Wie wird Parodontitis behandelt?

Kurz gesagt

Parodontitis wird in vier Schritten behandelt: Mundhygiene und Risikofaktoren wie Rauchen und Diabetes; Reinigung der Zahnfleischtaschen unterhalb des Zahnfleischrands; nach einigen Wochen eine erneute Untersuchung, bei der verbliebene tiefe Taschen nochmals gereinigt oder chirurgisch behandelt werden; danach eine regelmäßige unterstützende Parodontitistherapie, weil die Erkrankung sonst zurückkehren kann.

Medizinisch geprüft von: Dt. Züleyha ErdemliAktualisiert:

Ist Parodontitis heilbar?

Bei einer Parodontitis hat sich die Entzündung vom Zahnfleisch auf den Zahnhalteapparat ausgebreitet, also auf die Fasern und den Knochen, die den Zahn halten. Die 2020 veröffentlichte Leitlinie der Europäischen Föderation für Parodontologie (EFP) beschreibt sie als chronische Entzündungserkrankung, die mit bakteriellen Belägen zusammenhängt und unbehandelt oder unzureichend behandelt zum Verlust des Zahnhalteapparats und der Zähne führt.

Laut Deutscher Gesellschaft für Parodontologie (DG PARO) ist eine bestehende Parodontitis gut behandelbar, und der Krankheitsprozess kann zum Stillstand kommen; ohne regelmäßige Nachsorge kehrt die Erkrankung aber zurück. Bereits verlorener Knochen wächst laut EFP nicht von selbst nach. Die Behandlung besteht deshalb aus einer aktiven Phase und einer Nachsorge ohne festes Ende.

In welchen vier Schritten wird Parodontitis behandelt?

Die EFP-Leitlinie beschreibt für Parodontitis der Stadien I bis III vier aufeinanderfolgende Schritte:

  1. Mundhygiene und Risikofaktoren: individuelle Anleitung zum Zähneputzen und zur Reinigung der Zahnzwischenräume, professionelle Entfernung von Belägen und Zahnstein oberhalb des Zahnfleischs sowie Unterstützung beim Rauchstopp und bei der Diabeteseinstellung.
  2. Reinigung unter dem Zahnfleischrand: Beläge und Konkremente in den Zahnfleischtaschen werden mit Handinstrumenten oder Schall- und Ultraschallgeräten entfernt (subgingivale Instrumentierung).
  3. Behandlung nicht ausgeheilter Stellen: Nach der Heilung werden die Taschen erneut gemessen; tiefe, blutende Taschen werden nochmals gereinigt oder chirurgisch behandelt.
  4. Unterstützende Parodontitistherapie (UPT): regelmäßige Kontrollen und professionelle Reinigung, damit die Erkrankung nicht zurückkehrt.

Ziel ist laut Leitlinie, dass keine Taschen ab 5 mm mit Blutung beim Sondieren und keine Taschen ab 6 mm verbleiben.

Wie viele Termine braucht die Behandlung?

Eine feste Zahl gibt es nicht. Laut EFP lässt sich eine erste professionelle Reinigung selten in einer einzigen Sitzung abschließen; bei fortgeschrittener Parodontitis können mehrere Termine nötig sein. Die Cleveland Clinic nennt für die Reinigung unter dem Zahnfleisch etwa ein bis zwei Stunden, an einem Termin oder auf zwei Termine verteilt; die meisten Menschen können danach noch am selben Tag ihren Alltag fortsetzen. Die EFP-Leitlinie lässt beides zu: die Behandlung abschnittsweise oder die Reinigung des ganzen Mundes innerhalb von 24 Stunden. Laut DG PARO erfolgt die Reinigung unter örtlicher Betäubung.

Die erneute Beurteilung (Reevaluation) folgt laut DG PARO nach einigen Wochen, wenn das Zahnfleisch abgeheilt ist. Die Schritte 1 bis 3 erstrecken sich also über Wochen, nicht über Tage. Das ist wichtig, wenn Sie weitere Zahnbehandlungen oder eine Reise planen.

Wann ist ein chirurgischer Eingriff nötig?

Bleiben bei der Reevaluation Taschen über 4 mm bestehen, werden laut EFP weitere Möglichkeiten besprochen, auch ein chirurgischer Eingriff. Nach der Zusammenfassung der EFP-Leitlinie wird bei Resttaschen von 4–5 mm die nichtchirurgische Reinigung wiederholt; bei Taschen ab 6 mm wird ein Zugangslappen empfohlen, bei dem das Zahnfleisch angehoben und die Wurzel unter Sicht gereinigt wird. Bestimmte tiefe Knochendefekte können regenerativ behandelt werden, mit einer Membran oder Schmelzmatrixproteinen, teils zusammen mit Knochenersatzmaterial.

Die Leitlinie knüpft Eingriffe an zwei Bedingungen: Ihre eigene Mundhygiene muss ausreichen, und operieren sollen Zahnärztinnen und Zahnärzte mit spezieller Zusatzausbildung oder Fachleute für Parodontologie. Laut EFP finden die Eingriffe unter örtlicher Betäubung statt, und die Fäden werden meist nach ein bis zwei Wochen entfernt.

Was können Sie selbst zum Erfolg beitragen?

Laut EFP ist die Mitarbeit bei der Mundhygiene entscheidend für den Behandlungserfolg. Die DG PARO rät, zweimal täglich die Zähne zu putzen und einmal täglich die Zahnzwischenräume zu reinigen; die EFP-Leitlinie empfiehlt dafür vor allem Interdentalbürsten und für zu enge Zwischenräume andere Hilfsmittel. Die britische Fachgesellschaft BSP weist darauf hin, dass das Zahnfleisch anfangs stärker bluten kann; das ist normal und bessert sich, wenn Sie weiter reinigen.

  • Rauchen: Laut DG PARO sprechen Rauchende schlechter auf die Behandlung an. Die EFP-Leitlinie empfiehlt Unterstützung beim Rauchstopp; laut EFP betreffen etwa 90 % der Fälle, die nicht auf die Behandlung ansprechen, Rauchende.
  • Diabetes: Die Leitlinie empfiehlt auch Maßnahmen zur Diabeteseinstellung. Der Zusammenhang wirkt in beide Richtungen: In einer Cochrane-Übersichtsarbeit von 2022 senkte die Reinigung unter dem Zahnfleisch den HbA1c-Wert nach drei bis vier Monaten um durchschnittlich 0,43 Prozentpunkte (4,7 mmol/mol) im Vergleich zu keiner Behandlung oder der üblichen Versorgung.

Warum sollte die Parodontitis vor Implantaten, Kronen oder Zahnspange unter Kontrolle sein?

  • Implantate: Laut EFP muss eine Parodontitis behandelt sein, bevor ein Implantat gesetzt wird; bei Patientinnen und Patienten mit Parodontitis entwickeln etwa 22 % der Implantate eine Periimplantitis. Mehr dazu in unserem Ratgeber zur Periimplantitis.
  • Kronen und Brücken: Laut EFP-Leitlinie zur fortgeschrittenen Parodontitis (Stadium IV) kann bei Bedarf früh in der Parodontitistherapie ein provisorischer Zahnersatz eingegliedert werden; der endgültige folgt erst nach einer abschließenden Beurteilung, ob Pfeilerzähne oder Implantate erhaltungsfähig sind. Beide sollen sich gut reinigen lassen. Siehe Zirkonkronen.
  • Kieferorthopädie: Laut derselben Leitlinie beginnt die Zahnbewegung erst, wenn die Ziele der Parodontitistherapie erreicht sind. Das Zahnfleisch wird möglichst bei jedem kieferorthopädischen Termin kontrolliert; flammt die Entzündung wieder auf, wird die aktive Behandlung unterbrochen. Mehr in Kieferorthopädie für Erwachsene.

Was, wenn vor einer Behandlung in der Türkei eine Parodontitis festgestellt wird?

Fotos und Röntgenbilder zeigen nicht alles; den Zustand des Zahnfleischs beurteilt man bei der Untersuchung, in der die Taschentiefen gemessen werden. Hat Ihre Zahnärztin oder Ihr Zahnarzt bereits eine Parodontitis festgestellt, erwähnen Sie das, wenn Sie uns Fotos, Röntgenbilder und aktuelle Befunde zur Voreinschätzung senden. Weil zwischen Reinigung und Reevaluation einige Wochen Heilung liegen, kann es sinnvoll sein, die ersten Schritte vor der Reise in Ihrer Praxis zu Hause zu beginnen.

Zeigt unsere Untersuchung eine aktive Parodontitis, müssen Implantate oder endgültige Kronen unter Umständen warten, bis sie unter Kontrolle ist. Die Termine planen wir passend zu Ihren Reisedaten. Welche Schritte der Parodontitistherapie nötig sind und wo sie am besten erfolgen, wird bei der Untersuchung besprochen.

Wie geht es nach der Rückkehr weiter?

Die unterstützende Parodontitistherapie übernimmt am besten eine Praxis in Ihrer Nähe; die Verbraucherzentrale empfiehlt allgemein, die Nachsorge einer Auslandsbehandlung durch Zahnärztinnen und Zahnärzte in Deutschland durchführen zu lassen. Die EFP-Leitlinie empfiehlt Abstände von drei bis höchstens zwölf Monaten, je nach Risiko. Für gesetzlich Versicherte beschreibt der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) eine UPT, die drei bis sechs Monate nach der antiinfektiösen und gegebenenfalls chirurgischen Therapie beginnt, zwei Jahre dauert und je nach Schweregrad in Mindestabständen von drei, fünf oder zehn Monaten stattfindet. Ob und wie das in Ihrem Fall gilt, klären Sie mit Ihrer Praxis und Ihrer Krankenkasse.

Vor der Abreise erhalten Sie eine Kopie Ihrer Behandlungszusammenfassung und Kopien Ihrer Röntgenbilder. Wurden Taschentiefen gemessen, fragen Sie auch nach diesen Werten, damit spätere Befunde damit verglichen werden können. Mehr dazu auf unserer Seite zur Nachsorge.

Wie wird die Zahnfleischgesundheit bei Rönesans beurteilt?

In unserer Praxis in Serdivan, Sakarya, umfasst die Untersuchung Zähne, Zahnfleisch, Zahnstein sowie vorhandene Füllungen und Kronen. Röntgenaufnahmen werden bei Bedarf angefertigt; hält die Zahnärztin oder der Zahnarzt es für nötig, zeigt ein DVT (digitale Volumentomographie) den Knochen um die Zähne dreidimensional. Zahnstein entfernen wir mit Ultraschall- und Handinstrumenten und polieren anschließend; nach zahnärztlicher Entscheidung kommt auch ein Gerät zum Einsatz, das Beläge mit einem Gemisch aus Luft, Wasser und feinem Pulver entfernt. Ob eine Reinigung unter dem Zahnfleisch, ein chirurgischer Eingriff oder eine regenerative Behandlung nötig ist, wird bei der Untersuchung beurteilt.

Vor Behandlungsbeginn wissen Sie, wer Sie behandelt, und erhalten einen schriftlichen Behandlungs- und Kostenplan mit Einzel- und Gesamtkosten für jeden Zahn; die Kosten stehen nach der Untersuchung fest. Die Nachsorge folgt einem festgelegten Ablauf. Sagen Sie uns bitte, ob Sie rauchen, Diabetes haben oder regelmäßig Medikamente einnehmen.

Per WhatsApp an +90 532 363 49 54 können Sie Fotos und Röntgenbilder für eine Voreinschätzung senden; telefonisch erreichen Sie uns unter +90 264 606 09 43, schriftlich über unsere Kontaktseite. Nachrichten auf Deutsch und Englisch beantworten wir während der Öffnungszeiten innerhalb von höchstens 15 Minuten. Hinweise zur Reise finden Sie unter Ihren Besuch planen.

Quellen
  1. Sanz M, Herrera D, Kebschull M, Chapple I, Jepsen S, Berglundh T, Sculean A, Tonetti MS. Treatment of stage I–III periodontitis – The EFP S3 level clinical practice guideline. Journal of Clinical Periodontology, 2020;47(Suppl 22):4–60 (Repositorium der Universität Ferrara).
  2. Treatment of stage I–III periodontitis – The EFP S3 level clinical practice guideline (Sanz et al., 2020), Zusammenfassung der vier Schritte – European Federation of Periodontology
  3. Gum disease: Treatment – European Federation of Periodontology
  4. FAQs – European Federation of Periodontology
  5. Peri-implant diseases – European Federation of Periodontology
  6. Treatment of stage IV periodontitis, Case type 1 (Infografik zur EFP-S3-Leitlinie) – European Federation of Periodontology
  7. Treatment of stage IV periodontitis, Case type 2 (Infografik zur EFP-S3-Leitlinie) – European Federation of Periodontology
  8. Treatment of stage IV periodontitis, Case types 3 and 4 (Infografik zur EFP-S3-Leitlinie) – European Federation of Periodontology
  9. Parodontitis – Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DG PARO)
  10. Ratgeber Parodontitis – Verstehen, vermeiden und behandeln – DG PARO, ÖGP und SSP
  11. Behandlung von Parodontalerkrankungen – Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA)
  12. Zahnbehandlung im Ausland: Das sollten Sie beachten – Verbraucherzentrale
  13. Gum disease – NHS
  14. Periodontitis: Symptoms, Causes & Treatment – Cleveland Clinic
  15. Dental Deep Cleaning (Scaling and Root Planing) – Cleveland Clinic
  16. Periodontal Information Leaflet & Consent Form (2019) – British Society of Periodontology and Implant Dentistry
  17. Periodontal health for a better life (Patienteninformation) – British Society of Periodontology and Implant Dentistry
  18. Simpson TC, Clarkson JE, Worthington HV et al. Treatment of periodontitis for glycaemic control in people with diabetes mellitus. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2022;4:CD004714 (Cochrane-Zusammenfassung).

Häufige Fragen

Tut eine Parodontitisbehandlung weh?

Die Reinigung unter dem Zahnfleisch und chirurgische Eingriffe erfolgen laut DG PARO unter örtlicher Betäubung. Laut EFP ist entzündetes Zahnfleisch empfindlicher als gesundes. Nach der Behandlung kann das Zahnfleisch laut Cleveland Clinic ein, zwei Tage empfindlich sein, und die Zähne können auf Heiß und Kalt reagieren; das sollte innerhalb von ein bis zwei Monaten abklingen. Fragen Sie nach einem geeigneten Schmerzmittel.

Kann ich Parodontitisbehandlung und Implantate auf einer Reise verbinden?

Nur wenn die Parodontitis bereits unter Kontrolle ist. Laut EFP muss sie vor dem Setzen eines Implantats behandelt sein, und ob die Behandlung gewirkt hat, zeigt erst die Reevaluation nach einigen Wochen Heilung. Bei aktiver Parodontitis wird das Implantat deshalb für die Zeit danach geplant, zum Beispiel nach einer Vorbehandlung zu Hause oder bei einem weiteren Aufenthalt. Das wird bei der Untersuchung entschieden.

Warum wirken meine Zähne nach der Behandlung länger?

Wenn die Entzündung abklingt, schwillt das Zahnfleisch ab und kann sich zurückziehen. Die britische Fachgesellschaft BSP nennt freiliegende Wurzeloberflächen, dunkle dreieckige Lücken zwischen den Zähnen und eine vorübergehend stärkere Zahnbeweglichkeit als mögliche Folgen. Laut EFP können freiliegende Wurzeln empfindlicher auf Kälte oder Säure reagieren; das bessert sich meist nach einigen Monaten.

Ersetzen Laser oder Antibiotika die Reinigung?

Nein. Die EFP-Leitlinie schlägt vor, Laser nicht ergänzend zur Reinigung unter dem Zahnfleisch einzusetzen, und empfiehlt Antibiotika-Tabletten nicht routinemäßig; bei bestimmten Gruppen, etwa jungen Erwachsenen mit ausgedehnter, schwerer Parodontitis (Stadium III), können sie erwogen werden. Eine Mundspülung mit Chlorhexidin kann für begrenzte Zeit ergänzend erwogen werden. Grundlage bleibt die Reinigung.

Lassen sich gelockerte Zähne erhalten?

Oft ja. Laut EFP-Leitlinie zur fortgeschrittenen Parodontitis können Zähne, die bei vermindertem Zahnhalteapparat durch Kaukräfte beweglicher geworden sind, behandelt und erhalten werden; eine vorübergehende Schienung kann für mehr Komfort erwogen werden. Die Leitlinie von 2020 ergänzt, dass ein Knochenabbau zwischen den Wurzeln eines Backenzahns allein kein Grund für eine Extraktion ist. In schweren Fällen müssen laut NHS manche Zähne entfernt werden.

Ob die Behandlung für Sie geeignet ist, klärt die Untersuchung

Senden Sie uns Fotos oder Röntgenbilder per WhatsApp für eine Voreinschätzung. Der endgültige Plan entsteht erst nach der Untersuchung vor Ort.

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