Was ist befestigtes (keratinisiertes) Zahnfleisch am Implantat?
Befestigtes Zahnfleisch ist das feste, hellrosa Gewebe, das direkt um Zahn oder Implantat am Knochen anhaftet; der Fachbegriff lautet keratinisierte Mukosa. Darunter beginnt die dunklere, bewegliche und dünnere Schleimhaut. Die Patientenzusammenfassung der Cochrane-Übersicht spricht von „festem Zahnfleisch”.
Laut dem Konsensbericht des World Workshop 2017 können nach Zahnverlust Defekte an Knochen und Weichgewebe entstehen; deshalb ist das befestigte Zahnfleisch um manche Implantate breit, um andere sehr schmal oder gar nicht vorhanden. Die DGI-Patientenbroschüre ergänzt, dass manche Menschen genetisch bedingt zartes und dünnes, andere dickes Zahnfleisch haben, was vorteilhafter ist. Das International Team for Implantology (ITI) zählte 2003 die Breite des befestigten Zahnfleischs auf der Lippenseite zu den Messgrößen für das Weichgewebe am Implantat, und die S3-Leitlinie der European Federation of Periodontology (EFP) von 2023 empfiehlt, sie bei jeder Kontrolle zu erfassen.
Schadet wenig befestigtes Zahnfleisch dem Implantat?
Die Evidenz ist gemischt: Wenig befestigtes Zahnfleisch geht mit mehr Belag und mehr Zahnfleischrückgang einher, der Einfluss auf die langfristige Gesundheit des Implantats ist aber nicht gesichert. Die systematische Übersicht von Lin und Kollegen (2013, elf Studien) verglich Implantate mit breitem (meist 2 Millimeter und mehr) und schmalem befestigtem Zahnfleisch:
| Messgröße | Bei Implantaten mit breitem befestigtem Zahnfleisch |
|---|---|
| Belagansammlung | Signifikant weniger |
| Zahnfleischentzündung | Auf einer Skala signifikant weniger |
| Zahnfleischrückgang | Im Mittel 0,6 mm weniger |
| Attachmentverlust | Im Mittel 0,35 mm weniger |
| Blutung beim Sondieren | Kein signifikanter Unterschied |
| Knochenverlust | Kein signifikanter Unterschied |
Die Autorinnen und Autoren betonen, dass die meisten Studien Querschnittsstudien mit hohem Verzerrungsrisiko waren. Der Konsensbericht des World Workshop 2017 (Berglundh und Kollegen, 2018) bewertet die Evidenz zum Langzeitnutzen als nicht eindeutig, sieht aber mögliche Vorteile für Komfort und Reinigung. Die EFP-Leitlinie 2023 führt fehlendes befestigtes Zahnfleisch unter den möglichen Risikofaktoren, deren Rolle noch erforscht werden muss. Die übrigen Risikofaktoren für Entzündungen am Implantat erklärt der Ratgeber Periimplantitis.
Ist bei wenig befestigtem Zahnfleisch immer ein Aufbau nötig?
Nein. Lin und Kollegen fordern, den Nutzen einer Verbreiterung erst in Interventionsstudien zu belegen; die Cochrane-Übersicht von 2012 fand damals keine Studie dazu. Die Entscheidung richtet sich deshalb weniger nach dem Messwert als nach Ihrer Situation. Üblicherweise werden beurteilt:
- Schmerzen oder Unbehagen beim Putzen am Implantat
- ob Belag regelmäßig entfernt werden kann und ob Entzündungen wiederkehren
- Zahnfleischrückgang oder sichtbar werdende Implantatoberfläche
- ob die Stelle beim Lächeln sichtbar ist
- Art und Reinigungsfähigkeit des Zahnersatzes auf dem Implantat
Bei Reinigungsproblemen lohnt sich auch ein Blick auf Bürste und Zwischenraumbürsten; Hinweise dazu im Ratgeber Zahnersatz auf Implantaten pflegen.
Freies Schleimhauttransplantat oder Bindegewebstransplantat: Was ist der Unterschied?
Beide Verfahren nutzen meist Gewebe aus dem Gaumen, verfolgen aber verschiedene Ziele und hinterlassen unterschiedliche Wunden:
| Merkmal | Freies Schleimhauttransplantat | Bindegewebstransplantat |
|---|---|---|
| Hauptziel | Befestigtes Zahnfleisch verbreitern | Zahnfleisch verdicken, Volumen und Ästhetik gewinnen |
| Entnahme am Gaumen | Dünnes Gewebestück mit Oberfläche | Gewebe unter der Oberfläche; die Deckschicht bleibt |
| Wunde am Gaumen | Bleibt offen, heilt von selbst | Wird in der Regel vernäht |
Laut dem Aufklärungsbogen der Universität Erciyes wird für ein freies Schleimhauttransplantat etwa 1 bis 1,5 Millimeter dickes Gewebe aus dem Gaumen entnommen; der wesentliche Unterschied zum Bindegewebstransplantat ist, dass dort die Entnahmestelle vernäht wird. Die Cleveland Clinic beschreibt für das Bindegewebstransplantat, dass ein kleiner Keil aus dem Inneren des Gaumens entnommen wird und die äußere Schicht erhalten bleibt. In einer kleinen Studie mit zehn Personen aus der Cochrane-Übersicht verbesserten Gaumentransplantate Dicke und Ästhetik des Zahnfleischs am Implantat. Wie wichtig die Zahnfleischdicke im sichtbaren Bereich ist, erklärt der Ratgeber Implantat im Frontzahnbereich.
Wie läuft ein Zahnfleischaufbau ab?
Nach den Aufklärungsbögen der Universitäten Erciyes und Kahramanmaraş Sütçü İmam verläuft der Eingriff in der Regel so:
- Empfängerstelle am Implantat und Entnahmestelle am Gaumen werden örtlich betäubt.
- Am Implantat wird das Bett für das Transplantat vorbereitet.
- Aus dem Gaumen oder einem zahnlosen Bereich wird Gewebe in passender Größe entnommen.
- Das Gewebe wird eingelegt und vernäht.
- Bei Bedarf werden beide Stellen mit einem Schutzverband abgedeckt; für den Gaumen kann eine weiche Schutzplatte angefertigt werden.
Der Bogen der Universität Kahramanmaraş Sütçü İmam gibt als Dauer 60 bis 90 Minuten an. Laut dem Bogen der Universität Erciyes werden die Fäden am Gaumen in der Regel nach einer Woche, am Transplantat nach ärztlicher Empfehlung am 10. bis 14. Tag entfernt.
Wie heilt der Gaumen nach der Entnahme?
Der Gaumen heilt in der Regel innerhalb weniger Wochen von selbst, bereitet in den ersten Tagen aber oft mehr Beschwerden als die Empfängerstelle. Laut dem Bogen der Universität Kahramanmaraş Sütçü İmam heilt die Entnahmestelle innerhalb eines Monats; in den ersten zehn Tagen wird eine weiche Gaumenplatte getragen, die Komfort gibt, Blutungen vorbeugt und die Wunde schützt. Der Bogen der Universität Erciyes nennt für die vollständige Heilung mindestens 4 bis 6 Wochen und weist darauf hin, dass die nicht vernähte Gaumenwunde langsam heilen und schmerzen kann.
Als mögliche Komplikationen nennen die Bögen Infektion, Blutung, Schwellung, Schmerzen, herpesähnliche Bläschen am Gaumen, Reizung der Mundwinkel, Farbunterschiede und das Nichtanwachsen des Transplantats. Auch in einer Studie der Cochrane-Übersicht wurden nach Eingriffen zur Verbreiterung des befestigten Zahnfleischs deutliche Schmerzen berichtet.
Was hat das mit Zahnfleischrückgang am Implantat zu tun?
Fehlendes befestigtes Zahnfleisch ist einer von mehreren Faktoren für Zahnfleischrückgang am Implantat, nicht der einzige. Der Konsensbericht des World Workshop 2017 nennt als Hauptursachen eine ungünstige Implantatposition, fehlenden Knochen auf der Lippenseite, dünnes Zahnfleisch, fehlendes befestigtes Zahnfleisch, den Zustand der Nachbarzähne und chirurgisches Trauma. Rückgang kann auch Teil einer Entzündung am Implantat sein; deshalb wird zuerst die Ursache gesucht.
Im sichtbaren Bereich ist ein eingetretener Rückgang schwer zu korrigieren. Laut der ITI-Konsenserklärung von 2013 bringen Weichgewebsaufbauten in dieser Situation nur begrenzte Verbesserung, und die Ergebnisse schwanken stark. Deshalb lohnt es sich, Zahnfleischdicke und -breite schon bei der Planung zu berücksichtigen.
Was sollten Sie nach einem Zahnfleischaufbau beachten?
- Nehmen Sie verordnete Medikamente ein und folgen Sie den Hinweisen zur Mundhygiene.
- Lassen Sie Transplantat, Verband und Gaumenplatte in Ruhe, bis die Freigabe kommt; das Transplantat nicht bürsten.
- Laut dem Bogen der Universität Erciyes 3 bis 4 Wochen nicht rauchen; Rauchen erhöht die Gefahr des Misserfolgs.
- Melden Sie jede Auffälligkeit; die Cleveland Clinic rät bei starker Blutung, eitrigem Ausfluss oder Fieber zum Arztkontakt. Von zu Hause aus können Sie uns Fotos per WhatsApp schicken, und bei akuten Beschwerden ist eine Zahnarztpraxis in Ihrer Nähe die erste Anlaufstelle.
- Nehmen Sie die Termine zum Fädenziehen und zur Kontrolle wahr, ob vor dem Rückflug oder in Ihrer Praxis in Deutschland.
Wie beurteilen wir das Zahnfleisch am Implantat bei Rönesans?
Bei der Untersuchung in unserer Praxis in Serdivan wird das Zahnfleisch um das Implantat oder die geplante Implantatstelle beurteilt; den Knochen darunter zeigt das DVT (digitale Volumentomographie). Knochenaufbau und Sinuslift führen wir in der Praxis durch. Ob ein Zahnfleischaufbau bei Ihnen nötig und sinnvoll ist und in welchem Aufenthalt er stattfinden könnte, wird bei der Untersuchung geklärt.
Ihren Fall besprechen unsere Zahnärztinnen und Zahnärzte gemeinsam, und eine feste Zahnärztin oder ein fester Zahnarzt begleitet Sie. Vor Behandlungsbeginn erhalten Sie einen schriftlichen Behandlungs- und Kostenplan mit den Eingriffen je Zahn. Nach der Implantatbehandlung werden Kontrollen geplant; wenn Ihnen beim Putzen Schmerzen, Blutung oder Zahnfleischrückgang am Implantat auffallen, schicken Sie uns per WhatsApp an +90 532 363 49 54 ein Foto. Wie die Betreuung nach der Rückkehr abläuft, beschreibt die Seite Nachsorge.