Blutverdünner und Zahnimplantate: Ist eine Implantation unter Gerinnungshemmern möglich?

Kurz gesagt

Wer Blutverdünner einnimmt, kann in den meisten Fällen Zahnimplantate bekommen. Nach der schottischen Leitlinie SDCEP und der deutschen S3-Leitlinie wird der Eingriff bei Vitamin-K-Antagonisten, direkten oralen Antikoagulanzien und ASS in der Regel ohne Absetzen geplant, mit Nähten und blutstillenden Einlagen. Setzen Sie Ihr Medikament nie selbst ab; über eine Anpassung entscheiden verordnende Ärztin oder Arzt und Zahnarztpraxis gemeinsam.

Medizinisch geprüft von: Dt. Muhammed Raşid KızılarslanoğluAktualisiert:

Wie beeinflussen Blutverdünner eine Implantation?

Blutverdünner können dazu führen, dass es nach dem Einsetzen eines Implantats etwas länger blutet; diese Blutung lässt sich aber meist mit lokalen Maßnahmen kontrollieren. Die umgangssprachlich „Blutverdünner” genannten Medikamente verdünnen das Blut nicht, sondern verlangsamen die Gerinnung, und das auf zwei verschiedenen Wegen: Antikoagulanzien wirken auf das Gerinnungssystem, Thrombozytenaggregationshemmer auf das Zusammenlagern der Blutplättchen. Deshalb unterscheidet sich auch die Vorbereitung.

Eine 2021 im International Journal of Implant Dentistry veröffentlichte Metaanalyse (Dawoud et al.) mit 1.467 Personen aus acht Studien fand bei Patientinnen und Patienten, die ihr Antikoagulans weiter einnahmen, ein etwa 2,3-fach erhöhtes Blutungsrisiko; die Blutungen waren jedoch klinisch nicht schwerwiegend, und einfache lokale Maßnahmen können das Risiko nach Ansicht der Autoren verringern.

Das Absetzen hat seinen eigenen Preis. Nach der SDCEP-Leitlinie ist das Abwägen von Blutungsrisiko und dem Risiko eines Gerinnsels, das das Medikament verhindert, der entscheidende Maßstab; eine Pause bei einem Vitamin-K-Antagonisten kann ein ernstes thromboembolisches Ereignis zur Folge haben. Die meisten Patientinnen und Patienten werden deshalb mit laufender Medikation behandelt, und der Eingriff wird entsprechend geplant. Zu den allgemeinen Voraussetzungen lesen Sie die Seite Zahnimplantate.

Was empfehlen die Leitlinien bei welchem Medikament?

Die SDCEP-Leitlinie von 2022 ordnet Implantationen, bei denen das Zahnfleisch abgelöst wird, den Eingriffen mit höherem Blutungsrisiko zu. Die deutsche S3-Leitlinie zur zahnärztlichen Chirurgie unter Antikoagulation (2017) kommt zu ähnlichen Schlüssen; ihre Gültigkeit ist abgelaufen, und sie wird derzeit überarbeitet, weshalb sie hier nur ergänzend herangezogen wird.

Medikamentengruppe Beispiele für Wirkstoffe Übliches Vorgehen laut Leitlinien
Vitamin-K-Antagonisten Phenprocoumon, Warfarin, Acenocoumarol Bei INR unter 4 ohne Absetzen behandeln; bei INR ab 4 Eingriff verschieben
Direkte orale Antikoagulanzien (DOAK) Apixaban, Dabigatran, Rivaroxaban, Edoxaban Bei Eingriffen mit höherem Risiko nur eine Anpassung der Einnahme am Behandlungstag
Thrombozytenaggregationshemmer Acetylsalicylsäure (ASS), Clopidogrel, Prasugrel, Ticagrelor Einzel- und Zweifachtherapie ohne Unterbrechung fortführen

Heparine, die gespritzt werden, behandelt die SDCEP-Leitlinie gesondert; nennen Sie ein solches Medikament unbedingt bei der Voreinschätzung. Die Tabelle ist ein allgemeiner Rahmen. Bei Kombinationen aus Antikoagulans und Thrombozytenhemmer oder bei Leber-, Nieren- oder Knochenmarkerkrankungen, die das Blutungsrisiko erhöhen, empfiehlt SDCEP die Rücksprache mit der verordnenden Ärztin oder dem verordnenden Arzt. Die deutsche S3-Leitlinie empfiehlt, die Notwendigkeit der Gerinnungshemmung mit Hausarzt oder Kardiologin zu klären, und sieht Patientinnen und Patienten mit höherem Risiko bei spezialisierten Behandelnden.

Warum ist der INR-Wert bei Phenprocoumon und Warfarin wichtig?

Der INR-Wert gibt an, wie schnell das Blut gerinnt, und dient bei Vitamin-K-Antagonisten der Dosiskontrolle. In Deutschland ist Phenprocoumon der am häufigsten verordnete Wirkstoff dieser Gruppe; die S3-Leitlinie nennt Phenprocoumon und Warfarin gemeinsam. Nach der SDCEP-Patienteninformation möchte Ihre Zahnärztin oder Ihr Zahnarzt aktuelle INR-Werte sehen und kann eine Messung kurz vor dem Eingriff verlangen.

Laut SDCEP wird der INR-Wert idealerweise höchstens 24 Stunden vor dem Eingriff gemessen; bei seit Langem stabilen Werten ist auch eine Messung bis zu 72 Stunden vorher akzeptabel. Liegt der Wert unter 4, wird ohne Absetzen behandelt. Die deutsche S3-Leitlinie formuliert es ähnlich: Ein INR über 4 bedeutet ein inakzeptabel hohes Nachblutungsrisiko, der Wert sollte im unteren therapeutischen Bereich liegen. Der NHS rät auf seiner Warfarin-Seite, den Ausweis zur Gerinnungshemmung vor jeder medizinischen oder zahnärztlichen Behandlung vorzuzeigen und das Medikament nicht ohne ärztliche Anweisung abzusetzen.

Wie läuft es mit direkten oralen Antikoagulanzien (DOAK)?

Bei Apixaban, Dabigatran, Rivaroxaban und Edoxaban wird kein INR-Wert gemessen; laut SDCEP ist dieser Test für diese Wirkstoffe nicht geeignet, und eine routinemäßige Blutkontrolle ist nicht nötig. Bei Eingriffen mit niedrigem Blutungsrisiko empfiehlt die Leitlinie keine Änderung der Einnahme.

Bei Eingriffen mit höherem Risiko wie einer Implantation beschreibt SDCEP eine vom Wirkstoff abhängige Anpassung, die nur den Behandlungsmorgen betrifft: Bei Apixaban und Dabigatran wird die Morgendosis ausgelassen, bei Rivaroxaban und Edoxaban verschoben; wer diese abends einnimmt, ändert nichts. Die deutsche S3-Leitlinie empfiehlt, den Eingriff möglichst spät im Einnahmeintervall zu legen; ob und wie lange vor größeren Eingriffen pausiert wird, war unter den beteiligten Fachgesellschaften umstritten. Laut SDCEP-Patienteninformation wird Ihnen in einem solchen Fall genau gesagt, wann und wie Sie das Medikament einnehmen. Diese Anweisung kommt nur von Ihren Behandelnden; lassen Sie keine Dosis selbst aus. Der NHS rät auf seiner Apixaban-Seite, das Medikament weiter einzunehmen, solange nichts anderes angeordnet ist.

Müssen ASS und andere Thrombozytenaggregationshemmer abgesetzt werden?

Nein. Die SDCEP-Leitlinie empfiehlt, bei Einzel- und Zweifachtherapie ohne Unterbrechung zu behandeln, und weist darauf hin, dass die Blutung bei zwei Wirkstoffen bis zu einer Stunde dauern kann. Die deutsche S3-Leitlinie sieht es gleich: Niedrig dosierte ASS zur Sekundärprophylaxe wird fortgeführt; duale oder dreifache Therapien werden nicht ohne Rücksprache mit Hausarzt oder Kardiologin verändert, und planbare Eingriffe werden gegebenenfalls verschoben. Die NHS-Seite zu niedrig dosierter ASS rät, das Medikament weiter einzunehmen, solange es nicht ärztlich abgesetzt wird.

Auch die Wahl des Schmerzmittels spielt eine Rolle. Laut SDCEP können Schmerzmittel wie ASS, Ibuprofen und Diclofenac Blutungen verstärken; fragen Sie deshalb, welches Schmerzmittel Sie nach der Implantation nehmen dürfen. Was Sie in den Tagen nach dem Eingriff erwartet, lesen Sie im Ratgeber Tut eine Implantation weh?

Welche lokalen Maßnahmen verringern die Blutung?

Die SDCEP-Leitlinie nennt für Patientinnen und Patienten unter Gerinnungshemmern bei blutenden Eingriffen diese Maßnahmen:

  1. Terminplanung: Der Eingriff liegt möglichst früh am Tag und früh in der Woche, damit Zeit bleibt, eine verlängerte Blutung zu versorgen.
  2. Begrenzter Beginn: Zunächst wird ein kleinerer Bereich behandelt und die Blutung beurteilt, bevor es weitergeht.
  3. Behandlung in Etappen: Bei Bedarf werden Eingriffe auf mehrere Sitzungen verteilt, zum Beispiel wenn viele Implantate geplant sind.
  4. Nähte und blutstillende Einlagen: Das Vernähen der Wunde und selbstauflösende blutstillende Materialien wie oxidierte Zellulose oder Kollagenschwamm werden nachdrücklich empfohlen; die deutsche S3-Leitlinie nennt zusätzlich Kompression und eine Tranexamsäure-Mundspülung.
  5. Keine Entlassung mit aktiver Blutung: Sie verlassen die Praxis erst, wenn die Blutung unter Kontrolle ist.
  6. Schriftliche Hinweise: Sie erhalten Verhaltensregeln für die Zeit danach und eine Kontaktmöglichkeit für den Notfall.

Nach der SDCEP-Nachsorgeinformation wird am Behandlungstag nicht gespült, auf heiße Getränke und harte Speisen verzichtet und nicht auf der behandelten Seite gekaut.

Was bedeutet das für eine Behandlung in der Türkei?

Die wichtigsten Gespräche finden vor der Reise statt. Schicken Sie uns bei der Voreinschätzung per WhatsApp eine vollständige Liste Ihrer Medikamente mit Wirkstoff und Dosierung, den Grund der Gerinnungshemmung und, falls vorhanden, Ihren Gerinnungsausweis. Sprechen Sie außerdem mit der Ärztin oder dem Arzt in Deutschland, die oder der das Medikament verordnet hat, über die geplante Implantation; eine Änderung der Medikation wird nur gemeinsam mit dieser Person entschieden, nicht von Ihnen allein und nicht erst am Behandlungstag.

Da ein INR-Wert laut SDCEP höchstens 24 bis 72 Stunden alt sein sollte, reicht eine Messung Tage vor dem Abflug in der Regel nicht aus; klären Sie bei der Voreinschätzung, wie die Messung vor dem Eingriff organisiert wird. Planen Sie nach dem Eingriff genügend Tage vor Ort ein, damit eine Nachblutung in der Praxis versorgt werden kann, und fragen Sie vor der Buchung des Rückflugs, wann Fliegen für Sie unbedenklich ist. Nach der Rückkehr sind bei einer anhaltenden Blutung eine Praxis oder der zahnärztliche Notdienst in Ihrer Nähe die erste Anlaufstelle; informieren Sie uns zusätzlich per WhatsApp. Mehr dazu auf der Seite Nachsorge und im Ratgeber Wie lange sollten Sie für Zahnimplantate in der Türkei bleiben?

Wie planen wir die Implantation bei Gerinnungshemmern bei Rönesans?

Bei der Untersuchung in unserer Praxis in Serdivan besprechen wir Ihr gerinnungshemmendes Medikament, den Grund der Einnahme und Ihre übrigen Medikamente zusammen mit Ihrer Gesundheitsgeschichte. Den Knochen beurteilen wir mit einem DVT (digitale Volumentomographie); unsere Zahnärztinnen und Zahnärzte besprechen Ihren Fall gemeinsam, und Sie wissen von Anfang an, wer Sie behandelt. Ist eine Anpassung Ihres Medikaments nötig, wird sie zusammen mit der verordnenden Ärztin oder dem verordnenden Arzt entschieden.

Vor Behandlungsbeginn erhalten Sie einen schriftlichen Behandlungs- und Kostenplan, der die Behandlung Zahn für Zahn aufführt. Die Kommunikation auf Deutsch übernimmt ein Teammitglied mit Deutsch als Muttersprache; Nachrichten auf Deutsch und Englisch per WhatsApp an +90 532 363 49 54 beantworten wir während der Öffnungszeiten innerhalb von höchstens 15 Minuten. Die Nachsorge folgt einem festgelegten Ablauf, und bei der Abreise erhalten Sie eine Kopie Ihrer Behandlungszusammenfassung sowie Kopien Ihrer Röntgenbilder für Ihre Ärztinnen und Ärzte zu Hause.

Quellen
  1. Management of Dental Patients Taking Anticoagulants or Antiplatelet Drugs: Dental Clinical Guidance, Second Edition – Scottish Dental Clinical Effectiveness Programme (SDCEP), 2022
  2. Anticoagulant or Antiplatelet Medication and Your Dental Treatment – Scottish Dental Clinical Effectiveness Programme (SDCEP), 2022
  3. Post-Treatment Advice for Patients Taking Anticoagulants or Antiplatelets – Scottish Dental Clinical Effectiveness Programme (SDCEP), 2022
  4. S3-Leitlinie Zahnärztliche Chirurgie unter oraler Antikoagulation/Thrombozytenaggregationshemmung (AWMF-Register 083-018), Langfassung, Stand August 2017; Gültigkeit abgelaufen, Leitlinie wird überarbeitet – DGZMK/DGMKG, AWMF
  5. Dawoud BES, Kent S, Tabbenor O, George P, Dhanda J. Dental implants and risk of bleeding in patients on oral anticoagulants: a systematic review and meta-analysis. International Journal of Implant Dentistry, 2021;7:82.
  6. Warfarin – NHS
  7. Apixaban – NHS
  8. Low-dose aspirin – NHS

Häufige Fragen

Was tue ich, wenn es nach der Implantation zu Hause blutet?

Laut der SDCEP-Patienteninformation zur Nachsorge legen Sie eine gefaltete, saubere, angefeuchtete Mullkompresse oder ein Taschentuch auf die Stelle und beißen 30 Minuten lang fest darauf. Hört die Blutung in dieser Zeit nicht auf, wenden Sie sich ohne Verzögerung an eine Zahnarztpraxis oder den zahnärztlichen Notdienst in Ihrer Nähe und informieren Sie uns zusätzlich per WhatsApp.

Beeinflusst ein Antibiotikum nach der Implantation meinen INR-Wert?

Das ist möglich. Die SDCEP-Leitlinie weist darauf hin, dass ein für die Zahnbehandlung verordnetes Antibiotikum bei Patientinnen und Patienten unter Warfarin den INR-Wert verändern kann; Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon werden ähnlich überwacht. Erinnern Sie bei jedem neuen Rezept daran, dass Sie einen Gerinnungshemmer einnehmen, und folgen Sie den Vorgaben der Stelle, die Ihren INR-Wert kontrolliert.

Spielen pflanzliche Mittel und Nahrungsergänzung eine Rolle?

Manche ja. Laut SDCEP können einige pflanzliche und ergänzende Präparate das Blutungsrisiko beeinflussen, und auch bestimmte Antidepressiva sind in dieser Hinsicht zu beachten. Die SDCEP-Patienteninformation bittet deshalb, pflanzliche Mittel in der Medikamentenliste aufzuführen. Nennen Sie bei der Voreinschätzung und bei der Untersuchung jedes Präparat, auch rezeptfreie.

Ich nehme einen Gerinnungshemmer und zusätzlich ASS. Ist das anders zu bewerten?

Ja, dann ist eine sorgfältigere Abwägung nötig. Die SDCEP-Leitlinie empfiehlt, bei der Kombination eines Antikoagulans mit einem Thrombozytenaggregationshemmer die verordnende Ärztin oder den verordnenden Arzt einzubeziehen, um das Blutungsrisiko zu beurteilen. Die deutsche S3-Leitlinie rät ebenfalls, duale oder dreifache Therapien nicht ohne Rücksprache mit Hausarzt oder Kardiologin zu verändern. Setzen Sie keines Ihrer Medikamente eigenmächtig ab.

Muss ich meinen INR-Wert vor der Reise in Deutschland messen lassen?

Der Zeitpunkt zählt: Laut SDCEP sollte der INR-Wert idealerweise innerhalb von 24 Stunden vor dem Eingriff gemessen werden, bei stabil eingestellten Patientinnen und Patienten gilt auch ein Wert aus den letzten 72 Stunden. Eine Messung mehrere Tage vor dem Abflug reicht dafür in der Regel nicht. Klären Sie bei der Voreinschätzung, wie und wo die Messung vor dem Eingriff erfolgt.

Ob die Behandlung für Sie geeignet ist, klärt die Untersuchung

Senden Sie uns Fotos oder Röntgenbilder per WhatsApp für eine Voreinschätzung. Der endgültige Plan entsteht erst nach der Untersuchung vor Ort.

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