zweimal täglich mit fluoridhaltiger Zahnpasta putzen.
- Nach dem Putzen ausspucken, nicht mit Wasser nachspülen.
- Die Zwischenräume täglich mit Zahnseide oder Interdentalbürsten reinigen.
- Regelmäßig zur Kontrolle gehen, auch ohne Beschwerden.
- Nicht rauchen.
Wenn Sie gerade mit der Zwischenraumreinigung begonnen haben, lassen Sie sich von leichtem Bluten in den ersten Tagen nicht entmutigen. Geht das Bluten trotz guter Pflege nicht zurück, ist ein Praxisbesuch nötig, denn verhärteter Zahnstein lässt sich mit der Bürste nicht entfernen.
Warum blutet das Zahnfleisch bei Rauchenden weniger?
Rauchen kann eine Zahnfleischerkrankung verschleiern. Laut MedlinePlus kann Tabakkonsum andere Probleme, die Zahnfleischbluten verursachen, maskieren. In der walisischen Cardiff Dental Survey (Hunter und Kollegen, 2008) hatten Rauchende eine schlechtere Mundhygiene als Nichtrauchende; dennoch lagen ihre Blutungswerte am Zahnfleisch im Alter von 30 bis 31 Jahren etwa 25 Prozent niedriger.
Wenig Bluten bei Rauchenden heißt also nicht, dass das Zahnfleisch gesund ist. Laut DG PARO erkranken Rauchende deutlich häufiger an Parodontitis, der Verlauf ist schwerer, und sie sprechen schlechter auf die Behandlung an. Wenn Sie rauchen, lassen Sie Ihr Zahnfleisch auch ohne Bluten regelmäßig kontrollieren und erwähnen Sie das Rauchen bei der Untersuchung. Für Implantate ist das ebenfalls wichtig; mehr dazu im Ratgeber Rauchen und Zahnimplantate.
Wann zur Zahnärztin oder zum Zahnarzt, wann zur Hausärztin oder zum Hausarzt?
Leichtes, kurzes Bluten lässt meist nach, sobald die Pflege angepasst ist. Die Cleveland Clinic rät zum Besuch in der Zahnarzt- oder Hausarztpraxis, wenn das Zahnfleisch länger als zwei Wochen blutet; die ADA empfiehlt einen Termin, wenn es regelmäßig oder beunruhigend oft blutet.
In die Zahnarztpraxis, wenn:
- es trotz guter Pflege länger als zwei Wochen blutet
- das Zahnfleisch geschwollen, gerötet oder schmerzhaft ist
- Mundgeruch, Zahnfleischrückgang oder lockere Zähne hinzukommen
- Sie Blutverdünner nehmen und das Zahnfleisch häufig blutet (ohne das Medikament abzusetzen)
Gesetzlich Versicherte in Deutschland haben laut gesundheitsinformation.de alle zwei Jahre Anspruch auf den Parodontalen Screening-Index (PSI), bei dem das Zahnfleisch mit einer Sonde auf Taschen und Bluten geprüft wird.
Zur Hausärztin oder zum Hausarzt: MedlinePlus rät zur ärztlichen Abklärung, wenn das Bluten stark oder lang anhaltend ist, trotz Behandlung weitergeht oder andere unerklärliche Beschwerden hinzukommen. Blutet das Zahnfleisch spontan und kommen leichte blaue Flecken, deutliche Abgeschlagenheit oder Fieber hinzu, suchen Sie zeitnah Ihre Hausarztpraxis auf.
Notfall: MedlinePlus empfiehlt, mit einer in Eiswasser getränkten Kompresse direkt auf die blutende Stelle zu drücken. Hört das Bluten trotz Druck nicht auf, oder kommen eine sich ausbreitende Schwellung im Gesicht oder am Hals, hohes Fieber, Schluck- oder Atembeschwerden hinzu, gehen Sie ohne Verzögerung in die Notaufnahme.
Wie wird blutendes Zahnfleisch behandelt?
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und dem Stadium der Erkrankung. Bei der Untersuchung werden Zahnfleisch und Zahnstein beurteilt, bei Bedarf mit Röntgenbildern, um den Knochen zu sehen.
- Bei Gingivitis: Laut NHS stehen im frühen Stadium Pflegehinweise, Hilfsmittel wie Interdentalbürsten und eine professionelle Zahnreinigung im Vordergrund.
- Bei Parodontitis: Laut NHS können eine Reinigung unterhalb des Zahnfleischrands, Antibiotika, ein chirurgischer Eingriff oder eine Zahnentfernung nötig werden. Laut gesund.bund.de werden Beläge und feste Ablagerungen auch unterhalb des Zahnfleischrands entfernt; reicht das nicht, kann ein operativer Eingriff empfohlen werden. Laut DG PARO ist nach der Behandlung eine lebenslange, bedarfsorientierte Nachsorge vorgesehen, ohne die die Erkrankung zurückkehrt.
- Ohne Zahnfleischerkrankung: Laut Cleveland Clinic wird nach einer anderen Ursache gesucht; Diabetes, Gerinnungsstörungen oder Vitaminmangel gehören in ärztliche Abklärung.
Was bedeutet Zahnfleischbluten vor Implantaten oder Kronen in der Türkei?
Für Zahnfleischbluten allein müssen Sie nicht reisen; Ihre Praxis in Deutschland kann die Ursache abklären und den Zahnstein entfernen. Planen Sie aber Implantate oder Kronen bei uns, sollte eine Zahnfleischentzündung vorher unter Kontrolle sein, denn laut DG PARO kehrt eine unbehandelte Parodontitis zurück und zerstört weiter Gewebe. Warum eine behandelte Parodontitis vor Implantaten so wichtig ist, erklärt der Ratgeber Parodontitis und Zahnimplantate.
Bei der Untersuchung in unserer Praxis in Serdivan werden Zahnfleisch und Zahnstein beurteilt, bei Bedarf mit Röntgenbildern; Zahnstein wird mit Ultraschall- und Handinstrumenten entfernt. Zeigen sich dabei Zeichen einer Parodontitis, werden die Behandlungsmöglichkeiten gesondert besprochen, und das kann den Zeitplan für Implantate oder Kronen verändern. Vor Behandlungsbeginn erhalten Sie einen schriftlichen Behandlungs- und Kostenplan, und Sie wissen von Anfang an, wer Sie behandelt.
Sind Sie schwanger, nehmen Sie Blutverdünner oder haben Sie Diabetes, teilen Sie uns das schon bei der Voreinschätzung per WhatsApp an +90 532 363 49 54 mit. Was in diesen Fällen für Implantate gilt, lesen Sie in den Ratgebern Blutverdünner und Implantate und Implantate bei Diabetes.