Nasennebenhöhlen und Implantate: Sind Sinuslift und Implantat bei Sinusitis möglich?

Kurz gesagt

Eine Nasennebenhöhlenentzündung ist meist kein dauerhaftes Hindernis für Sinuslift und Implantat, muss aber vorher abgeklärt und behandelt werden. Bei akuter Sinusitis wird der Eingriff in der Regel verschoben; bei wiederkehrender Sinusitis, Polypen oder behinderter Belüftung der Kieferhöhle wird vorab eine HNO-Untersuchung empfohlen. Ist die Kieferhöhle gesund, lässt sich der Sinuslift bei den meisten planen.

Medizinisch geprüft von: Dt. Muhammed Raşid KızılarslanoğluAktualisiert:

Ist ein Sinuslift bei einer Nasennebenhöhlenentzündung möglich?

Bei einer bestehenden Entzündung wird der Sinuslift in der Regel verschoben, bis die Kieferhöhle abgeheilt ist; danach ist er bei den meisten Patientinnen und Patienten möglich. Der Sinuslift hebt die Schleimhaut am Boden der Kieferhöhle an und bringt darunter Knochenersatzmaterial ein. Eine gesunde Kieferhöhle ist deshalb Voraussetzung für den Erfolg. Was ein Sinuslift ist und wie er abläuft, erklärt der Ratgeber Sinuslift vor Zahnimplantaten; hier geht es um die Nebenhöhlen.

Die Konsenserklärung von Testori und Kollegen (2012), erarbeitet von Zahnmedizin, HNO und Mikrobiologie, stuft einen entzündlich-infektiösen Prozess in der Kieferhöhle als Gegenanzeige ein, die vor dem Sinuslift behandelt werden muss. Sie empfiehlt, Patientinnen und Patienten mit gesunder Kieferhöhle auszuwählen und fachübergreifend zu arbeiten. Ist unter der Kieferhöhle genug Knochen vorhanden, wird die Schleimhaut nicht berührt und die Frage stellt sich nicht.

Was ist eine Nasennebenhöhlenentzündung, und wann gilt sie als chronisch?

Laut dem Gesundheitsportal gesund.bund.de des Bundesministeriums für Gesundheit folgt eine akute Nasennebenhöhlenentzündung meist auf eine Erkältung, wird in der Regel durch Viren ausgelöst und heilt meist innerhalb von ein bis zwei Wochen ab. Typisch sind verstopfte Nase, vermindertes Riechen und Druckschmerz im Gesicht, der sich beim Vorbeugen verstärkt. Halten die Beschwerden länger als drei Monate an, sprechen Fachleute von einer chronischen Entzündung; Risikofaktoren sind unter anderem allergischer Schnupfen, Asthma, eine verkrümmte Nasenscheidewand und Rauchen.

Für die Implantatplanung ist ein Punkt besonders wichtig: Das österreichische Gesundheitsportal gesundheit.gv.at weist darauf hin, dass eine Kieferhöhlenentzündung auch von einem erkrankten Zahn ausgehen kann. Entzündete obere Backenzähne werden deshalb in der Planung mit berücksichtigt.

Wie wird die Kieferhöhle vor dem Sinuslift beurteilt?

Die Kieferhöhle wird mit Anamnese, klinischer Untersuchung und DVT (digitale Volumentomographie) beurteilt, bei Bedarf ergänzt um eine HNO-Untersuchung. Testori und Kollegen empfehlen eine sorgfältige Anamnese und eine dreidimensionale Aufnahme vor dem Eingriff, um die Anatomie der Kieferhöhle und bestehende Erkrankungen zu erkennen. Pignataro und Kollegen (2008) geben an, dass ein klassisches Röntgenbild Erkrankungen der Kieferhöhlenschleimhaut nur zu 73 Prozent zuverlässig zeigt und dass auch der Abflussbereich der Kieferhöhle (ostiomeataler Komplex) dargestellt werden sollte.

Bereiten Sie für die Untersuchung folgende Angaben vor:

  • Wie oft Sie im letzten Jahr eine Nasennebenhöhlenentzündung hatten und wann zuletzt
  • Ob Ihre Nase dauerhaft verstopft ist, einseitig läuft oder Sie schlechter riechen
  • Frühere Nasen- oder Nebenhöhlenoperationen
  • Nasensprays und andere Medikamente
  • Rauchen

Patientinnen und Patienten aus Deutschland bringen am besten Befunde ihrer HNO-Praxis und vorhandene Aufnahmen mit; welche Unterlagen sinnvoll sind, steht im Ratgeber Unterlagen für die Zahnbehandlung in der Türkei. Was das DVT zeigt, erklärt der Ratgeber DVT vor Implantaten.

Was bedeutet eine verdickte Schleimhaut im DVT?

Eine Schleimhautverdickung ist ein häufiger Befund und allein kein Hindernis, muss aber eingeordnet werden. In der Literaturübersicht von Costa und Kollegen (2018) lag der Anteil verdickter Schleimhäute in elf Studien mit 1.792 Patientinnen und Patienten vor einem Sinuslift zwischen 25,5 und 93,1 Prozent, im Mittel bei rund 55 Prozent.

Derselben Übersicht zufolge gibt es keinen Konsens, ab welcher Dicke von einer Erkrankung gesprochen wird, und die meisten Studien verglichen die Bilder nicht mit den Beschwerden. Die Autorinnen und Autoren empfehlen eine klinische Abklärung mit Nasenendoskopie, wenn zur Verdickung ein verlegter Abfluss der Kieferhöhle kommt. Pignataro und Kollegen halten fest, dass eine leichte Schleimhautentzündung allein keine absolute Gegenanzeige ist. Kleine Zysten oder Knochensepten in der Kieferhöhle werden bei der Planung berücksichtigt. Versuchen Sie nicht, einen Befund selbst zu deuten; seine Bedeutung ergibt sich zusammen mit Ihren Beschwerden.

Wann ist eine HNO-Untersuchung nötig?

Eine HNO-Untersuchung wird empfohlen, wenn Anamnese oder DVT auf eine gestörte Belüftung oder einen gestörten Abfluss der Kieferhöhle hindeuten. Pignataro und Kollegen schlagen dafür eine Untersuchung mit Nasenendoskopie vor und teilen die Befunde in zwei Gruppen:

Behandelbar vor dem Sinuslift Mögliches dauerhaftes Hindernis
Akute virale oder bakterielle Sinusitis Dauerhafte Schleimhautschäden nach Operation oder Bestrahlung
Wiederkehrende oder chronische Sinusitis durch anatomische Abflussstörung Chronische Sinusitis bei angeborenen Störungen der Schleimhautreinigung
Nasenpolypen Polypen zusammen mit Asthma und Aspirin-Unverträglichkeit
Begrenzte anatomische Hindernisse wie eine Septumdeviation Immunstörungen und granulomatöse Erkrankungen
Entfernbare gutartige Zysten Tumoren der Kieferhöhle
Verbindung zwischen Mund und Kieferhöhle (muss zuerst verschlossen werden)

Behandelbare Befunde werden laut den Autoren zuerst medikamentös oder meist endoskopisch operativ versorgt, der Sinuslift folgt danach; die medikamentöse Therapie sollte die HNO-Ärztin oder der HNO-Arzt festlegen. Für Patientinnen und Patienten aus Deutschland ist es sinnvoll, diese Abklärung vor der Reise zu Hause zu erledigen, damit der Aufenthalt nicht verschoben werden muss. Bleibt ein dauerhaftes Hindernis, beschreibt der Ratgeber Implantate ohne Sinuslift die Alternativen.

Warum wird bei akuter Sinusitis verschoben?

Bei akuter Sinusitis ist die Schleimhaut entzündet und geschwollen; der Eingriff wird verschoben, bis die Beschwerden vollständig abgeklungen sind. Laut Pignataro und Kollegen erhöhen Erkrankungen von Nase und Nebenhöhlen und eine gestörte Belüftung das Risiko von Komplikationen nach dem Eingriff, vor allem einer Sinusitis; auch Testori und Kollegen empfehlen deshalb, Entzündungen vorher zu behandeln.

Der britische NHS beschreibt, dass eine Sinusitis meist nach Erkältung oder Grippe auftritt und oft innerhalb von vier Wochen von selbst abklingt; bei Beschwerden über drei Monate, häufigen Rückfällen oder einseitigen Symptomen kann eine Überweisung zur HNO erfolgen. Wenn Sie kurz vor Ihrer Reise Schmerzen in Wange oder Stirn, verstopfte Nase, gelbgrünen Ausfluss oder Fieber bemerken, informieren Sie uns bitte vor der Abreise per WhatsApp. Ob der Eingriff stattfinden kann, wird dann nach der Untersuchung entschieden.

Wie häufig ist eine Sinusitis nach dem Sinuslift?

Nach einem Sinuslift tritt eine Sinusitis je nach Quelle bei etwa 2 bis 13 Prozent auf. In der systematischen Übersicht von Asmael und Kollegen (2018) lag die Rate in acht Studien zwischen 2,12 und 12,7 Prozent, im Mittel bei 5,4 Prozent. Testori und Kollegen geben für Infektionen nach dem Eingriff 2 bis 5,6 Prozent an, ohne zwischen Sinusitis und Infektion des Materials zu unterscheiden.

Laut Asmael ist das Risiko bei Personen mit früherer Nebenhöhlenerkrankung höher; in den ausgewerteten Studien spielten auch Rauchen und die Größe des angehobenen Bereichs eine Rolle, während die Bedeutung eines Schleimhautrisses unterschiedlich beurteilt wurde. Zum Einfluss des Rauchens lesen Sie den Ratgeber Rauchen und Zahnimplantate.

Welche Beschwerden nach dem Eingriff deuten auf eine Sinusitis hin?

Ein Druckgefühl in der Kieferhöhle in den ersten Wochen ist erwartbar; Beschwerden, die länger als drei Wochen dauern oder zunehmen, müssen abgeklärt werden. Cambridge University Hospitals beschreiben, dass sich die Nebenhöhlen einige Wochen „voll“ oder „verstopft“ anfühlen können. Laut Testori klingen Schwellung, Bluterguss und leichte bis mäßige Beschwerden meist innerhalb von drei Wochen ab; leichtes Nasenbluten ist möglich.

Dieselbe Konsenserklärung unterscheidet frühe Komplikationen in den ersten 21 Tagen von späten und nennt als Warnzeichen plötzlich einsetzende starke Schmerzen sowie folgende Beschwerden, die länger als drei Wochen anhalten:

  • Druckschmerz und Schmerzen im Bereich
  • Verstopfte Nase
  • Eitriger Ausfluss aus der Nase oder in den Rachen
  • Aufgehen der Naht, Eiter oder eine absondernde Öffnung im Mund

In den von Asmael ausgewerteten Studien wurden auch Kopfschmerzen, Fieber und übler Geruch berichtet. Die allgemeinen Warnzeichen nach einem Sinuslift stehen im Ratgeber Sinuslift. Sind Sie bereits in Deutschland, ist bei solchen Beschwerden eine Zahnarzt- oder HNO-Praxis in Ihrer Nähe die erste Anlaufstelle; schicken Sie uns zusätzlich eine Nachricht mit Fotos (siehe Nachsorge). Vor dem Rückflug sollten laut einem Artikel im British Dental Journal (2023) keine Nebenhöhlenbeschwerden bestehen, weil Druckänderungen im Flugzeug einen Sinuslift gefährden können.

Wie beurteilen wir die Kieferhöhle vor einem Sinuslift bei Rönesans?

Bei Patientinnen und Patienten, für die ein Sinuslift infrage kommt, beurteilen wir in unserer Praxis in Serdivan neben der Knochenhöhe auch die Kieferhöhle im DVT. Schildern Sie bei der Untersuchung Ihre Sinusitis-Vorgeschichte, Nasenbeschwerden und Medikamente; das hilft, die Aufnahme richtig einzuordnen. Fällt im DVT ein Befund auf, besprechen unsere Zahnärztinnen und Zahnärzte den Fall gemeinsam und klären mit Ihnen, ob vor dem Eingriff eine HNO-Abklärung sinnvoll ist und wann der Sinuslift stattfinden kann.

Sinuslift und Knochenaufbau führen wir in der Praxis durch, bei Bedarf unter Vollnarkose, nach einem schriftlichen Sterilisations- und Hygieneprotokoll. Vor Behandlungsbeginn erhalten Sie einen schriftlichen Behandlungs- und Kostenplan; bei der Abreise bekommen Sie Kopien Ihrer Behandlungszusammenfassung und Röntgenbilder für Ihre Praxen zu Hause. Bemerken Sie kurz vor dem Eingriff Zeichen einer Nasennebenhöhlenentzündung, schreiben Sie uns per WhatsApp an +90 532 363 49 54.

Quellen
  1. Testori T, Drago L, Wallace SS et al. Prevention and treatment of postoperative infections after sinus elevation surgery: clinical consensus and recommendations. International Journal of Dentistry, 2012 (Repositorium der Universität Mailand)
  2. Pignataro L, Mantovani M, Torretta S, Felisati G, Sambataro G. ENT assessment in the integrated management of candidate for (maxillary) sinus lift. Acta Otorhinolaryngologica Italica, 2008;28:110–119
  3. Costa F, Emanuelli E, Robiony M. Incidence of Maxillary Sinus Disease Before Sinus Floor Elevation Surgery as Identified by Cone-Beam Computed Tomography: A Literature Review. Journal of Oral Implantology, 2018;44(2):161–166 (Repositorium der Universität Udine)
  4. Asmael HM, Raouf AR, Saaed AK. Development of Sinusitis After Sinus Floor Elevation Surgery: A Systematic Review. Journal of Baghdad College of Dentistry, 2018;30(4)
  5. Nasennebenhöhlenentzündung – gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheit (erstellt mit dem IQWiG)
  6. Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) – Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs (gesundheit.gv.at)
  7. Sinusitis (sinus infection) – NHS
  8. Sinus lift procedures – Cambridge University Hospitals NHS Foundation Trust
  9. Felkai PP, Nakdimon I, Felkai T, Levin L, Zadik Y. Dental tourism and the risk of barotrauma and barodontalgia. British Dental Journal, 2023;234(2):115–117.

Häufige Fragen

Ich habe Heuschnupfen. Ist ein Sinuslift trotzdem möglich?

Eine allergische Rhinitis gilt in der Regel nicht als dauerhaftes Hindernis. Pignataro und Kollegen (2008) zählen die allergische Rhinosinusitis zu den Zuständen, die sich vor dem Eingriff behandeln lassen. Sagen Sie bei der Untersuchung, wie häufig Ihre Beschwerden sind und welche Medikamente oder Nasensprays Sie nutzen; das fließt in die Planung ein.

Muss ich mein Nasenspray oder Sinusitis-Medikament vor der Reise absetzen?

Setzen Sie nichts eigenmächtig ab. Nennen Sie uns alle Medikamente und Nasensprays bei der Untersuchung; ob sie vor und nach dem Eingriff weitergenommen werden, entscheidet Ihre Zahnärztin oder Ihr Zahnarzt gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt, die oder der sie verordnet hat.

Verhindert eine Nasenscheidewandverkrümmung den Sinuslift?

Nicht zwangsläufig. Pignataro und Kollegen zählen begrenzte anatomische Hindernisse wie eine Septumdeviation, die den Abfluss der Kieferhöhle stören, zu den behandelbaren Zuständen. Wird sie vorher endoskopisch operiert, empfehlen sie, den Sinuslift frühestens 3 bis 4 Wochen danach durchzuführen; den Zeitpunkt legen HNO und Zahnmedizin gemeinsam fest.

Gehen Aufbau und Implantat verloren, wenn nach dem Sinuslift eine Sinusitis auftritt?

Nicht immer. Nach der Konsenserklärung von Testori und Kollegen (2012) wird eine auf den Raum unter der Schleimhaut begrenzte Infektion meist mit Medikamenten und engmaschiger Kontrolle behandelt. Halten die Beschwerden länger als drei Wochen an, kann die teilweise oder vollständige Entfernung des Materials nötig werden; eine Wiederholung wird nach Abheilung im Mittel nach 6 bis 9 Monaten mit DVT und möglichst HNO-Kontrolle geprüft.

Was, wenn wegen der Nebenhöhlen kein Sinuslift möglich ist?

Dann kommen je nach Restknochen Lösungen infrage, die die Kieferhöhle nicht berühren, etwa kurze oder schräg gesetzte Implantate, oder Zahnersatz ohne Implantat. Diese Möglichkeiten beschreibt der Ratgeber Implantate ohne Sinuslift; welche zu Ihnen passt, zeigt die Untersuchung mit DVT.

Ob die Behandlung für Sie geeignet ist, klärt die Untersuchung

Senden Sie uns Fotos oder Röntgenbilder per WhatsApp für eine Voreinschätzung. Der endgültige Plan entsteht erst nach der Untersuchung vor Ort.

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