Was ist eine DVT, und worin unterscheidet sie sich von der Panoramaaufnahme?
Die digitale Volumentomographie (DVT; englisch cone beam CT, CBCT) ist eine Röntgenaufnahme, die Zähne und Kieferknochen dreidimensional in Schichten zeigt. Laut dem Guy’s and St Thomas’ NHS Foundation Trust liefert sie Informationen, die gewöhnliche Zahnröntgenbilder nicht geben, etwa die genaue Form und Struktur des Kieferknochens, und hilft bei der Entscheidung, ob Implantate möglich sind.
Die Panoramaaufnahme (OPG), die viele Patientinnen und Patienten aus Deutschland kennen, zeigt den ganzen Kiefer in einem zweidimensionalen Bild. Jacobs und Kollegen betonen in BMC Oral Health (2018), dass zweidimensionale Bilder komplexe dreidimensionale Strukturen nicht abbilden können.
| Merkmal | Panoramaaufnahme (OPG) | DVT | Medizinische CT |
|---|---|---|---|
| Bild | zweidimensional, eine Übersicht | dreidimensional, Schichten | dreidimensional, Schichten |
| Knochenbreite von Wange zu Zunge | nicht sichtbar | sichtbar | sichtbar |
| Aufnahmefeld | ganzer Kiefer | von einer kleinen Region bis zum ganzen Gesicht wählbar | große Region |
| Strahlendosis | niedrig | höher als OPG, niedriger als CT | am höchsten |
Was wird in der DVT vor Implantaten beurteilt?
Laut Jacobs und Kollegen werden mit der DVT Knochenvolumen und -form, anatomische Grenzen und die Nähe wichtiger Strukturen beurteilt. Die deutsche S2k-Leitlinie Dentale digitale Volumentomographie (AWMF 083-005, 2022) hält fest, dass vor jeder Implantatinsertion eine klinische und röntgenologische Diagnostik des Implantatbetts erforderlich ist, dass dreidimensionale Verfahren bei komplexen Eingriffen den zweidimensionalen überlegen sind und dass sie helfen, Strukturen wie den Nervus alveolaris inferior oder den Canalis incisivus nicht zu verletzen. In der Planung geht es in der Regel um:
- Knochenhöhe: Sie bestimmt die Implantatlänge. Reicht sie im seitlichen Oberkiefer nicht, kann ein Sinuslift nötig werden.
- Knochenbreite: Die Dicke von Wange zu Zunge ist auf der Panoramaaufnahme nicht zu sehen. Fehlt rund um das Implantat Knochen, kommt ein Knochenaufbau infrage.
- Nervkanal im Unterkiefer: Die Lage des Kanals, in dem der Nerv zur Unterlippe und zum Kinn verläuft, wird vermessen.
- Kieferhöhle: Im seitlichen Oberkiefer werden Lage des Kieferhöhlenbodens und Zustand der Kieferhöhle beurteilt.
Eine schablonengeführte Implantation baut ebenfalls auf der dreidimensionalen Aufnahme auf.
Ist vor jedem Implantat eine DVT nötig?
Nein, aber oft sinnvoll. Die S2k-Leitlinie sieht die DVT ausdrücklich nicht als Routinediagnostik: Sie soll eingesetzt werden, wenn klinische Untersuchung und zweidimensionale Aufnahmen eine behandlungsrelevante Frage nicht beantworten können, und jede Aufnahme braucht eine rechtfertigende Indikation, bei der der Nutzen das Strahlenrisiko überwiegt. Zur Implantatplanung soll die DVT der medizinischen CT wegen der im Durchschnitt geringeren Dosis vorgezogen werden; für eine prothetisch orientierte Implantatplanung kann eine DVT indiziert sein. Die Leitlinie merkt zugleich an, dass ein Nutzen der dreidimensionalen Bildgebung für das Implantatergebnis bisher nicht belegt ist.
Jacobs und Kollegen nennen als Situationen, in denen die DVT besonders hilfreich ist: besondere anatomische Verhältnisse, ästhetische Herausforderungen im Oberkiefer-Frontbereich, unzureichendes Knochenvolumen und aufwendige Verfahren wie Knochenaufbau. Die Leitlinie der Europäischen Kommission (Radiation Protection 172) verlangt, dass vor jeder DVT Anamnese und Untersuchung stehen und die Aufnahme nicht standardmäßig bei allen durchgeführt wird.
Wie hoch ist die Strahlendosis einer DVT?
Die Dosis schwankt je nach Gerät und Größe des Aufnahmefelds stark. Die Europäische Kommission hat in Radiation Protection 172 effektive Dosen für Erwachsene zusammengetragen (in Mikrosievert, µSv):
| Untersuchung | Effektive Dosis |
|---|---|
| Zahnfilm (kleine intraorale Aufnahme) | unter 1,5 µSv |
| Panoramaaufnahme | 2,7–24,3 µSv |
| DVT, kleines und mittleres Feld | 11–674 µSv (Median 61 µSv) |
| DVT, Gesicht und Kiefer vollständig | 30–1.073 µSv (Median 87 µSv) |
| Medizinische CT der Kiefer | 280–1.410 µSv |
Die S2k-Leitlinie nennt für Erwachsene eine ähnliche Spanne von etwa 5 bis 1.073 µSv und schätzt, dass eine DVT grob das Zehnfache einer Zahnfilm- oder Bissflügelaufnahme beträgt. Zum Vergleich: Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) gibt für eine Zahnaufnahme etwa 0,01 Millisievert (10 µSv) und für eine CT des Kopfes etwa 2 Millisievert an. Guy’s and St Thomas’ übersetzt die DVT des Kiefers in etwa 6 bis 30 Tage natürlicher Hintergrundstrahlung, eine medizinische CT derselben Region in 63 bis 154 Tage. Jacobs und Kollegen empfehlen für die Implantatplanung eine Dosis, die vorzugsweise 2 bis höchstens 10 Panoramaaufnahmen entspricht (20–100 µSv).
Wie wird die Dosis so niedrig wie möglich gehalten?
Die American Dental Association (ADA) beschreibt das ALARA-Prinzip: Jede Aufnahme muss durch ihren Nutzen gerechtfertigt sein, und die Dosis wird so niedrig gehalten, wie es vernünftigerweise erreichbar ist. Laut ADA ist die DVT der größte einzelne Beitrag zur diagnostischen Strahlung in der Zahnmedizin und sollte nur eingesetzt werden, wenn Verfahren mit geringerer Dosis die nötige Information nicht liefern. In der Praxis heißt das:
- Aufnahmefeld begrenzen: Die S2k-Leitlinie und Jacobs und Kollegen empfehlen, das Aufnahmefeld auf die fragliche Region zu beschränken; für ein einzelnes Implantat ist selten der ganze Gesichtsschädel nötig. Mehrere kleine Aufnahmen zu einem großen Bild zusammenzusetzen, ist laut Leitlinie nicht indiziert, weil es die Dosis erhöht.
- Auflösung an die Frage anpassen: Laut Jacobs und Kollegen sollte die Auflösung je nach Alter, Anatomie und Fragestellung gewählt werden.
- Wiederholungen vermeiden: Die Europäische Kommission rät, eine DVT nicht ohne neue Nutzen-Risiko-Abwägung zu wiederholen; die ADA empfiehlt, sich ernsthaft um Aufnahmen aus früheren Untersuchungen zu bemühen.
- Keine Aufnahme nur für Übersichtsbilder: Eine DVT nur anzufertigen, um daraus Panoramabilder zu berechnen, ist laut S2k-Leitlinie aus Strahlenschutzgründen nicht gerechtfertigt.
Zur Bleischürze: Die ADA empfiehlt seit 2024 keine Schilddrüsenschilde mehr für zahnärztliche Aufnahmen, weil rechteckige Einblendung und richtige Positionierung wirksamer seien. Fragen Sie im Zweifel, wie es die Praxis handhabt.
Können Röntgenbilder aus Deutschland verwendet werden?
Vorhandene Aufnahmen sind wertvoll. Die ADA empfiehlt, Aufnahmen früherer Untersuchungen zu nutzen; das BfS sieht im Röntgenpass, den es seit 2018 zwar nicht mehr verpflichtend gibt, weiterhin ein wichtiges Instrument, um unnötige Wiederholungsuntersuchungen zu vermeiden, und bietet dafür auch eine App an. Jede Eintragung sollte Einrichtung, Körperregion, Art der Aufnahme und Datum enthalten.
Bitten Sie Ihre Zahnarztpraxis in Deutschland um die Bilddaten selbst, bei einer DVT im DICOM-Format auf CD, USB-Stick oder als Download, nicht nur um den schriftlichen Befund oder einen Ausdruck. Wurden seit der Aufnahme Zähne entfernt oder Knochen aufgebaut, zeigt sie nicht mehr den heutigen Zustand; ob eine neue Aufnahme nötig ist, entscheidet die Zahnärztin oder der Zahnarzt nach der Untersuchung. Welche Unterlagen Sie sonst mitbringen sollten, steht im Ratgeber Unterlagen für die Zahnbehandlung in der Türkei.
Was gilt in der Schwangerschaft?
Sagen Sie vor jeder Aufnahme, wenn Sie schwanger sind oder sein könnten. Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) empfiehlt, bei Frauen im gebärfähigen Alter zunächst eine Möglichkeit ohne Röntgen zu prüfen; ist die Aufnahme nötig, wird sie mit möglichst niedriger Dosis angefertigt. Laut IAEA liegt die Dosis für das ungeborene Kind bei zahnärztlichen Aufnahmen einschließlich DVT zwischen 0,009 und 7,97 µSv, in der Regel weniger, als es an einem Tag aus natürlichen Quellen erhält. Da Implantate meist planbar sind, werden DVT und Eingriff in der Schwangerschaft oft verschoben; mehr dazu im Ratgeber Zahnbehandlung in der Schwangerschaft.
Wie läuft die DVT vor Implantaten bei Rönesans ab?
In unserer Praxis steht ein DVT-Gerät; Knochenhöhe, Knochenbreite und die Abstände zum Nervkanal und zur Kieferhöhle werden damit dreidimensional beurteilt, Sie müssen für die Aufnahme also keine andere Einrichtung aufsuchen. Vorhandene Aufnahmen aus Deutschland, etwa eine Panoramaaufnahme oder eine DVT, können Sie uns vorab per WhatsApp an +90 532 363 49 54 für eine Voreinschätzung senden; ob vor Ort eine neue Aufnahme nötig ist, entscheidet sich nach der Untersuchung.
Ihren Fall besprechen unsere Zahnärztinnen und Zahnärzte gemeinsam anhand von Untersuchung und DVT; behandelt werden Sie von einer Person, die Sie von Anfang an kennen. Vor Behandlungsbeginn erhalten Sie einen schriftlichen Behandlungs- und Kostenplan, bei der Abreise Kopien Ihrer Röntgenbilder für Ihre Zahnarztpraxis zu Hause. Für die Aufnahme legen Sie Schmuck an Kopf und Hals, Brille und herausnehmbaren Zahnersatz ab, wie es auch Guy’s and St Thomas’ empfiehlt. Den Ablauf der Behandlung finden Sie auf der Seite Zahnimplantate, die Planung der Aufenthalte im Ratgeber Zahnimplantate in der Türkei: Wie lange sollten Sie bleiben?.