Ist ein Taubheitsgefühl nach der Implantation normal?
In den ersten Stunden ja. Ein Implantat wird in der Regel unter örtlicher Betäubung gesetzt, und diese Betäubung kann auch Lippe, Kinn und einen Teil der Zunge erfassen. Laut den University College London Hospitals (UCLH) lässt die Wirkung einer örtlichen Betäubung im Mund meist nach 2 bis 6 Stunden nach. Die Verhaltensregeln der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) raten, bis zum Abklingen der Betäubung nichts zu essen und nichts Heißes zu trinken.
Anders ist es, wenn die Taubheit länger anhält als die Betäubung, etwa noch am nächsten Morgen. Dann kann das Implantat oder der Eingriff einen Nerv gereizt haben, und das sollten Sie ohne Verzögerung melden. Das Universitätsklinikum Dresden nennt „anhaltende Gefühlsstörungen nach Abklingen der Betäubung“ ausdrücklich als Grund, sofort in die Klinik zu kommen; die DGZMK führt sie ebenfalls unter den Gründen, umgehend die Behandelnden aufzusuchen.
Welche Nerven können betroffen sein?
Die beiden Nerven, um die es beim Taubheitsgefühl meist geht, liegen im Unterkiefer:
| Nerv | Wo verläuft er? | Was kann sich bei einer Störung anfühlen? |
|---|---|---|
| Unterkiefernerv (Nervus alveolaris inferior) | In einem Kanal im Unterkieferknochen unterhalb der Backenzahnwurzeln; sein Ast tritt auf Höhe der kleinen Backenzähne aus und versorgt Unterlippe und Kinn | Taubheit, Kribbeln, Brennen oder Schmerzen an Unterlippe, Kinn und Zahnfleisch |
| Zungennerv (Nervus lingualis) | Auf der Zungenseite des Unterkiefers, direkt neben dem Knochen im Weichgewebe | Taubheit einer Zungenhälfte, verändertes Schmecken, Schwierigkeiten beim Sprechen und Essen |
Nach der Übersichtsarbeit von Juodzbalys und Kollegen reichen die Beschwerden von leichtem Kribbeln bis zu vollständigem Gefühlsverlust und Schmerzen. Die University of Sheffield beschreibt, dass Betroffene den Glasrand an der Lippe nicht spüren oder undeutlicher sprechen; ist der Zungennerv betroffen, kann die Zunge taub sein und der Geschmack auf dieser Seite fehlen.
Die Universitätsklinik Gießen und Marburg nennt für den Seitenzahnbereich des Unterkiefers eine zeitweise oder dauerhafte Taubheit von Unterlippe und Kinn als mögliche Folge einer Nervverletzung; das Universitätsklinikum Dresden führt ein bleibendes Taubheitsgefühl an Lippe, Zähnen oder Zunge unter den Risiken auf.
Warum wird ein Nerv überhaupt gereizt?
Juodzbalys und Kollegen nennen mehrere Mechanismen:
- Der Bohrer oder das Implantat dringt in den Nervenkanal ein oder drückt auf den Nerv.
- Eine Blutung in den Kanal bildet ein Gerinnsel, das den Nerv einengt.
- Der Knochen überhitzt beim Bohren.
- Die Betäubungsspritze selbst reizt den Nerv.
- Am Nervenaustritt am Kinn drücken Nähte oder Schwellung auf den Nerv.
Der wichtigste Faktor ist der Abstand zwischen Implantat und Nervenkanal. In einer systematischen Übersichtsarbeit mit Metaanalyse in der Zeitschrift Medicina Oral (Peña-Cardelles und Kollegen, 2025) traten bei einem Abstand von 1 mm oder mehr keine Gefühlsstörungen auf; bei 0 bis 1 mm lag der Anteil bei 68 Prozent und beim Eindringen in den Kanal bei 53 Prozent. Die Autorinnen und Autoren weisen darauf hin, dass die meisten Studien rückblickend waren und Nervverletzungen unterschiedlich definiert wurden.
Wie häufig ist ein anhaltendes Taubheitsgefühl?
Eine genaue Zahl lässt sich nicht nennen. Laut Juodzbalys und Kollegen schwankt die berichtete Häufigkeit implantatbedingter Verletzungen des Unterkiefernervs zwischen 0 und 40 Prozent, weil die Studien unterschiedliche Patientengruppen und Definitionen verwenden. Wichtiger ist: Laut den Cambridge University Hospitals bessern sich solche Gefühlsstörungen in der Regel innerhalb einiger Monate und bleiben selten dauerhaft. Der Schwerpunkt liegt darauf, das Risiko schon in der Planung zu senken.
Wie senkt die DVT-Planung das Risiko?
Eine DVT (digitale Volumentomographie) zeigt den Verlauf des Nervenkanals und die Knochenhöhe darüber dreidimensional. Juodzbalys und Kollegen halten die dreidimensionale Aufnahme für genauer als ein Panoramaröntgenbild, und Peña-Cardelles und Kollegen erklären, dass ein Panoramabild die Strukturen um etwa 20 bis 30 Prozent vergrößert darstellen und Messungen verfälschen kann. Die DGI-Patientenbroschüre nennt den einzuhaltenden Abstand zum Nervenkanal als festen Bestandteil der Vorbereitung des Implantatbetts.
Bei der Planung wird ein Sicherheitsabstand zum Nerv eingeplant: Die Konsenserklärung des International Team for Implantology (ITI) von 2018 empfiehlt 2 mm zu kritischen anatomischen Strukturen. Reicht die Knochenhöhe dafür nicht, kommen ein kürzeres Implantat, ein Knochenaufbau oder eine andere Form des Zahnersatzes in Betracht. Warum die DVT vor Implantaten angefertigt wird, erklärt der Ratgeber DVT vor Zahnimplantaten; wie die Planung in den Eingriff übertragen wird, der Ratgeber Schablonengeführte Implantation.
Was tun, wenn die Taubheit nach Abklingen der Betäubung anhält?
Melden Sie sich sofort. Die systematische Übersichtsarbeit von Shavit und Juodzbalys (2014) empfiehlt, die Diagnose innerhalb der ersten 36 Stunden zu stellen und die Patientin oder den Patienten etwa sechs Stunden nach dem Eingriff zu kontaktieren, wenn die Betäubung abgeklungen sein sollte. Zeigt das Röntgenbild Kontakt zwischen Implantat und Kanal, wird eine frühe Entfernung des Implantats empfohlen. In den ausgewerteten Daten erholten sich die innerhalb von 48 Stunden behandelten Fälle vollständig, mit Ausnahme von sechs Patientinnen und Patienten mit schweren Verletzungen.
Für Ihre Reise heißt das: Das entscheidende Zeitfenster liegt in den ersten ein bis zwei Tagen nach dem Eingriff, also in der Regel noch während Ihres Aufenthalts. Prüfen Sie am Abend des Eingriffstags und am nächsten Morgen bewusst, ob Lippe, Kinn und Zunge wieder normal fühlen, und sagen Sie es uns noch vor dem Rückflug, wenn nicht.
Wenn Sie sich melden, erleichtern diese Angaben die Beurteilung:
- Wo genau die Taubheit sitzt (Lippe, Kinn, Zunge, Zahnfleisch) und auf welcher Seite
- Ob zusätzlich Kribbeln, Brennen, ein elektrisierendes Gefühl oder Schmerzen bestehen
- Ob sich der Geschmack verändert hat
- Ob die Beschwerden mit der Zeit abnehmen
Nehmen Sie keine Medikamente auf eigene Faust; die DGZMK rät davon ab, zusätzliche Medikamente nach eigenem Ermessen einzunehmen. Was in der ersten Woche zur normalen Heilung gehört, lesen Sie im Ratgeber Die erste Woche nach der Implantation.
Was tun, wenn die Taubheit erst in Deutschland auffällt oder dort anhält?
Melden Sie sich an zwei Stellen gleichzeitig. Schreiben Sie uns per WhatsApp an +90 532 363 49 54 und beschreiben Sie die Beschwerden nach den vier Punkten oben; Ihre behandelnde Zahnärztin oder Ihr behandelnder Zahnarzt kennt die Lage Ihres Implantats und kann Ihre DVT-Aufnahme beurteilen. Suchen Sie parallel eine Zahnarztpraxis oder eine Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie in Ihrer Nähe auf, damit Sie vor Ort untersucht werden können. Die Kopien Ihrer Röntgenbilder und die Behandlungszusammenfassung, die Sie bei der Abreise erhalten haben, nehmen Sie dazu mit; welche Unterlagen das sind, steht im Ratgeber Unterlagen für die Zahnbehandlung in der Türkei.
Wenn die Taubheit schon länger besteht, ist der Zeitpunkt trotzdem wichtig: Juodzbalys und Kollegen zufolge gilt ein Gefühlsverlust, der länger als sechs Monate anhält, als dauerhaft, und eine chirurgische Nervrekonstruktion liefert vorhersagbarere Ergebnisse, wenn sie in den ersten etwa drei Monaten erfolgt. In Deutschland werden solche Fragen an Kliniken für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie beurteilt. Wie die Betreuung nach der Rückkehr allgemein abläuft, erklärt die Seite Nachsorge.
Geht die Taubheit wieder weg?
Meistens ja. Nach den in der Einleitung der Übersichtsarbeit von Peña-Cardelles und Kollegen zitierten Daten gewannen etwa 80 Prozent der Betroffenen mit Gefühlsstörung des Unterkiefernervs innerhalb von sechs Monaten und 91 Prozent innerhalb eines Jahres das normale Gefühl zurück; die Erholungszeit reichte in den eingeschlossenen Studien von unter einer Woche bis zu 16 Monaten.
Laut Juodzbalys und Kollegen hängt die Erholung vom Ausmaß der Schädigung ab:
- Leichte Reizung (Druck oder Quetschung): Das Gefühl kehrt meist innerhalb einer Woche zurück und normalisiert sich in ein bis zwei Monaten.
- Mittelschwere Schädigung: Die Erholung dauert 2 bis 4 Monate, manchmal bis zu 12 Monate.
- Durchtrennung des Nervs: Die Chance auf spontane Erholung ist gering.
Wie planen wir bei Rönesans Implantate in Nervnähe?
Vor einem Implantat im hinteren Unterkiefer messen wir den Verlauf des Nervenkanals und die verfügbare Knochenhöhe mit der DVT in unserer Praxis. Eine Bohrschablone setzen wir nicht bei allen Patientinnen und Patienten ein; ob sie bei Nervnähe sinnvoll ist, entscheidet Ihre Zahnärztin oder Ihr Zahnarzt nach Untersuchung und DVT.
Ihren Behandlungsplan erstellen unsere Zahnärztinnen und Zahnärzte gemeinsam, nach dem Eingriff betreut Sie weiterhin dieselbe Person, und vor der Abreise wird die Wundheilung kontrolliert. Hält die Taubheit an Lippe, Kinn oder Zunge nach dem Abklingen der Betäubung an, melden Sie sich sofort per WhatsApp unter +90 532 363 49 54 oder telefonisch unter +90 264 606 09 43; die Kommunikation auf Deutsch übernimmt ein Teammitglied mit Deutsch als Muttersprache. Den gesamten Ablauf der Behandlung finden Sie auf der Seite Zahnimplantate.