Weisheitszähne entfernen: Wann ist es nötig, wie läuft es ab, und wann können Sie zurückfliegen?

Kurz gesagt

Beschwerdefreie Weisheitszähne werden meist nicht entfernt, sondern kontrolliert; laut gesundheitsinformation.de ist ein gesundheitlicher Nutzen der vorbeugenden Entfernung nicht nachgewiesen. Wiederholte Zahnfleischentzündungen, nicht versorgbare Karies, Schäden am Nachbarzahn oder eine Zyste sprechen für die Entfernung, in der Regel unter örtlicher Betäubung. In den ersten 24 Stunden schützen Sie das Blutgerinnsel: nicht spülen, nicht rauchen, kein Strohhalm.

Medizinisch geprüft von: Dt. Muhammed Raşid KızılarslanoğluAktualisiert:

Was sind Weisheitszähne, und warum bleiben sie oft im Kiefer?

Weisheitszähne sind die dritten großen Backenzähne ganz hinten im Mund und brechen als letzte durch. Meist sind vier angelegt, je zwei pro Kiefer. Laut gesund.bund.de, dem Gesundheitsportal des Bundesministeriums für Gesundheit, sind sie häufig erst zwischen dem 18. und 24. Lebensjahr voll entwickelt; der NHS ergänzt, dass sie auch später noch Beschwerden machen können.

Fehlt im Kiefer Platz, bleibt der Zahn ganz oder teilweise im Knochen oder unter dem Zahnfleisch; man spricht von einem verlagerten oder retinierten Zahn. Laut gesundheitsinformation.de, dem Portal des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), haben bis zu 80 Prozent der jungen Erwachsenen in Europa mindestens einen nicht durchgebrochenen Weisheitszahn, häufiger im Unterkiefer. Die Cleveland Clinic ordnet verlagerte Weisheitszähne nach ihrer Lage; am häufigsten sind sie zum Nachbarzahn gekippt.

Verlagert heißt nicht automatisch problematisch: Laut Cleveland Clinic und gesundheitsinformation.de bleiben manche verlagerten Zähne beschwerdefrei.

Müssen Weisheitszähne entfernt werden, oder reicht Beobachten?

Laut gesundheitsinformation.de ist nicht nachgewiesen, dass das Ziehen beschwerdefreier Weisheitszähne gesundheitliche Vorteile hat; meist wird nur zur Entfernung geraten, wenn Probleme aufgetreten oder absehbar sind. gesund.bund.de bestätigt diese Linie. Die britische NICE-Leitlinie rät ebenfalls von der vorbeugenden Entfernung ab, und der NHS beschreibt, dass unauffällige Weisheitszähne belassen und bei Kontrollen beobachtet werden.

Gründe für eine Entfernung sind laut NICE und Hull University Teaching Hospitals vor allem:

  • wiederholte Entzündungen des Zahnfleischs über dem Zahn (Perikoronitis); laut Hull der häufigste Grund
  • nicht versorgbare Karies am Weisheitszahn oder am Nachbarzahn
  • Abszess an der Wurzelspitze oder eine nicht behandelbare Infektion
  • Auflösung der Nachbarzahnwurzel oder Zahnfleischerkrankung am Nachbarzahn
  • eine Zyste oder ein anderer Befund um den Zahn
  • der Zahn stört eine geplante Kieferoperation

Laut NICE ist Plaque allein kein Grund. Eine erste, nicht schwere Perikoronitis rechtfertigt die Entfernung nicht, ab der zweiten Episode gilt sie als Grund. Hull betont, dass eine Entfernung nur empfohlen werden sollte, wenn ihr Nutzen die Risiken des Belassens überwiegt. Die Entscheidung fällt individuell nach Untersuchung und Röntgenbild.

Wie läuft die Entfernung ab?

Die Entfernung erfolgt in der Regel unter örtlicher Betäubung; Sie spüren Druck, aber keinen Schmerz. Die Schritte nach NHS und Hull:

  1. Bedeckt Zahnfleisch den Zahn, wird es mit einem kleinen Schnitt geöffnet.
  2. Bei Bedarf wird etwas Knochen um den Zahn entfernt.
  3. Der Zahn wird im Ganzen oder, damit er leichter herauskommt, in zwei bis drei Teilen entnommen.
  4. Bei Bedarf wird die Wunde vernäht.

Laut NHS dauert der Eingriff meist nicht länger als 40 Minuten; die Dauer hängt von der Lage ab. Laut gesundheitsinformation.de wird bei größeren Eingriffen eine Vollnarkose eingesetzt. Nennen Sie vorab Ihre Medikamente, Allergien und Vorerkrankungen.

Warum ist die Nähe zum Nerv wichtig, und wann wird eine DVT gemacht?

Die Wurzeln unterer Weisheitszähne können nahe an den Nerven liegen, die Unterlippe, Kinn, untere Zähne und Zunge versorgen. Laut Hull University Teaching Hospitals kommt es bei 2 bis 20 Prozent der Behandelten zu einem Kribbeln oder Taubheitsgefühl, das einige Wochen dauern kann; bei 0,5 bis 2 Prozent bleibt es dauerhaft. gesundheitsinformation.de nennt dauerhafte Probleme wie Empfindungsstörungen oder Schäden an Nachbarzähnen bei bis zu 1 von 100 Menschen, abhängig vom Umfang des Eingriffs. Obere Weisheitszähne grenzen an die Kieferhöhle.

Um diese Risiken einzuschätzen, wird die Lage des Zahns geröntgt. Eine Studienzusammenfassung der britischen Health Research Authority beschreibt die übliche Praxis: zuerst eine zweidimensionale Panoramaaufnahme, und wenn der Zahn dort nahe am Nerv erscheint, eine dreidimensionale Aufnahme (in Deutschland DVT, digitale Volumentomographie). Die DVT liefert mehr Details, bedeutet aber eine höhere Strahlendosis und wird deshalb nur bei Bedarf eingesetzt. Hull erwähnt für Fälle mit hohem Nervrisiko die Koronektomie, bei der nur die Krone des Zahns entfernt wird; ob sie infrage kommt, wird nach Untersuchung und Bildgebung entschieden.

Was sollten Sie in den ersten 24 Stunden beachten?

Am ersten Tag geht es darum, das Blutgerinnsel in der Wunde zu schützen. Die Empfehlungen von Royal Cornwall Hospitals, Hull, Cleveland Clinic und gesundheitsinformation.de:

  1. Auf den Tupfer beißen: Laut Hull stoppt die Blutung meist innerhalb von 30 Minuten; leicht blutiger Speichel ist ein bis zwei Tage normal. Blutet es weiter, beißen Sie 15 bis 20 Minuten fest auf die mitgegebene Kompresse.
  2. Nicht spülen: Royal Cornwall rät, in den ersten 24 Stunden nicht zu spülen, keine heißen Getränke und keinen Alkohol zu nehmen und körperliche Anstrengung zu meiden. Auch kräftiges Ausspucken vermeiden.
  3. Kein Strohhalm: Laut Cleveland Clinic kann der Sog das Gerinnsel lösen.
  4. Nicht rauchen: Royal Cornwall empfiehlt mindestens 24 Stunden, besser so lange wie möglich; gesundheitsinformation.de rät in den ersten Tagen von Rauchen, heißen Getränken und Fruchtsäften ab und empfiehlt stilles Wasser oder lauwarmen Kamillen- oder Salbeitee.
  5. Kühlen: Laut gesundheitsinformation.de verringert ein Kühlpack an der Wange in den ersten Tagen die Schwellung.
  6. Erst essen, wenn die Betäubung nachgelassen hat, damit Sie sich nicht auf Lippe oder Zunge beißen.
  7. Die anderen Zähne putzen: Der NHS empfiehlt, die übrigen Zähne vorsichtig zu reinigen und die Wunde auszusparen.

Ausführliche Hinweise für die Tage danach finden Sie im Ratgeber Nach der Zahnentfernung.

Wie geht es in den folgenden Tagen weiter?

Laut Hull ist die Schwellung am zweiten und dritten Tag am stärksten und klingt innerhalb einer Woche ab; Royal Cornwall nennt bis zu zwei Wochen bis zum vollständigen Rückgang. Eingeschränkte Mundöffnung und ein steifer Kiefer können einige Tage anhalten.

  • Essen: Der NHS empfiehlt weiche oder flüssige Kost, bis das Kauen wieder angenehm ist; gesundheitsinformation.de nennt nicht zu heiße Suppen, Kartoffelbrei, Fisch oder Nudeln.
  • Mundpflege: Royal Cornwall empfiehlt ab dem zweiten Tag normales Putzen und sanftes Spülen der Wunde mit warmem Salzwasser.
  • Sport und Sauna: gesundheitsinformation.de rät, in den Tagen nach dem Eingriff darauf zu verzichten, auch wenn Sie sich gut fühlen.
  • Fäden: Selbstauflösende Fäden lösen sich laut Hull meist innerhalb von ein bis zwei Wochen.

Wie erkennen Sie eine trockene Alveole?

Bei der trockenen Alveole (Alveolitis sicca) löst sich das Gerinnsel früh, und der Knochen liegt frei. Laut Cleveland Clinic betrifft sie etwa 2 bis 5 Prozent aller Zahnentfernungen, nach Weisheitszähnen häufiger, und das Risiko ist bei Rauchenden mehr als dreimal so hoch. Hull rät, sich zu melden, wenn 3 bis 10 Tage nach der Entfernung der Schmerz zunimmt statt abzuklingen oder ein schlechter Geschmack auftritt; gesundheitsinformation.de beschreibt die trockene Alveole als schmerzhaft, aber behandelbar.

Wann sollten Sie sich melden?

Nach den Hinweisen der Hull University Teaching Hospitals melden Sie sich bei:

  • Blutung, die trotz Druck nicht stoppt
  • Schmerzen, Geschmack oder Geruch, die nach dem dritten Tag zunehmen
  • Fieber, Abgeschlagenheit, druckempfindlichen Lymphknoten unter dem Kiefer oder warmer, geröteter, harter Haut über dem Kiefer
  • Mundöffnung, die sich über Tage nicht bessert
  • Taubheit, Kribbeln oder Schmerzen, die nicht nachlassen oder zunehmen

Bei Atem- oder Schluckbeschwerden oder einer Schwellung, die sich zum Hals oder zum Auge ausbreitet, gehen Sie sofort in eine Notaufnahme; in Deutschland ist außerhalb der Sprechzeiten der zahnärztliche Notdienst zuständig.

Was bedeutet das für Ihre Reise und den Rückflug?

Legen Sie den Rückflug nicht auf den Tag des Eingriffs. Hull rät, eine Weisheitszahnentfernung nicht unmittelbar vor eine Auslandsreise zu legen; für eine Behandlungsreise heißt das, die Erholungstage vor Ort einzuplanen. Ein Artikel im British Dental Journal (Felkai und Kollegen, 2023) nennt als Mindestabstand bis zum Flug 72 Stunden nach einer operativen Zahnentfernung, sofern keine Schmerzen, Schwellungen oder Blutungen bestehen, und empfiehlt eher eine Woche nach den meisten zahnärztlichen Eingriffen. Nach Eingriffen nahe der Kieferhöhle, etwa bei oberen Weisheitszähnen, kann eine längere Wartezeit empfohlen werden. Wann Sie fliegen können, entscheidet Ihre Zahnärztin oder Ihr Zahnarzt nach dem Eingriff; planen Sie vor dem Rückflug mindestens einen Tag Puffer für eine Kontrolle ein.

In unserer Praxis in Serdivan fällt die Entscheidung zur Entfernung nach der Untersuchung. Eine DVT steht zur Verfügung und wird bei verlagerten Weisheitszähnen nahe am Nerv oder an der Kieferhöhle eingesetzt, wenn sie nötig ist. Der Eingriff erfolgt in der Regel unter örtlicher Betäubung; bei Bedarf ist eine Behandlung in Vollnarkose möglich. Vor Behandlungsbeginn erhalten Sie einen schriftlichen Behandlungs- und Kostenplan, bei der Abreise eine Behandlungszusammenfassung und Kopien Ihrer Röntgenbilder. Nach der Rückkehr erreichen Sie uns per WhatsApp an +90 532 363 49 54; Nachrichten auf Deutsch beantworten wir während der Öffnungszeiten innerhalb von höchstens 15 Minuten, die Kommunikation übernimmt ein Teammitglied mit Deutsch als Muttersprache. Mehr zum Eingriff lesen Sie auf der Seite Zahnentfernung, zur Organisation Ihres Aufenthalts auf der Seite Zahnbehandlung in der Türkei und zur Betreuung danach auf der Seite Nachsorge.

Quellen
  1. Wisdom tooth removal – NHS
  2. Guidance on the extraction of wisdom teeth (TA1) – National Institute for Health and Care Excellence (NICE)
  3. Removal of Wisdom Teeth (Third Molars) – Hull University Teaching Hospitals NHS Trust
  4. Following your wisdom tooth extraction – Royal Cornwall Hospitals NHS Trust
  5. Dry Socket – Cleveland Clinic
  6. Impacted Wisdom Teeth – Cleveland Clinic
  7. IMPACTION: Impact of 3D imaging on nerve injuries during wisdom tooth surgery – Health Research Authority
  8. Weisheitszähne entfernen: Ja oder nein? – gesundheitsinformation.de (IQWiG)
  9. Weisheitszähne – gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheit
  10. Felkai PP, Nakdimon I, Felkai T, Levin L, Zadik Y. Dental tourism and the risk of barotrauma and barodontalgia. British Dental Journal, 2023;234(2):115–117.

Häufige Fragen

Die Schmerzen am Weisheitszahn sind mit Medikamenten weggegangen. Muss er trotzdem raus?

Nicht unbedingt. Laut der britischen NICE-Leitlinie ist eine erste, nicht schwere Entzündung des Zahnfleischs über dem Weisheitszahn (Perikoronitis) allein kein Grund zur Entfernung; ab der zweiten Episode gilt sie als Grund. Da nachlassende Schmerzen nicht bedeuten, dass das Problem gelöst ist, sollte der Zahn untersucht werden, zunächst in Ihrer Praxis in Deutschland.

Wie viele Tage sollte ich nach der Weisheitszahnentfernung in der Türkei bleiben?

Das wird nach der Untersuchung mit Ihnen festgelegt. Zur Orientierung: Laut NHS können die meisten am Tag nach der Entfernung wieder arbeiten, nach schwierigen Entfernungen eher nach ein bis drei Tagen; die Hull University Teaching Hospitals nennen fünf bis sieben Tage für die übliche Erholung. Ein Artikel im British Dental Journal (2023) nennt 72 Stunden nach einer operativen Entfernung als Mindestabstand bis zum Flug, sofern keine Schmerzen, Schwellungen oder Blutungen bestehen.

Ist die Entfernung oben anders als unten?

Laut Hull University Teaching Hospitals verläuft die Entfernung oberer Weisheitszähne meist mit weniger Problemen; ein kleines Risiko sind ein Bruch des Knochens hinter dem Zahn oder eine Verbindung zur Kieferhöhle. Bei unteren Weisheitszähnen stehen die Nähe der Wurzeln zum Nerv und die trockene Alveole im Vordergrund. Die Risiken werden je nach Lage des Zahns bei der Untersuchung besprochen.

Brauche ich nach der Entfernung ein Antibiotikum?

Laut gesundheitsinformation.de sind Antibiotika in der Regel nicht nötig, außer bei besonders hohem Infektionsrisiko; auch die Hull University Teaching Hospitals verschreiben sie nach Weisheitszahnentfernungen normalerweise nicht. Treten Fieber, Abgeschlagenheit oder zunehmende Schwellung auf, kann ein Antibiotikum nötig werden. Das entscheidet Ihre Zahnärztin oder Ihr Zahnarzt; nehmen Sie keine Restbestände auf eigene Faust.

Welche Schmerzmittel sind nach der Entfernung geeignet?

Laut gesundheitsinformation.de helfen Ibuprofen und Paracetamol; in Studien linderte 400 mg Ibuprofen Schmerzen besser als 1000 mg Paracetamol, und die Kombination beider wirkte besser und länger als jedes allein. Acetylsalicylsäure ist vor und nach dem Eingriff wegen der Blutungsneigung ungeeignet. Welches Mittel und welche Dosis für Sie passen, klären Sie vor dem Eingriff mit Ihrer Zahnärztin oder Ihrem Zahnarzt, besonders bei Vorerkrankungen.

Ob die Behandlung für Sie geeignet ist, klärt die Untersuchung

Senden Sie uns Fotos oder Röntgenbilder per WhatsApp für eine Voreinschätzung. Der endgültige Plan entsteht erst nach der Untersuchung vor Ort.

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