Wie häufig ist Zahnverlust, und woher kommt er?
Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben weltweit etwa 7 Prozent der Menschen über 20 Jahren alle Zähne verloren, bei den über 60-Jährigen sind es etwa 23 Prozent. Die American Dental Association (ADA) schreibt, dass ein durchschnittlicher Erwachsener zwischen 20 und 64 Jahren drei oder mehr kariöse oder fehlende Zähne hat.
Die WHO beschreibt Zahnverlust meist als Endpunkt lebenslanger Mundkrankheiten, vor allem fortgeschrittener Karies und schwerer Zahnfleischerkrankung; auch Unfälle führen zu Zahnverlust. Die FDI World Dental Federation ergänzt angeborene Nichtanlagen und Entfernungen aus chirurgischen Gründen. Die Ursache ist für die Planung wichtig: Bevor eine Lücke geschlossen wird, müssen Karies oder Parodontitis behandelt sein, die die verbliebenen Zähne bedrohen. Wie eine Parodontitis behandelt wird, lesen Sie im Ratgeber Parodontitis-Behandlung.
Dieser Ratgeber behandelt fehlende Zähne bei Erwachsenen. Der frühe Verlust von Milchzähnen bei Kindern wird gesondert beurteilt.
Was passiert mit den Nachbarzähnen und dem Gegenzahn?
Zähne stehen durch den Kontakt zu Nachbar- und Gegenzähnen im Gleichgewicht. Geht ein Zahn verloren, kann sich dieses Gleichgewicht verschieben. Die FDI nennt in ihrer Patienteninformation zwei mögliche Veränderungen:
- Kippen und Wandern: Die Zähne neben der Lücke können sich in die Lücke bewegen und kippen.
- Elongation: Fehlt dem Zahn im Gegenkiefer sein Partner, kann er weiter in die Lücke hineinwachsen.
Die Patientenzeitung ZahnRat der ostdeutschen Landeszahnärztekammern beschreibt dieselben Folgen: Eine Zahnlücke führe zum Kippen der Nachbarzähne, an den gekippten Kontaktflächen könne Karies entstehen, und der Gegenzahn wachse in die Lücke. Das American College of Prosthodontists (ACP) ergänzt in seiner Stellungnahme zum Ersatz eines einzelnen Seitenzahns die Drehung des Zahns um die eigene Achse. Dieselbe Stellungnahme hält aber fest, dass diese Veränderungen nach aktueller Evidenz seltener und weniger ausgeprägt sind als früher angenommen.
Studien stützen dieses ausgewogene Bild. Carlsson und Kiliaridis berichten im British Dental Journal (2005) über eine schwedische Untersuchung: Von Backenzähnen, die seit mehr als zehn Jahren keinen Gegenzahn hatten, zeigten 18 Prozent keine Elongation, 24 Prozent eine Elongation von 2 mm oder mehr; etwa drei Viertel blieben unter 2 mm. In einer weiteren Studie mit durchschnittlich 6,9 Jahren Beobachtung blieb die Elongation bei 99 Prozent der Zähne ohne Gegenzahn unter 1 mm.
Kurz gesagt: Die Zähne um die Lücke können sich bewegen, aber nicht bei allen Menschen gleich stark. Ob sich etwas verändert, zeigen regelmäßige Kontrollen, die Sie bei Ihrer Zahnärztin oder Ihrem Zahnarzt in Deutschland wahrnehmen können.
Wie verändert sich der Kieferknochen?
Nach einer Zahnentfernung schrumpft der Knochen, der die Zahnwurzel umgeben hat. Auch die ADA weist auf möglichen Knochenverlust um einen fehlenden Zahn hin. Eine systematische Übersicht in Clinical Oral Implants Research (Tan und Kollegen, 2012) fand sechs Monate nach der Entfernung eine Abnahme der Knochenbreite um 29 bis 63 Prozent und der Knochenhöhe um 11 bis 22 Prozent; die stärksten Veränderungen traten in den ersten drei bis sechs Monaten auf. Der ZahnRat 44 formuliert es für Patientinnen und Patienten so: Ohne die Kaukräfte des Zahns beginne der Kieferabbau im Lückenbereich schon innerhalb weniger Monate.
Für Sie ist das vor allem dann wichtig, wenn ein Implantat infrage kommt, denn ein Implantat braucht genügend Knochen. Wie der Knochen beurteilt und bei Bedarf wieder aufgebaut wird, erklären die Ratgeber Knochenaufbau vor Implantaten und Socket Preservation nach Zahnentfernung.
Fehlen in einem Kiefer die meisten oder alle Zähne, kann sich der Knochenabbau auch im Gesicht zeigen: Die Cleveland Clinic beschreibt eingefallene Wangen als mögliche Folge.
Wie wirken sich fehlende Zähne auf Kauen, Sprache und Aussehen aus?
Laut FDI kann unbehandelter Zahnverlust die Lebensqualität beeinträchtigen. Die Föderation nennt unter anderem:
- weniger Kaukraft und damit eine eingeschränkte Auswahl an Speisen
- Schwierigkeiten beim Sprechen
- Schwächung des Kieferknochens
- bei sichtbaren Lücken Auswirkungen auf Selbstvertrauen und soziale Kontakte
Die ADA ergänzt, dass eine große Lücke Sprechen und Essen beeinträchtigen kann und selbst ein von außen unsichtbarer fehlender Backenzahn die Art zu kauen verändert. Die WHO beschreibt Zahnverlust als psychisch belastend, sozial einschränkend und funktionell begrenzend. Wie stark diese Folgen spürbar sind, hängt davon ab, wie viele und welche Zähne fehlen.
Erschwert Abwarten die spätere Behandlung?
In manchen Fällen ja. Die FDI weist darauf hin, dass das Akzeptieren einer Lücke später Aussehen, Funktion und Lebensqualität beeinflussen kann und dass der Ersatz schwieriger wird, wenn weitere Zähne verloren gehen. Bei deutlicher Zahnwanderung oder neuem Zahnverlust kann der Lückenschluss doch nötig werden.
Auch der Knochen spielt eine Rolle: Nach der Übersicht von Tan und Kollegen verändert er sich in den ersten Monaten am stärksten, und je dünner er wird, desto eher kommen vor einem Implantat zusätzliche Eingriffe wie ein Knochenaufbau hinzu. Für Patientinnen und Patienten aus Deutschland heißt das: Auch wenn Sie die Versorgung aufschieben, lohnt es sich, Optionen und Zeitfenster früh zu besprechen, damit nicht aus einer Reise zwei werden.
Muss jeder fehlende Zahn ersetzt werden?
Nein. Nach der Stellungnahme des ACP kann der Ersatz eines einzelnen Seitenzahns nützen, die Entscheidung ist aber individuell: Die informierte Präferenz der Patientin oder des Patienten, die vorhandene Evidenz und der langfristige Pflegebedarf werden zusammen abgewogen. Das ACP zählt ausdrücklich auch den Verzicht auf eine Behandlung zu den Optionen und empfiehlt dann, den Ausgangsbefund zu dokumentieren.
Laut FDI kann eine Lücke unversorgt bleiben, wenn sie Sprechen und Kauen nicht einschränkt und Sie keinen Ersatz wünschen. Das vermeidet das Beschleifen der Nachbarzähne und erleichtert die Reinigung. Die FDI beschreibt außerdem das Konzept der verkürzten Zahnreihe: Nicht alle fehlenden Zähne werden ersetzt, wenn weniger Zähne ausreichend Kaukraft und Komfort bieten. Carlsson und Kiliaridis verweisen ebenfalls auf dieses Konzept.
Diese Wege setzen voraus, dass die verbliebenen Zähne gesund bleiben: zweimal täglich mit fluoridhaltiger Zahnpasta putzen, Zahnzwischenräume reinigen, Zucker begrenzen und die Kontrollen in dem Abstand wahrnehmen, den Ihre Zahnärztin oder Ihr Zahnarzt vorschlägt (laut FDI zwischen 3 und 12 Monaten).
Welche Möglichkeiten gibt es, eine Lücke zu schließen?
Soll die Lücke versorgt werden, kommen vor allem diese Optionen infrage:
- Implantat: Eine künstliche Wurzel im Kieferknochen trägt eine Krone, eine Brücke oder eine Prothese. Ablauf und Aufenthalte beschreibt die Seite Zahnimplantate.
- Brücke: Ein festsitzender Zahnersatz, der sich auf die Nachbarzähne stützt. Den Vergleich für eine einzelne Lücke finden Sie im Ratgeber Implantat oder Brücke.
- Herausnehmbare Prothese: Ersetzt mehrere fehlende Zähne und wird zum Reinigen herausgenommen; Unterschiede zum festsitzenden Zahnersatz erklärt der Ratgeber Herausnehmbarer oder festsitzender Zahnersatz.
- Prothese oder feste Zähne auf Implantaten: Bei vielen fehlenden Zähnen vergleicht der Ratgeber Prothese oder Implantate die Möglichkeiten.
Welche Lösung passt, hängt von der Zahl und Lage der fehlenden Zähne, vom Zustand der Nachbarzähne und des Zahnfleischs, vom Knochen und von Ihren Erwartungen ab.
Was bedeutet das für eine Behandlung in der Türkei?
Eine Lücke selbst ist kein Notfall; Sie haben Zeit für eine gute Planung. Für eine Voreinschätzung können Sie uns Fotos der Lücke und vorhandene Röntgenaufnahmen aus Deutschland per WhatsApp an +90 532 363 49 54 senden. Daraus lässt sich oft schon erkennen, ob eine Brücke, eine Prothese oder Implantate wahrscheinlich sind und ob eher ein oder zwei Aufenthalte nötig werden: Kronen und Brücken lassen sich in der Regel in einem Aufenthalt fertigstellen, Implantate erfordern meist zwei Reisen im Abstand von mehreren Monaten.
Verbindlich wird der Plan erst nach der Untersuchung in unserer Praxis in Serdivan, bei Bedarf mit einer DVT (digitale Volumentomographie), die den Knochen dreidimensional zeigt. Vor Behandlungsbeginn erhalten Sie einen schriftlichen Behandlungs- und Kostenplan; bei der Abreise bekommen Sie eine Zusammenfassung der Behandlung und Kopien Ihrer Röntgenbilder für Ihre Praxis zu Hause. Fragen nach der Rückkehr beantworten wir per WhatsApp, die Kommunikation auf Deutsch übernimmt ein Teammitglied mit Deutsch als Muttersprache. Wie Transfer ab Istanbul und Unterkunft in Sapanca organisiert sind, lesen Sie auf der Seite Zahnbehandlung in der Türkei; wie die Betreuung nach der Rückkehr abläuft, auf der Seite Nachsorge.