Was ist Zahnfleischrückgang, und woran erkennen Sie ihn?
Gesundes Zahnfleisch liegt dem Zahn eng an und bedeckt die Wurzel. Beim Zahnfleischrückgang (Rezession) weicht es zurück, und die Wurzeloberfläche, die normalerweise unter dem Zahnfleisch liegt, wird sichtbar. Laut Cleveland Clinic kann der Rückgang leicht, mittel oder ausgeprägt sein und einen einzelnen Zahn oder viele Zähne betreffen. Er kommt in jedem Alter vor, am häufigsten über 65: In dieser Altersgruppe haben laut Cleveland Clinic etwa 88 Prozent an mindestens einem Zahn einen Zahnfleischrückgang.
Der Rückgang schreitet meist langsam voran und fällt anfangs nicht auf. Diese Zeichen können Sie bemerken:
- Die Wurzeln werden sichtbar, und die Zähne wirken länger als früher; die American Academy of Periodontology zählt das zu den Warnzeichen einer Zahnfleischerkrankung, und auch gesundheitsinformation.de nennt „lange Zähne“ als Anzeichen einer Parodontitis.
- Empfindlichkeit auf Kälte, Wärme und Süßes sowie Schmerz beim Putzen, bei der Zahnseide oder bei der Zahnreinigung.
- Schmerz oder Druckgefühl nahe am Zahnfleischrand.
Wie die Empfindlichkeit entsteht und was zu Hause hilft, erklärt der Ratgeber Empfindliche Zähne.
Warum geht das Zahnfleisch zurück?
Meist wirken mehrere Faktoren zusammen. Die Cleveland Clinic und die British Society of Periodontology and Implant Dentistry (BSP) nennen in ihren Patienteninformationen vor allem:
- Parodontitis: Zahnbelag und Zahnstein entzünden das Zahnfleisch. Laut gesundheitsinformation.de greift die anhaltende Entzündung den Zahnhalteapparat an und baut Kieferknochen ab; dadurch werden Teile der Zahnwurzel freigelegt. Der NHS beschreibt, dass eine Zahnfleischerkrankung zu zurückweichendem Zahnfleisch, lockeren Zähnen und Zahnverlust führen kann.
- Zu festes Putzen: Die Cleveland Clinic nennt sehr kräftiges, schrubbendes Putzen, die BSP das Reinigen mit zu viel Druck.
- Dünnes Zahnfleisch: Laut Cleveland Clinic haben manche Menschen von Natur aus dünnes Zahnfleischgewebe.
- Tabak: Rauchen und Kautabak.
- Zahnstellung: Eng oder ungewöhnlich stehende Zähne.
- Kieferorthopädische Behandlung: Beide Quellen zählen eine frühere Zahnspange zu den möglichen Ursachen.
- Lippen- oder Zungenpiercings sowie Verletzungen des Zahnfleischs.
Die BSP weist darauf hin, dass sich das Zahnfleisch auch nach einer erfolgreichen Parodontitisbehandlung zurückziehen kann: Wenn die Entzündung abklingt und die Schwellung zurückgeht, werden Flächen sichtbar, die das geschwollene Zahnfleisch vorher bedeckt hat. Dass die Zähne nach einer Zahnsteinentfernung „auseinanderzustehen“ scheinen, hat oft diesen Grund.
Wächst zurückgegangenes Zahnfleisch wieder nach?
Nein. Laut Cleveland Clinic bildet sich zurückgegangenes Zahnfleisch nicht von selbst neu; mit den richtigen Maßnahmen lässt sich aber verhindern, dass es schlimmer wird. Bei erblicher Veranlagung lässt sich der Rückgang laut Cleveland Clinic nicht immer vermeiden.
Erstes Ziel der Behandlung ist deshalb, die Ursache zu finden und den Rückgang zu stoppen. Ob die freiliegende Wurzel gedeckt werden soll, ist eine getrennte Entscheidung. Laut BSP kann verlorenes Zahnfleisch in manchen Fällen durch ein Weichgewebstransplantat aus einem anderen Bereich des Mundes ersetzt werden.
Welche Folgen kann Zahnfleischrückgang haben?
Ein leichter Rückgang bleibt oft lange folgenlos. Schreitet er fort, sind diese Folgen möglich:
| Folge | Warum? |
|---|---|
| Empfindlichkeit | Laut Cleveland Clinic reagiert die freiliegende Wurzel auf Wärme, Kälte, Süßes, Putzen und Zahnreinigung |
| Wurzelkaries | Laut Cleveland Clinic sind freiliegende Wurzeln anfälliger für Karies |
| Knochenverlust und Lockerung | Laut Cleveland Clinic kann unbehandelter Rückgang zu Knochenverlust, lockeren Zähnen und Zahnverlust führen |
| Aussehen | Die Zähne wirken lang; laut BSP ist das für manche ein erhebliches ästhetisches Problem |
Ein Teil dieser Folgen hängt mit der zugrunde liegenden Parodontitis zusammen. Laut gesund.bund.de gehören zu ihren Anzeichen Zahnfleischbluten, empfindliche und zunehmend sichtbare Zahnhälse und Mundgeruch; im fortgeschrittenen Stadium können sich Zähne verschieben oder wackeln. Zum Bluten lesen Sie den Ratgeber Zahnfleischbluten, zur Behandlung der Erkrankung den Ratgeber Parodontitis-Behandlung.
Wie wird Zahnfleischrückgang behandelt?
Die Behandlung richtet sich nach Ursache und Ausmaß. Cleveland Clinic und BSP nennen vor allem:
- Behandlung der Parodontitis: Laut BSP muss die Zahnfleischerkrankung behandelt und unter Kontrolle sein, bevor zurückgegangenes Zahnfleisch gedeckt oder kaschiert wird. Laut NHS stehen im frühen Stadium Pflegehinweise und professionelle Reinigung im Vordergrund; in fortgeschrittenen Fällen können eine Reinigung unterhalb des Zahnfleischrands, Antibiotika oder ein chirurgischer Eingriff nötig sein. Laut gesund.bund.de kann ein operativer Eingriff zur Reinigung der Wurzeloberfläche empfohlen werden, wenn die Reinigung unterhalb des Zahnfleischrands nicht ausreicht.
- Putztechnik korrigieren: Trägt zu festes Putzen bei, hilft der Wechsel auf eine weiche Bürste und sanften Druck.
- Empfindlichkeit lindern: Die Cleveland Clinic nennt Fluoridlack und Zahnpasten für empfindliche Zähne.
- Wurzel mit zahnfarbener Füllung decken: Laut Cleveland Clinic lässt sich die freiliegende Wurzel mit zahnfarbenem Füllungsmaterial abdecken; die BSP nennt zusätzlich künstliche Zahnfleischteile, um Lücken zwischen den Zähnen zu kaschieren.
- Kieferorthopädie: Laut Cleveland Clinic kann sich der Zahnfleischverlauf nach der Korrektur schief stehender Zähne mit der Zeit verbessern.
- Zahnfleischtransplantat: Ein Eingriff, der die freiliegende Wurzel mit Zahnfleischgewebe deckt, siehe unten.
Welche dieser Möglichkeiten für Sie passt, wird nach der Beurteilung von Ursache und Ausmaß festgelegt.
Was ist ein Zahnfleischtransplantat, und für wen kommt es infrage?
Laut Cleveland Clinic ist das Zahnfleischtransplantat ein chirurgischer Eingriff gegen dünnes oder zurückgegangenes Zahnfleisch. Das Transplantat deckt die freiliegende Wurzel und gibt dem Zahnfleischrand Volumen. Das Gewebe stammt meist vom Gaumen; manchmal werden auch Materialien aus zertifizierten Gewebebanken verwendet. Der Eingriff wird häufig von Parodontologinnen und Parodontologen durchgeführt. Die Heilung dauert laut Cleveland Clinic meist ein bis zwei Wochen; Komplikationen sind selten, möglich sind Infektion, stärkere Blutung oder ein Transplantat, das nicht anwächst.
Die Techniken zur Wurzeldeckung hat eine Cochrane-Übersicht von 2018 (Chambrone und Kollegen) verglichen. Sie wertete 48 randomisierte kontrollierte Studien aus: Bindegewebstransplantate vom Gaumen, Lappentechniken, bei denen das Zahnfleisch über die Wurzel verschoben wird, und Kombinationen mit verschiedenen Materialien sind mögliche Verfahren. Wenn sowohl die Wurzel gedeckt als auch das fest angewachsene Zahnfleisch verbreitert werden soll, zeigte das Bindegewebstransplantat einen leichten Vorteil. Die Autorinnen und Autoren bewerteten die Verlässlichkeit der Evidenz jedoch als niedrig bis sehr niedrig, und Daten zur ästhetischen Zufriedenheit der Patientinnen und Patienten waren begrenzt.
Ob ein Transplantat für Sie nötig und geeignet ist, hängt vom Ausmaß des Rückgangs, der Dicke des Zahnfleischs und davon ab, ob eine Parodontitis unter Kontrolle ist; das wird bei der Untersuchung entschieden.
Wie lässt sich Zahnfleischrückgang vorbeugen?
Eine erbliche Veranlagung lässt sich nicht ändern; Parodontitis, zu festes Putzen und Tabak hängen dagegen mit Gewohnheiten zusammen. NHS, Cleveland Clinic und DG PARO empfehlen:
- Zweimal täglich mit einer weichen Bürste und fluoridhaltiger Zahnpasta putzen, ohne Druck.
- Nach dem Putzen ausspucken, nicht mit Wasser nachspülen.
- Die Zahnzwischenräume täglich mit Zahnseide oder Interdentalbürsten reinigen; laut DG PARO einmal täglich.
- Nicht rauchen; laut DG PARO erkranken Rauchende deutlich häufiger an Parodontitis, und der Verlauf ist schwerer.
- Kontrollen und Zahnreinigungen in den empfohlenen Abständen wahrnehmen; die Cleveland Clinic nennt häufig sechs Monate. Laut gesundheitsinformation.de haben gesetzlich Versicherte in Deutschland alle zwei Jahre Anspruch auf den Parodontalen Screening-Index (PSI), bei dem auch der Zahnfleischrückgang erfasst wird.
Die Cleveland Clinic rät, auch ohne Schmerzen zur Zahnärztin oder zum Zahnarzt zu gehen, sobald Wurzeln sichtbarer werden oder die Empfindlichkeit zunimmt.
Was bedeutet das für Implantate oder Kronen in der Türkei?
Zahnfleischrückgang selbst ist kein Grund für eine Reise; die Ursache klärt Ihre Praxis in Deutschland. Wichtig wird das Thema, wenn Sie Implantate oder Kronen planen: Eine aktive Parodontitis sollte vor einer solchen Versorgung unter Kontrolle sein, denn laut BSP geht die Behandlung der Zahnfleischerkrankung jeder Deckung voraus. Warum das für Implantate zählt, erklären die Ratgeber Parodontitis und Zahnimplantate und Zahnfleischaufbau am Implantat. Bei Kronen kann ein Rückgang den Kronenrand sichtbar machen; dazu mehr im Ratgeber Empfindliche Zähne nach Kronen.
Bei der Untersuchung in unserer Praxis in Serdivan werden Zahnfleisch, Zahnfleischrand, Zahnstein, empfindliche Zähne sowie Füllungen und Kronen beurteilt, bei Bedarf mit Röntgenbildern. Muss der Knochen genauer beurteilt werden, steht eine DVT (digitale Volumentomographie) zur Verfügung. In der Praxis gibt es außerdem ein Gerät, das mit einem Gemisch aus Luft, Wasser und feinem Pulver Beläge und oberflächliche Verfärbungen entfernt; ob es eingesetzt wird, entscheidet Ihre Zahnärztin oder Ihr Zahnarzt nach der Untersuchung. Ob chirurgische Möglichkeiten wie ein Zahnfleischtransplantat für Sie infrage kommen, wird ebenfalls bei der Untersuchung beurteilt.
Vor Behandlungsbeginn erhalten Sie einen schriftlichen Behandlungs- und Kostenplan, und Sie wissen von Anfang an, wer Sie behandelt. Fotos Ihres Zahnfleischs und vorhandene Röntgenbilder können Sie uns vorab per WhatsApp an +90 532 363 49 54 für eine erste Einschätzung senden; was Sie zu einer Behandlung in der Türkei wissen sollten, fasst die Seite Zahnbehandlung in der Türkei zusammen.