Was passiert in den ersten Stunden nach der Zahnentfernung?
Nach der Entfernung eines Zahns bildet sich im leeren Zahnfach (der Alveole) ein Blutgerinnsel. Laut Cleveland Clinic schützt es den darunterliegenden Knochen und die Nervenenden und ist der erste Schritt der Wundheilung. Bildet sich das Gerinnsel nicht oder löst es sich zu früh, kann eine schmerzhafte trockene Alveole entstehen (im Englischen „dry socket“). Die meisten Empfehlungen für die ersten Stunden dienen deshalb dazu, das Gerinnsel an Ort und Stelle zu halten.
Das schottische Scottish Dental Clinical Effectiveness Programme (SDCEP) rät, sich auszuruhen, bis die Betäubung nachlässt und sich das Gerinnsel vollständig gebildet hat, in der Regel 2 bis 3 Stunden. Laut University College London Hospitals (UCLH) lässt die örtliche Betäubung nach 2 bis 6 Stunden nach; bis dahin können heiße Speisen und Getränke den Mund verbrennen, und man beißt sich leicht unbemerkt auf Lippe oder Zunge. Etwas Blut im Speichel sieht nach viel mehr aus, als es ist; laut Kent Community Health NHS Foundation Trust können Sie es ganz normal hinunterschlucken.
Was tun, wenn die Blutung nicht aufhört?
Laut Hull University Teaching Hospitals hört die Blutung meist innerhalb von 30 Minuten nach dem Eingriff auf, und der Speichel kann ein, zwei Tage rosa oder leicht blutig sein. Beginnt die Wunde erneut zu bluten, empfehlen die Quellen folgendes Vorgehen:
- Rollen Sie ein sauberes Stück Mull oder ein sauberes Stofftaschentuch (kein Papiertaschentuch) zusammen und befeuchten Sie es leicht.
- Legen Sie es direkt auf die Wunde und beißen Sie im Sitzen ruhig und fest 20 bis 30 Minuten darauf. Oxford Health NHS Foundation Trust rät, den Tupfer in dieser Zeit nicht abzunehmen.
- Blutet es weiter, wiederholen Sie das Ganze noch einmal.
UCLH und Wirral Community Health and Care NHS Foundation Trust empfehlen, sich an eine Zahnarztpraxis zu wenden, wenn die Blutung nach einer Stunde Druck nicht aufgehört hat. Ist die Blutung stark und erreichen Sie keine Zahnarztpraxis, suchen Sie die nächste Notaufnahme auf oder rufen Sie den örtlichen Notruf an.
Welche Schmerzmittel und Medikamente sind geeignet?
Hull University Teaching Hospitals empfehlen, mit dem Schmerzmittel zu beginnen, sobald die Betäubung nachlässt, statt abzuwarten, bis die Schmerzen stark werden. Laut Oxford Health können rezeptfreies Paracetamol oder Ibuprofen nach Packungsbeilage eingenommen werden. Im Zweifel rät Wirral, ärztlich oder in der Apotheke nachzufragen, besonders bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme oder chronischen Erkrankungen. Überschreiten Sie die empfohlene Dosis nicht.
- Acetylsalicylsäure (ASS): Kent, Oxford, Wirral und UCLH raten davon ab, ASS nach einer Zahnentfernung als Schmerzmittel zu nehmen, weil es die Blutung verstärken kann. Hat Ihnen Ihre Ärztin oder Ihr Arzt ASS wegen einer Herzerkrankung verordnet, setzen Sie es nicht ab, sondern sagen Sie es in der Zahnarztpraxis.
- Blutverdünner: Laut SDCEP werden gerinnungshemmende Medikamente für eine Zahnbehandlung nur auf ärztlichen oder zahnärztlichen Rat geändert. Das Merkblatt des SDCEP für die Zeit nach der Behandlung, das sich an Menschen mit diesen Medikamenten richtet, empfiehlt, wenn möglich Paracetamol zu nehmen und Mittel wie ASS, Ibuprofen und Diclofenac zu meiden.
- Antibiotika: Laut UCLH wird ein verordnetes Antibiotikum bis zum Ende der Packung eingenommen. Tritt eine Reaktion wie ein Hautausschlag auf, setzen Sie es ab und holen Sie ärztlichen Rat ein.
Wie pflegen Sie Ihren Mund in den ersten Tagen?
In den ersten 24 Stunden wird der Mund nicht ausgespült und nicht kräftig ausgespuckt. Laut Wirral können Sie die Zähne schon am selben Abend wie gewohnt putzen, sollten im Bereich der Wunde aber vorsichtig sein. Cleveland Clinic rät, nicht direkt über die Wunde zu putzen, bis Ihre Zahnarztpraxis es erlaubt, die übrigen Zähne aber wie immer zu reinigen. Berühren Sie die Wunde nicht mit Zunge oder Fingern, um das Gerinnsel zu schützen.
Nach 24 Stunden werden sanfte Spülungen mit warmem Salzwasser empfohlen. Oxford Health rät, die Lösung etwa eine Minute über der Wunde im Mund zu behalten; auch Cleveland Clinic empfiehlt, die Flüssigkeit auf die Stelle einwirken zu lassen, statt kräftig zu spülen. Wie oft und wie lange, beantworten die Quellen unterschiedlich: Kent nennt zwei- bis dreimal täglich für drei Tage, Wirral nach jeder Mahlzeit für mindestens fünf Tage, Oxford und UCLH mehrmals täglich, auch nach dem Essen, für etwa eine Woche. Was in Ihrem Fall sinnvoll ist, sagt Ihnen Ihre Zahnärztin oder Ihr Zahnarzt.
Wie lange sollten Sie mit Essen, Rauchen, Alkohol und Sport warten?
| Thema | Empfehlungen der Quellen |
|---|---|
| Essen | Weiche Speisen wie Nudeln, Kartoffelpüree, Rührei oder Suppe, sobald die Betäubung nachgelassen hat (UCLH); auf der anderen Seite kauen (Kent, SDCEP); in den ersten zwei bis drei Tagen sehr heiße, kalte, scharf gewürzte, spitze und knusprige Speisen meiden (Oxford) |
| Heiße und kohlensäurehaltige Getränke | Am Tag des Eingriffs keine heißen Getränke (Hull); Cleveland Clinic rät, während der Heilung auf warme und sprudelnde Getränke zu verzichten |
| Strohhalm | Mindestens eine Woche nicht, weil der Sog das Gerinnsel lösen kann (Cleveland Clinic) |
| Rauchen | Mindestens 48 Stunden (UCLH); möglichst mindestens fünf Tage (Hull) |
| Alkohol | Mindestens am Tag des Eingriffs (Hull); laut Kent 24 bis 48 Stunden |
| Sport und schweres Heben | Keine anstrengende körperliche Aktivität, nichts über etwa 4,5 Kilogramm heben und 48 bis 72 Stunden keinen Sport (Cleveland Clinic) |
Laut Cleveland Clinic können die meisten Menschen nach ein, zwei Tagen wieder zur Arbeit oder in die Schule; laut Hull kann nach einem schwierigen Eingriff eine Pause von einigen Tagen nötig sein.
Wie verläuft die Heilung in der Regel?
- Erster Tag: Leichtes Nachsickern und blutiger Speichel sind zu erwarten. Die Betäubung lässt nach einigen Stunden nach.
- Zweiter und dritter Tag: Laut Cleveland Clinic ist der dritte Tag in der Regel der schmerzhafteste. Laut Hull kann die Schwellung in den ersten zwei Tagen zunehmen und klingt dann in etwa fünf Tagen ab; Blutergüsse an Gesicht und Hals sind möglich. Wirral weist darauf hin, dass sich der Mund eine Zeit lang nicht so weit öffnen lässt wie gewohnt.
- Erste Woche: Laut Cleveland Clinic klingen Begleiterscheinungen wie Blutung, Blutergüsse und Schwellung meist innerhalb einer Woche ab. Wurden selbstauflösende Fäden verwendet, lösen sie sich laut Wirral von selbst auf, was ein bis zwei Wochen dauern kann.
- Die folgenden Wochen und Monate: Das Zahnfleisch bedeckt die Wunde in der Regel innerhalb weniger Wochen (Oxford). Laut Cleveland Clinic heilt das Zahnfach von unten nach oben; nach einem großen Backenzahn kann es bis zu vier Monate dauern, bis der Kiefer vollständig verheilt ist.
Diese Zeitangaben sind individuell unterschiedlich und hängen auch davon ab, wie schwierig der Eingriff war.
Wie unterscheiden sich trockene Alveole und Infektion?
Laut Cleveland Clinic tritt eine trockene Alveole nach etwa 2 bis 5 % der Zahnentfernungen auf, die Beschwerden beginnen meist in den ersten drei Tagen. Typisch sind Schmerzen, die wieder zunehmen, obwohl sie nachlassen sollten, Schmerzen, die vom Kiefer in Kopf und Hals ausstrahlen, sowie ein unangenehmer Geschmack oder Mundgeruch. Die Wunde kann wie ein leeres Loch mit einer weißlichen Schicht am Boden aussehen. Rauchen, Strohhalme, kräftiges Spülen und östrogenhaltige Verhütungspillen erhöhen das Risiko. Laut Hull wird die Wunde dann ausgespült und manchmal mit einer Einlage versorgt; Antibiotika sind meist nicht nötig.
Bei einer Infektion stehen Fieber und Eiter im Vordergrund. Cleveland Clinic rät, sich bei Fieber ab 38 °C, Eiter an der Wunde oder starken Schmerzen, die auf Schmerzmittel nicht ansprechen, an eine Zahnarztpraxis zu wenden. Auch Hull nennt eine harte, heiße Schwellung als Grund, sich zu melden.
Wann sollten Sie sich an eine Zahnarztpraxis wenden?
Laut den Quellen sollten Sie nicht bis zum nächsten Kontrolltermin warten, wenn:
- die Blutung nach einer Stunde Druck nicht aufgehört hat (UCLH, Wirral)
- die Schmerzen nach drei Tagen nicht nachlassen oder zunehmen (Wirral)
- Sie Fieber ab 38 °C haben oder Eiter an der Wunde bemerken (Cleveland Clinic)
- eine Schwellung hart und heiß ist oder nicht abklingt oder sich der Mund weiterhin nur eingeschränkt öffnen lässt (Hull)
- Taubheit oder ein verändertes Gefühl am Tag nach dem Eingriff noch anhält (Hull)
Haben Sie Atem- oder Schluckbeschwerden oder eine sehr starke Blutung, rufen Sie sofort den örtlichen Notruf an.
Was ist zu beachten, wenn Sie nach der Zahnentfernung nach Hause reisen?
Wird Ihnen in der Türkei ein Zahn entfernt, zum Beispiel im Rahmen einer Implantatbehandlung, reisen Sie möglicherweise nach Hause, während die Wunde noch heilt:
- Planen Sie am Tag des Eingriffs keine lange Reise und lassen Sie vor dem Rückflug mindestens einen Tag Puffer, damit eine Kontrolle möglich ist.
- Fragen Sie Ihre Zahnärztin oder Ihren Zahnarzt, ab wann Sie fliegen dürfen. Nach Eingriffen in der Nähe der Kieferhöhle kann eine längere Wartezeit empfohlen werden.
- Fragen Sie vor der Abreise, ob sich die Fäden von selbst auflösen oder gezogen werden müssen, und nehmen Sie Ihre Pflegehinweise mit.
- Nach Ihrer Rückkehr können Sie uns per WhatsApp Fotos und Fragen schicken; regelmäßige Kontrollen kann Ihre Zahnarztpraxis am Wohnort übernehmen. Bei akuten Beschwerden wenden Sie sich zuerst an eine Praxis in Ihrer Nähe.
Wie die Betreuung nach Ihrer Rückkehr abläuft, lesen Sie auf unserer Seite zur Nachsorge nach Ihrer Rückkehr.
Wann wird über den Ersatz des Zahns entschieden?
Cleveland Clinic empfiehlt, Möglichkeiten wie ein Implantat, eine Brücke oder eine Teilprothese mit der Zahnärztin oder dem Zahnarzt zu besprechen. Ist ein Implantat geplant, muss die Wunde in der Regel einige Monate heilen. Für eine Implantatbehandlung in der Türkei sind wegen der Einheilzeit des Implantats in der Regel zwei Aufenthalte nötig; den Ablauf beschreibt unsere Seite zu Zahnimplantaten in der Türkei.
Wie läuft eine Zahnentfernung bei Rönesans ab?
Ob ein Zahn entfernt werden muss, entscheiden wir erst, nachdem bei der Untersuchung geprüft wurde, ob er sich erhalten lässt. Teilen Sie uns bitte mit, welche Medikamente Sie einnehmen, besonders blutverdünnende Mittel, und ob Sie chronische Erkrankungen haben, möglichst schon bei der ersten Kontaktaufnahme. In unserer Praxis steht ein DVT (digitale Volumentomographie) zur Verfügung, sodass vor der Zahnentfernung bei Bedarf eine dreidimensionale Beurteilung möglich ist. Zähne werden in der Regel unter örtlicher Betäubung entfernt; bei Bedarf ist auch eine Behandlung in Vollnarkose möglich. Oralchirurgische Eingriffe einschließlich Knochenaufbau führen wir in unserer Praxis durch; wie sich der Zahn ersetzen lässt, besprechen wir ebenfalls bei der Untersuchung.
Vor Behandlungsbeginn erhalten Sie einen schriftlichen Behandlungs- und Kostenplan, und Sie wissen von Anfang an, wer Sie behandelt. Die Kosten richten sich nach dem Behandlungsplan und stehen nach der Untersuchung fest. Die Nachsorge folgt bei uns einem festgelegten Ablauf. Vor der Reise können Sie uns per WhatsApp Fotos und Röntgenbilder für eine erste Voreinschätzung schicken oder uns über das Kontaktformular schreiben. Nachrichten auf Deutsch und Englisch beantworten wir während der Öffnungszeiten innerhalb von höchstens 15 Minuten; die Kommunikation auf Deutsch übernimmt ein Teammitglied mit Deutsch als Muttersprache. Hinweise zu Reisedaten und Aufenthaltsdauer finden Sie unter Ihren Besuch planen.