Was ist ein Knochenaufbau, und wozu dient er?
Beim Knochenaufbau (Augmentation) wird an einer Stelle, an der der Kieferknochen nicht ausreicht, Knochen oder ein Knochenersatzmaterial eingebracht, um die Knochenmenge zu vergrößern. Wie die Patienteninformation der Cambridge University Hospitals erklärt, braucht ein Implantat an seiner Position genug Knochen; der Aufbau hilft, das Implantat an der richtigen Stelle zu setzen.
Das eingebrachte Material ist nicht selbst der neue Knochen. Die Cleveland Clinic vergleicht es mit einem Gerüst, an dem das eigene Knochengewebe entlangwächst und sich erneuert: Das Material hält den Platz frei, die eigentliche Reparatur leistet der Körper.
Warum schwindet der Kieferknochen nach dem Zahnverlust?
Wird ein Zahn entfernt, baut sich der Knochen um das Zahnfach mit der Zeit ab. Davon geht auch die systematische Übersicht der Cochrane Collaboration aus, die untersucht, wie sich nach einer Zahnentfernung genug Knochen für ein Implantat erhalten lässt.
Das Ausmaß ist untersucht: Laut einer systematischen Übersicht in Clinical Oral Implants Research (Tan und Kollegen, 2012) nahm die Knochenbreite sechs Monate nach der Zahnentfernung um 29 bis 63 Prozent ab, die Knochenhöhe um 11 bis 22 Prozent. Am schnellsten schwindet der Knochen in den ersten drei bis sechs Monaten, danach langsamer.
Zahnentfernung ist nicht die einzige Ursache. Laut Cleveland Clinic kann auch eine Parodontitis Knochen abbauen; auch dann kann ein Aufbau nötig werden. Für Patientinnen und Patienten aus Deutschland, die eine Lücke schon länger haben oder seit Jahren eine Prothese tragen, ist das ein Grund, warum ein Aufbau häufiger nötig wird.
Wie wird die Knochenmenge im DVT beurteilt?
Laut dem Manchester University NHS Foundation Trust ist die digitale Volumentomographie (DVT, englisch CBCT) eine zahnärztliche Röntgenuntersuchung, die ein dreidimensionales Bild von Zähnen und Kiefer erzeugt. Sie ist laut derselben Quelle besonders für die Implantatplanung nützlich; die Strahlendosis liegt über der einer normalen Zahnröntgenaufnahme, aber deutlich unter der einer medizinischen Computertomographie.
Im dreidimensionalen Bild lässt sich beurteilen:
- Höhe und Breite des Knochens
- der Abstand zum Nervkanal im Unterkiefer und zur Kieferhöhle im Oberkiefer
- bei Bedarf eines Aufbaus: in welcher Richtung und in welchem Umfang Knochen fehlt
Eine Panoramaaufnahme (OPG) aus Deutschland hilft bei der Voreinschätzung; sie ist aber ein zweidimensionales Bild. Ob ein Aufbau nötig ist, lässt sich deshalb verbindlich erst mit dem DVT vor Ort sagen.
Welche Materialien werden verwendet?
Die Cleveland Clinic teilt die Materialien nach ihrer Herkunft in vier Gruppen ein:
| Material | Herkunft |
|---|---|
| Eigenknochen (autogen) | Eigener Knochen aus einer anderen Körperstelle |
| Allogenes Material | Aufbereiteter menschlicher Knochen aus einer zugelassenen Gewebebank |
| Xenogenes Material | Aufbereiteter Knochen tierischen Ursprungs (meist Rind oder Schwein) |
| Alloplastisches Material | Im Labor hergestelltes, synthetisches knochenähnliches Material |
Laut Cambridge University Hospitals wird sterilisierter, aufbereiteter Rinderknochen häufig mit eigenen Knochenspänen gemischt und mit einer Membran abgedeckt, die sich mit der Zeit im Körper auflöst. Die Patientenbroschüre der Universitätsklinik Freiburg nennt dieselben drei Bausteine: eigenen Knochen, der etwa als Bohrspäne bei der Vorbereitung des Implantatbetts anfällt, Knochenersatzmaterial tierischen Ursprungs oder synthetischer Herstellung sowie eine Membran. Die Broschüre der Bayerischen Landeszahnärztekammer (BLZK) ergänzt, dass kleine Defekte mit Bohrspänen aus dem Implantatbett gefüllt werden können und für größere Mengen Knochen aus der Nachbarschaft, etwa vom Kinn oder Kieferwinkel, oder aus dem Becken entnommen werden kann. Laut Guy’s and St Thomas’ NHS Foundation Trust geschieht eine Entnahme aus dem Becken in Vollnarkose und mit Krankenhausaufenthalt.
Welches Material verwendet wird, entscheidet die Zahnärztin oder der Zahnarzt nach Größe des Defekts und Lage der Stelle. Wenn Sie aus religiösen oder persönlichen Gründen kein Material tierischen Ursprungs wünschen, sagen Sie das bitte vor der Planung.
Was ist der Unterschied zwischen Socket Preservation und Augmentation?
Beide Verfahren dienen dem Knochen, werden aber zu unterschiedlichen Zeitpunkten eingesetzt:
- Socket Preservation (Erhalt des Zahnfachs): Direkt nach der Zahnentfernung wird das leere Zahnfach mit Material gefüllt und laut Cochrane mit Zahnfleisch oder einer Membran abgedeckt, um den Abbau zu verringern. Die Cochrane-Übersicht hält fest, dass die Belege für einen geringeren Knochenverlust im Vergleich zur reinen Zahnentfernung begrenzt sind und zwischen den Materialien kein klarer Unterschied gezeigt werden konnte. Wie eine Zahnentfernung abläuft, lesen Sie auf der Seite Zahnentfernung.
- Augmentation: Sie wird eingesetzt, wenn der Knochen bereits schmal oder niedrig ist. Cambridge University Hospitals nennen die gesteuerte Knochenregeneration mit Partikeln und Membran, den Blockaufbau mit einem Knochenblock und die Knochenspreizung.
Im hinteren Oberkiefer ist die Knochenhöhe oft durch die Kieferhöhle begrenzt. Das Verfahren dafür erklärt der Ratgeber Sinuslift.
Erfolgt der Aufbau zusammen mit dem Implantat oder vorher?
Das hängt von der benötigten Knochenmenge ab. Laut Cambridge University Hospitals kann ein kleiner Aufbau im selben Eingriff wie das Implantat erfolgen; ein größerer Aufbau wird in einem eigenen Eingriff mindestens vier Monate vor dem Implantat durchgeführt.
Für die Wartezeit nach einem eigenständigen Aufbau nennen die Quellen ähnliche Spannen:
- Guy’s and St Thomas’: In den meisten Fällen heilt der Aufbau drei bis sechs Monate, bevor das Implantat gesetzt wird.
- Cambridge University Hospitals: Blockaufbauten heilen vier bis sechs Monate; bis das Material vollständig mit dem eigenen Knochen verwachsen ist, können 4 bis 12 Monate vergehen.
- Universitätsklinik Freiburg: Mit Schrauben befestigte Knochenblöcke heilen in der Regel etwa drei Monate ein.
- Cleveland Clinic: Der Aufbau braucht mindestens drei Monate.
Für Ihre Reiseplanung heißt das: Ein kleiner Aufbau ändert an den üblichen zwei Aufenthalten für Implantate meist nichts. Ein großer Aufbau in einem eigenen Eingriff kann einen zusätzlichen Aufenthalt bedeuten, weil zwischen Aufbau, Implantation und endgültigem Zahnersatz jeweils Monate liegen. Ob der Knochen bereit ist, wird mit Kontrolle und Röntgenbild beurteilt. Mehr dazu im Ratgeber Zahnimplantate in der Türkei: Wie lange sollten Sie bleiben?.
Wie verläuft die Heilung, und was ist mit dem Rückflug?
Laut Cambridge University Hospitals ist die Schwellung meist am zweiten Tag am stärksten, ein Bluterguss im Gesicht ist möglich, und nach dem Fädenziehen, also nach etwa 7 bis 10 Tagen, fühlen sich die meisten besser. Die Cleveland Clinic gibt an, dass Empfindlichkeit, Schwellung und Bluterguss in der Regel innerhalb von ein bis zwei Wochen abklingen. In den ersten Tagen können kleine, sandkornähnliche Körnchen des Materials aus dem Mund kommen; das ist meist normal.
Die Empfehlungen der Cleveland Clinic für die Heilung lassen sich so zusammenfassen:
- Die Wunde nicht mit Zunge oder Fingern berühren
- Nicht rauchen, auch keine E-Zigarette
- Nicht kräftig ausspucken oder spülen
- In den ersten 48 Stunden keine schwere körperliche Anstrengung
- Weiche Kost und die verordneten Medikamente wie besprochen einnehmen
Zum Fliegen gibt es wenig Forschung. Ein Artikel im British Dental Journal (2023) nennt für aufwendigere Eingriffe wie Knochenaufbau oder Sinuslift als frühesten Zeitpunkt zwei Wochen, sofern keine Schmerzen, Schwellung oder Blutung bestehen, und versteht das als Ausgangspunkt für die Entscheidung der Zahnärztin oder des Zahnarztes. Wann Sie fliegen dürfen, wird deshalb nach dem Eingriff und dem Heilungsverlauf festgelegt; ein flexibles Rückflugticket ist sinnvoll.
Cambridge University Hospitals geben an, dass kleinere Probleme wie Infektion, Freiliegen des Materials oder ausbleibende Einheilung in etwa 30 Prozent der Fälle vorkommen und dass das Risiko bei Rauchenden höher ist. Bei Fieber, zunehmender Schwellung, eitrigem Ausfluss oder starken Schmerzen warten Sie nicht auf den Kontrolltermin. Sind Sie schon zu Hause, ist eine Praxis in Ihrer Nähe die erste Anlaufstelle; informieren Sie uns zusätzlich per WhatsApp (siehe Nachsorge).
Wie beurteilen wir den Knochenaufbau bei Rönesans?
In unserer Praxis in Serdivan werden Höhe und Breite des Knochens mit einem DVT dreidimensional beurteilt. Knochenaufbau und Sinuslift führen wir in unserer Praxis durch; bei Bedarf kann die Behandlung in Vollnarkose erfolgen. Für eine Voreinschätzung schicken Sie uns gern Fotos und vorhandene Röntgenbilder per WhatsApp an +90 532 363 49 54; die Kommunikation auf Deutsch übernimmt ein Teammitglied mit Deutsch als Muttersprache.
Ob ein Aufbau nötig ist, ob er zusammen mit dem Implantat oder in einem eigenen Eingriff erfolgt und ob während der Einheilzeit ein provisorischer Zahnersatz möglich ist, besprechen wir mit Ihnen nach Untersuchung und DVT. Daraus ergeben sich Zahl und Dauer Ihrer Aufenthalte, die wir an Ihre Reisedaten anpassen. Vor Behandlungsbeginn erhalten Sie einen schriftlichen Behandlungs- und Kostenplan; die Kosten stehen nach der Untersuchung fest. Transfer ab Istanbul und Unterkunft in Sapanca sind im Behandlungspreis enthalten. Bei der Abreise bekommen Sie eine Kopie Ihrer Behandlungszusammenfassung und Ihrer Röntgenbilder für Ihre Zahnarztpraxis zu Hause. Den Ablauf der Implantation lesen Sie auf der Seite Zahnimplantate.