Sind Implantate ohne Sinuslift im hinteren Oberkiefer möglich?
Ja, bei vielen Patientinnen und Patienten sind Implantate ohne Sinuslift möglich; es hängt davon ab, wie viel Knochen unter der Kieferhöhle übrig ist, wie viele Zähne fehlen und ob der Oberkiefer ganz zahnlos ist. Nach dem Verlust der oberen Backenzähne wird der Knochen dünner, und die Kieferhöhle kann sich nach unten ausdehnen, sodass für ein Implantat in Standardlänge oft die Höhe fehlt. Die DGI-Patientenbroschüre nennt als Richtwert, dass ein Aufbau nötig wird, wenn der Kieferkamm weniger als acht Millimeter hoch und fünf Millimeter breit ist. Warum das so ist und wie ein Sinuslift abläuft, erklärt der Ratgeber Sinuslift vor Zahnimplantaten.
Als Alternativen zum Sinuslift beschreiben die Quellen vor allem drei Implantatlösungen:
- Kurze Implantate: Ein Implantat, das in den vorhandenen Restknochen passt.
- Schräg gesetzte (angulierte) Implantate: Das Implantat wird vor der Kieferhöhle schräg in den Knochen gesetzt, vor allem bei festen Zähnen für den ganzen Kiefer.
- Zygoma-Implantate: Lange Implantate, die im Jochbein verankert werden, bei stark zurückgebildetem zahnlosem Oberkiefer.
Daneben gibt es Zahnersatz ohne Implantat, also Brücke oder herausnehmbare Prothese.
Was sind kurze Implantate, und für wen kommen sie infrage?
Kurze Implantate sind so kurz, dass sie in den Knochen unter dem Kieferhöhlenboden passen; sie kommen infrage, wenn nur wenige Millimeter fehlen. Die Definition unterscheidet sich je nach Quelle:
- Die DGI nennt für die üblichen Implantatkörper sieben bis 13 Millimeter Länge und beschreibt Implantate von vier bis sechs Millimetern, die in bestimmten Kieferabschnitten eingesetzt werden.
- Toledano und Kollegen (2022) zählen Implantate von 6 Millimetern und weniger als kurz, ab 8 Millimetern als Standard.
- Mester und Kollegen (2023) definieren Implantate unter 8 Millimetern als kurz.
- In den Studien der Cochrane-Übersicht (2014) wurden Implantate von 5 bis 8,5 Millimetern bei Patientinnen und Patienten mit 4 bis 9 Millimetern Restknochen eingesetzt.
Kurze Implantate passen nicht immer. Liegt der Restknochen unter diesen Werten oder ist der Kiefer zu schmal, ist ein anderer Weg nötig. Höhe und Breite werden im DVT (digitale Volumentomographie) millimetergenau gemessen.
Wie schneiden kurze Implantate im Vergleich zum Sinuslift ab?
Systematische Übersichten zeigen für kurze Implantate ähnliche Überlebensraten wie für Standardimplantate mit Sinuslift, die Langzeitevidenz ist jedoch begrenzt.
| Übersicht | Umfang | Hauptergebnis |
|---|---|---|
| Cochrane, Esposito et al. (2014) | 4 randomisierte Studien, 102 Teilnehmende, 4 bis 9 mm Restknochen | Ein Jahr nach Belastung kein klarer Unterschied bei Implantat- und Prothesenverlusten; Komplikationen häufiger nach Sinuslift |
| Toledano et al. (2022) | 14 randomisierte Studien, 901 Implantate | Ähnliche Überlebensraten; Knochenabbau am Implantat nach Sinuslift mit Standardimplantat größer |
| Mester et al. (2023) | 5 randomisierte Studien mit mindestens fünf Jahren Nachbeobachtung | Fünfjahresüberleben 95,78 Prozent (kurz) gegenüber 99,5 Prozent (Standard), nicht signifikant; weniger biologische Komplikationen bei kurzen Implantaten |
| Alemán et al. (2025) | 7 randomisierte Studien mit mindestens fünf Jahren | Kein signifikanter Unterschied; hohes Verzerrungsrisiko in den meisten Studien, daher kein sicheres Urteil |
Laut Cochrane gehörten zu den Komplikationen nach Sinuslift Kieferhöhlenentzündung, Infektion und Blutung. Toledano und Kollegen berichten mit kurzen Implantaten weniger Beschwerden nach dem Eingriff und einen weniger invasiven Eingriff. Mester und Kollegen weisen darauf hin, dass Standardimplantate nach fünf Jahren zahlenmäßig etwas besser abschnitten, und fordern längere Studien. Die DGI ordnet kurze Implantate als Forschungsthema ein, dessen bisherige Beobachtungen keinen Unterschied in den Ergebnissen zeigen; das Universitätsklinikum Dresden setzt kurze und ultrakurze Implantate als Alternative zum Knochenaufbau ein.
Wie helfen schräg gesetzte Implantate?
Schräg gesetzte Implantate werden in einem Winkel in den Knochen vor der Kieferhöhle eingebracht; so lässt sich ein längeres Implantat nutzen, ohne die Kieferhöhle zu berühren. Dieses Vorgehen wird vor allem bei festen Zähnen auf vier oder sechs Implantaten eingesetzt. Laut der systematischen Übersicht von Menini und Kollegen (2012) verhindert die Kieferhöhle im zurückgebildeten hinteren Oberkiefer häufig lange Implantate; schräg gesetzte lange Implantate im vorhandenen Knochen wurden vorgeschlagen, um gute Primärstabilität zu erreichen und Knochenaufbau zu vermeiden.
Die Übersicht wertete 1.623 Implantate bei 324 Patientinnen und Patienten mit sofort belasteten Vollkieferversorgungen im Oberkiefer aus. Im ersten Jahr gingen 2,19 Prozent der schrägen und 1,89 Prozent der geraden Implantate verloren, ohne signifikanten Unterschied; auch beim Knochenabbau am Implantat zeigte sich kein signifikanter Unterschied. Die Autorinnen und Autoren betonen, dass randomisierte Studien fehlten und die Daten nur ein Jahr umfassten. Warum die hinteren Implantate bei vier Implantaten schräg gesetzt werden, erklärt der Ratgeber Vier oder sechs Implantate; die Behandlung selbst stellt die Seite Feste Zähne auf Implantaten vor.
Was sind Zygoma-Implantate?
Zygoma-Implantate sind lange Implantate, die bei sehr wenig Knochen im Oberkiefer nicht im Kiefer, sondern im Jochbein (Zygoma) verankert werden; sie gelten als Alternative zu großen Knochenaufbauten bei zahnlosem, stark zurückgebildetem Oberkiefer. Laut der systematischen Übersicht für den ITI-Konsensusworkshop 2023 (Kämmerer und Kollegen) wurden sie ursprünglich für Patientinnen und Patienten nach Tumoroperationen entwickelt und später auch zur Vermeidung großer Knochentransplantate eingesetzt.
Die ITI-Konsenserklärung fasst zusammen:
- In 24 Studien mit 918 Patientinnen und Patienten lag die Überlebensrate bei mindestens 90,3 Prozent; Verluste traten meist in den ersten sechs Monaten auf.
- Häufigste Komplikation ist die Kieferhöhlenentzündung: 9,5 Prozent bei der ursprünglichen Technik, 4,4 Prozent bei anatomisch geführten Techniken.
- Berichtet wurden außerdem vorübergehende Gefühlsstörungen der Wange, Verbindungen zwischen Mund und Kieferhöhle sowie Zahnfleischrückgang oder -wucherung am Implantat.
Die Übersicht rät bei starkem Rauchen und unbehandelter Kieferhöhlenentzündung von Zygoma-Implantaten ab und empfiehlt, die Kieferhöhle vorab zu untersuchen. Ob Zygoma-Implantate für Sie infrage kommen, wird bei der Untersuchung beurteilt.
Welche Möglichkeiten gibt es ohne Implantat?
Fehlende Zähne lassen sich auch ohne Implantat ersetzen, mit einer festsitzenden Brücke oder einer herausnehmbaren Prothese. Beide brauchen keinen Sinuslift, haben aber eigene Voraussetzungen:
- Brücke: Vor und hinter der Lücke müssen gesunde Zähne stehen, die die Brücke tragen; sie werden dafür in der Regel beschliffen. Den Vergleich finden Sie im Ratgeber Implantat oder Brücke.
- Herausnehmbare Prothese: Bei mehreren oder allen fehlenden Zähnen kann eine herausnehmbare Prothese angefertigt werden. Die Unterschiede zu Implantaten erklärt der Ratgeber Prothese oder Implantate.
Wie wird entschieden, welche Lösung passt?
Die Wahl zwischen Sinuslift, kurzem Implantat, schrägem Implantat oder Zahnersatz ohne Implantat fällt nach Untersuchung und DVT, anhand von Knochenmaßen, Zahl der fehlenden Zähne und Gesundheitszustand. Üblicherweise werden besprochen:
- Höhe und Breite des Restknochens unter der Kieferhöhle
- ob ein Zahn, mehrere Zähne oder der ganze Kiefer fehlen
- Zustand der Kieferhöhle und frühere Nebenhöhlenbeschwerden
- Rauchen und allgemeine Gesundheit
- Ihre Erwartungen an Zahl der Eingriffe und Behandlungsdauer
Durchschnittswerte aus Studien ersetzen keine individuelle Entscheidung. Die Cochrane-Vergleiche umfassen zum Beispiel nur Patientinnen und Patienten mit 4 bis 9 Millimetern Knochen; bei weniger Knochen können die Ergebnisse anders ausfallen.
Was bedeutet das für eine Behandlung in der Türkei?
Für Patientinnen und Patienten aus Deutschland wirkt sich die Entscheidung vor allem auf die Zahl der Aufenthalte aus. Ein Sinuslift mit späterer Implantation kann einen zusätzlichen Aufenthalt bedeuten; kurze oder schräg gesetzte Implantate werden in derselben Sitzung wie andere Implantate gesetzt, sodass es in der Regel bei zwei Aufenthalten bleibt. Alle Fälle brauchen die Einheilzeit des Implantats, bevor beim zweiten Aufenthalt der endgültige Zahnersatz eingesetzt wird.
Für eine Voreinschätzung können Sie uns per WhatsApp Fotos und vorhandene Röntgenbilder, etwa eine Panoramaaufnahme oder ein DVT aus Deutschland, schicken. Ob ein Sinuslift vermieden werden kann, lässt sich daraus oft schon einschätzen, verbindlich aber erst nach Untersuchung und DVT vor Ort. Wie Aufenthalte bei uns organisiert sind, lesen Sie auf der Seite Zahnbehandlung in der Türkei.
Wie beurteilen wir Alternativen zum Sinuslift bei Rönesans?
Ob im hinteren Oberkiefer ein Sinuslift nötig ist, wird in unserer Praxis in Serdivan anhand von Höhe und Breite des Knochens im DVT beurteilt. Die Optionen vergleichen unsere Zahnärztinnen und Zahnärzte gemeinsam; wird ein Sinuslift gebraucht, führen wir ihn in der Praxis durch, bei Bedarf unter Vollnarkose. Ob Zygoma-Implantate infrage kommen, wird bei der Untersuchung geklärt.
Bei zahnlosem Kiefer versorgen wir feste Zähne auf vier oder sechs Implantaten. Ob die Implantatpositionen mit einer Bohrschablone übertragen werden, entscheidet Ihre Zahnärztin oder Ihr Zahnarzt nach Untersuchung und DVT. Kronen und Prothesen werden im Partnerlabor mit CAD/CAM gefertigt; für die Abformung steht ein Intraoralscanner bereit. Vor Behandlungsbeginn erhalten Sie einen schriftlichen Behandlungs- und Kostenplan mit den Eingriffen je Zahn, und Sie erreichen uns auf Deutsch per WhatsApp unter +90 532 363 49 54.