Wie entsteht die Empfindlichkeit?
Die Zahnkrone ist mit Zahnschmelz bedeckt, die Wurzel mit einer dünnen Schicht Zement. Darunter liegt das Zahnbein (Dentin). Laut der Patienteninformation der American Dental Association (ADA) ist Dentin weniger dicht als Schmelz und von mikroskopisch kleinen Kanälchen durchzogen. Ist der Schmelz abgenutzt oder liegt die Wurzel frei, weil das Zahnfleisch zurückgegangen ist, leiten diese Kanälchen Reize wie Kälte, Wärme, Süßes oder Saures an den Zahnnerv weiter.
Die gängigste Erklärung dafür ist die hydrodynamische Theorie. Eine evidenzbasierte Übersichtsarbeit für Zahnärztinnen und Zahnärzte in BMC Oral Health (Liu und Kollegen, 2020) beschreibt, dass ein thermischer, mechanischer oder chemischer Reiz die Flüssigkeit in den Kanälchen bewegt und dadurch Nervenenden reizt. Der Schmerz ist typischerweise kurz und scharf. Wie viele Menschen betroffen sind, lässt sich schwer sagen: Laut derselben Übersicht reichen die berichteten Häufigkeiten von 1 bis 98 Prozent, vor allem wegen unterschiedlicher Definitionen und Methoden.
Warum reagieren meine Zähne auf Kälte?
Hinter der Empfindlichkeit steckt fast immer etwas, das Dentin freilegt. Die Oral Health Foundation, die Cleveland Clinic, die Mayo Clinic und die Krankenkasse Die Techniker nennen vor allem:
- Zahnfleischrückgang: Zieht sich das Zahnfleisch zurück, liegt der Zahnhals frei, der nicht von Schmelz geschützt ist. Laut Oral Health Foundation kommt das mit zunehmendem Alter häufiger vor. Mehr dazu im Ratgeber Zahnfleischrückgang.
- Zu festes Putzen oder harte Borsten: Beides kann Schmelz abtragen und den Rückgang des Zahnfleischs fördern.
- Säureerosion: Kohlensäurehaltige Getränke, Fruchtsäfte, Zitrusfrüchte und aufsteigende Magensäure können den Schmelz angreifen. Direkt nach Saurem zu putzen verstärkt die Abnutzung.
- Zähneknirschen und Zähnepressen: Die hohe Belastung nutzt den Schmelz ab. Siehe den Ratgeber Zähneknirschen.
- Risse im Zahn: Laut Die Techniker können feine Risse Kälte und Wärme den Weg zum Zahnnerv öffnen.
- Zahnfleischerkrankung: Laut gesundheitsinformation.de gehören empfindliche und zunehmend sichtbare Zahnhälse zu den Anzeichen einer Parodontitis, weil die Entzündung den Knochen abbaut und Wurzelanteile freilegt.
- Zahnärztliche Behandlungen: Laut Cleveland Clinic können Füllungen und Zahnreinigungen kurzzeitig empfindlich machen; die Oral Health Foundation nennt auch das Bleaching.
Empfindlichkeit, Karies oder entzündeter Zahnnerv: Wie unterscheidet sich das?
Laut der Übersicht von Liu und Kollegen ist die Dentinhypersensibilität eine Ausschlussdiagnose: Karies, ein gerissener Zahn, eine undichte Füllung und eine Entzündung des Zahnnervs (Pulpitis) verursachen ähnliche Beschwerden und müssen zuerst ausgeschlossen werden. Die Tabelle gibt eine erste Orientierung; die Diagnose stellt die Untersuchung.
| Beschwerde | Spricht eher für |
|---|---|
| Kurzer Schmerz bei Kälte, Wärme oder Saurem, der sofort nachlässt, sobald der Reiz weg ist | Freiliegendes Dentin (Empfindlichkeit) |
| Schmerz, der nach dem Reiz anhält | Entzündung des Zahnnervs |
| Plötzlicher Schmerz beim Zubeißen | Gerissener Zahn oder undichte Füllung |
| Schmerz, der plötzlich an einem einzelnen Zahn beginnt | Karies, Riss oder Infektion |
| Pochender Schmerz ohne Auslöser | Entzündung oder Infektion des Zahnnervs |
Anhaltender Zahnschmerz deutet laut der Übersicht meist auf eine Entzündung des Zahnnervs hin. Zur Unterscheidung werden in der Praxis Kälte- und Wärmetests, ein Aufbisstest und bei Bedarf Röntgenbilder eingesetzt. Was bei Schmerzen bis zum Termin hilft, steht im Ratgeber Zahnschmerzen: Was tun?.
Was können Sie zu Hause tun?
Leichte Empfindlichkeit lässt sich oft mit kleinen Änderungen im Alltag verringern:
- Weiche Bürste und sanfte Technik: Die Oral Health Foundation empfiehlt eine weiche Bürste und kleine kreisende Bewegungen ohne Druck. Die Mayo Clinic rät von schrubbendem Putzen und abrasiven Zahnpasten ab.
- Zahnpasta für empfindliche Zähne: Sie soll die Reizweiterleitung von der Zahnoberfläche zum Nerv verringern. Die Oral Health Foundation rät, nach dem Putzen nur auszuspucken und nicht nachzuspülen; abends kann etwas Zahnpasta auf die empfindliche Stelle aufgetragen und belassen werden.
- Umgang mit Säure: Säurehaltige und zuckerhaltige Getränke einschränken. Die Oral Health Foundation empfiehlt, nach Saurem mindestens eine Stunde mit dem Putzen zu warten; die Mayo Clinic rät, nach sauren Getränken Wasser zu trinken.
- Knirschen ansprechen: Die Mayo Clinic empfiehlt Knirschenden, eine Schutzschiene mit der Zahnärztin oder dem Zahnarzt zu besprechen. Ob eine Schiene für Sie infrage kommt, wird bei der Untersuchung beurteilt.
- Regelmäßige Pflege: Zweimal täglich mit fluoridhaltiger Zahnpasta putzen, täglich die Zwischenräume reinigen und Kontrolltermine wahrnehmen.
Laut Liu und Kollegen unterscheiden sich die Wirkstoffe in ihrer Wirksamkeit; die meisten Produkte, die die Kanälchen verschließen, schnitten in Studien besser ab als Placebo. Welches Produkt für Sie passt, erfahren Sie in Ihrer Zahnarztpraxis oder Apotheke.
Was kann die Zahnarztpraxis tun?
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. ADA, Mayo Clinic, Cleveland Clinic und Die Techniker nennen diese Möglichkeiten:
- Fluoridierung: Fluoridlack oder -gel in der Praxis kann den Schmelz stärken und die Empfindlichkeit verringern. Laut Oral Health Foundation kann auch eine hochdosierte Fluoridzahnpasta für zu Hause verordnet werden.
- Versiegeln der freiliegenden Fläche: Auf die freiliegende Wurzeloberfläche kann ein Haftvermittler oder ein schützender Lack aufgetragen werden; keilförmige Defekte am Zahnhals lassen sich mit einer Füllung decken.
- Behandlung der Ursache: Karies, Risse oder alte Füllungen werden mit Füllung, Inlay oder Krone versorgt. Eine Zahnfleischerkrankung wird zuerst behandelt.
- Zahnfleischtransplantat: Bei deutlichem Zahnfleischverlust kann die Wurzel mit Gewebe aus einem anderen Bereich des Mundes gedeckt werden. Laut Liu und Kollegen wird der Langzeiteffekt noch diskutiert; ob das für Sie sinnvoll ist, zeigt die Untersuchung.
- Wurzelbehandlung: Laut ADA kommt sie bei starker, anhaltender Empfindlichkeit infrage, die sich anders nicht beheben lässt.
Wenn Sie vermuten, dass Magensäure in den Mund aufsteigt, sprechen Sie das bei der Untersuchung an: Solange die Ursache der Erosion bleibt, kehrt die Empfindlichkeit zurück.
Ist Empfindlichkeit nach Bleaching, Zahnreinigung oder Kronen normal?
Meist ja, und meist nur vorübergehend. Laut Oral Health Foundation macht ein Bleaching die Zähne häufig vorübergehend empfindlich; was Sie danach beachten sollten, lesen Sie im Ratgeber Nach dem Bleaching. Die Cleveland Clinic nennt auch Füllungen und Zahnreinigungen als Auslöser kurzzeitiger Empfindlichkeit, und Liu und Kollegen weisen darauf hin, dass eine Zahnfleischbehandlung Wurzelflächen freilegen kann, sodass Empfindlichkeit einzuplanen ist. Nach einer Zahnsteinentfernung bei ausgeprägtem Zahnfleischrückgang können die Zähne einige Tage auf Kälte und Wärme reagieren.
Auch nach neuen Kronen ist Empfindlichkeit in den ersten Wochen häufig. Was dabei normal ist und was Sie abklären lassen sollten, beschreibt der Ratgeber Empfindliche Zähne nach Kronen. Bei den meisten lässt diese Empfindlichkeit von selbst nach; hält sie an oder nimmt sie zu, lassen Sie sie untersuchen.
Wann sollten Sie nicht warten?
Laut Oral Health Foundation können diese Zeichen auf Karies, einen Riss, ein Zahnfleischproblem oder eine Infektion hindeuten:
- starker Schmerz
- Empfindlichkeit, die länger als einige Wochen anhält
- nur ein einzelner Zahn ist betroffen
- der Schmerz hat plötzlich begonnen
Die Techniker rät zudem zum Praxisbesuch, wenn Risse sichtbar sind oder sich das Zahnfleisch zurückbildet. Laut Cleveland Clinic kann scharfer oder anhaltender Schmerz Zeichen eines ernsteren Problems sein. Bei Schwellung im Gesicht, Fieber, Schluck- oder Atembeschwerden gehört die Abklärung in die Notaufnahme.
Was bedeutet das für eine Behandlung in der Türkei?
Empfindliche Zähne allein sind kein Grund für eine Reise; die Ursache lässt sich in Ihrer Praxis in Deutschland abklären. Relevant wird das Thema, wenn Sie ohnehin eine Behandlung bei uns planen: Bei der Untersuchung in unserer Praxis in Serdivan werden empfindliche Zähne, der Zahnfleischrand, Füllungen und Kronen sowie Abnutzungsspuren beurteilt. Ist die Ursache Karies, ein Riss oder eine Zahnfleischerkrankung, richtet sich der Plan danach; muss ein Riss oder eine Wurzelfraktur abgeklärt werden, steht eine DVT (digitale Volumentomographie) zur Verfügung. Endodontie (Wurzelbehandlung), ästhetische Zahnmedizin und Prothetik gehören zu unseren Fachbereichen.
Vor Behandlungsbeginn erhalten Sie einen schriftlichen Behandlungs- und Kostenplan. Ist nach Kronen oder einem Bleaching eine Empfindlichkeit zu erwarten, besprechen wir vor Ihrer Abreise, was normal ist und wann Sie sich melden sollten. Nach der Rückkehr erreichen Sie uns per WhatsApp unter +90 532 363 49 54; Nachrichten auf Deutsch und Englisch beantworten wir während der Öffnungszeiten innerhalb von höchstens 15 Minuten, und die Kommunikation auf Deutsch übernimmt ein Teammitglied mit Deutsch als Muttersprache. Wie die Betreuung nach der Rückkehr abläuft, steht auf der Seite Nachsorge.