Wie lange hält ein wurzelbehandelter Zahn, mit und ohne Krone?

Kurz gesagt

Wie lange ein wurzelbehandelter Zahn hält, ist individuell unterschiedlich; eine feste Zahl gibt es nicht. In Studien blieb die große Mehrheit dieser Zähne über zwei bis zehn Jahre erhalten. Am stärksten zählen die rechtzeitige endgültige Füllung oder Krone, die verbliebene Zahnsubstanz, neue Karies, der Zustand des Zahnfleischs und regelmäßige Kontrollen. Ein nur provisorisch verschlossener Zahn geht deutlich häufiger verloren.

Medizinisch geprüft von: Dt. Muhammed Raşid KızılarslanoğluAktualisiert:

Wie lange bleiben wurzelbehandelte Zähne in Studien erhalten?

Studien beantworten die Frage „Wie lange hält ein wurzelbehandelter Zahn?” meist damit, ob der Zahn nach einer bestimmten Zeit noch im Mund ist. Dieses Maß heißt Überlebensrate.

  • Systematische Übersicht: Die Übersicht von Ng und Kollegen im International Endodontic Journal (2010) fasste 14 Studien zusammen; zwei bis zehn Jahre nach der Wurzelbehandlung waren 86 bis 93 Prozent der Zähne noch erhalten. Die Zusammenfassung in Evidence-Based Dentistry weist darauf hin, dass die meisten Studien rückblickend angelegt waren und sich wegen ihrer Unterschiede nur eingeschränkt vergleichen lassen.
  • Prospektive Studie: In der Studie derselben Arbeitsgruppe am UCL Eastman Dental Hospital in London (2011) waren nach vier Jahren etwa 95 Prozent der Zähne erhalten, und zwar bei Erstbehandlungen ebenso wie bei wiederholten Wurzelbehandlungen.
  • Große Registerstudie: Die American Association of Endodontists (AAE) berichtet in ihrem Bulletin für Zahnärztinnen und Zahnärzte von einer Auswertung von mehr als 1,4 Millionen wurzelbehandelten Zähnen, von denen 97 Prozent nach acht Jahren noch erhalten waren. Den Vergleich mit dem Implantat finden Sie im Ratgeber Wurzelbehandlung oder Zahn ziehen.

Die Patienteninformation des Universitätsklinikums Freiburg gibt für eine unkomplizierte Erstbehandlung eine Erfolgswahrscheinlichkeit von bis zu 95 Prozent an, für eine Erneuerung der Wurzelfüllung immer noch über 80 Prozent. Diese Zahlen sind Durchschnittswerte und kein Versprechen für einen einzelnen Zahn; was Sie für Ihren Zahn erwarten können, hängt von den folgenden Faktoren ab.

Wie lange hält ein wurzelbehandelter Zahn ohne Krone?

Viele fragen genau das, meist weil die Wurzelbehandlung abgeschlossen ist und die Krone noch aussteht. Die Studien geben darauf keine Zahl in Jahren, aber eine klare Richtung:

  • Aquilino und Caplan (2002) werteten 203 wurzelbehandelte Zähne aus der Datenbank der Universität Iowa aus. Nach Berücksichtigung von Zahntyp und Karies war das Risiko, den Zahn zu verlieren, bei Zähnen ohne Krone etwa sechsmal so hoch wie bei überkronten Zähnen.
  • In der Studie von Ng und Kollegen (2011) war das Verlustrisiko deutlich erhöht, wenn der Zahn nach der Behandlung nur mit einem Provisorium verschlossen blieb, und niedriger, wenn er eine im Labor gefertigte Versorgung wie eine Krone erhielt.
  • Die AAE schreibt in ihrem Bulletin von 2004, dass Provisorien das Eindringen von Bakterien nicht lange zuverlässig verhindern und der Zahn deshalb möglichst sofort nach der Wurzelbehandlung versorgt werden sollte.

„Ohne Krone” bedeutet allerdings nicht immer „ungeschützt”. Ein Frontzahn mit wenig Substanzverlust kann laut AAE und Universitätsklinikum Freiburg mit einer adhäsiven Füllung dauerhaft versorgt sein; ein Seitenzahn braucht meist eine Versorgung, die die Höcker überdeckt. Entscheidend ist also, dass der Zahn rechtzeitig eine endgültige, dichte Versorgung bekommt, nicht die Krone an sich. Welche Versorgung für welchen Zahn passt, erklärt der Ratgeber Krone nach Wurzelbehandlung.

Welche Faktoren beeinflussen die Haltbarkeit?

Ng und Kollegen fanden in ihrer Studie 13 Faktoren, die mit dem Zahnverlust zusammenhingen. Einige betreffen die allgemeine Gesundheit, andere den Zustand des Zahns vor der Behandlung, wieder andere das, was danach mit dem Zahn geschieht:

Faktor Befund in der Studie
Diabetes oder systemische Kortisonbehandlung Höheres Verlustrisiko
Schmerzen oder eine Fistel mit Ausfluss vor der Behandlung Höheres Verlustrisiko
Eine schmale, tiefe Zahnfleischtasche am Zahn Höheres Verlustrisiko
Zahn nach der Behandlung nur provisorisch verschlossen Deutlich höheres Verlustrisiko
Im Labor gefertigte Versorgung (etwa eine Krone) Niedrigeres Verlustrisiko
Kontakt zu Nachbarzähnen auf beiden Seiten Niedrigeres Verlustrisiko
Zahn am Ende der Zahnreihe Höheres Verlustrisiko

Zähne mit einer schmalen, tiefen Tasche gingen in der Studie überwiegend durch einen Wurzelbruch verloren. Faktoren wie die Position des Zahns lassen sich nicht ändern; die rechtzeitige Versorgung und ein gesundes Zahnfleisch können Sie und Ihre Praxis dagegen weitgehend beeinflussen.

Warum kann ein wurzelbehandelter Zahn Jahre später Probleme machen?

Laut AAE heilt ein wurzelbehandelter Zahn manchmal nicht vollständig aus und kann Monate oder Jahre später wieder schmerzen oder erkranken. Die Patienteninformation der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) weist darauf hin, dass eine Entzündung am Knochen auch ohne Beschwerden bestehen und erst auf dem Röntgenbild erkannt werden kann. Die AAE ordnet die Ursachen zwei Gruppen zu.

Ursachen, die mit der ersten Behandlung zusammenhängen:

  • Enge oder gekrümmte Kanäle, die beim ersten Mal nicht gereinigt werden konnten
  • Eine komplizierte Kanalanatomie, die unentdeckt blieb
  • Eine verzögerte Krone oder endgültige Versorgung
  • Eine Versorgung, die Speichel nicht vom Zahninneren fernhält

Später auftretende Probleme:

  • Neue Karies, die die Wurzelfüllung erreicht und den Zahn erneut infiziert
  • Eine gelockerte, gerissene oder gebrochene Krone oder Füllung
  • Ein Bruch des Zahns

Woran erkennen Sie, dass etwas nicht stimmt?

In folgenden Fällen sollten Sie nicht auf die nächste Routinekontrolle warten, sondern eine Praxis aufsuchen:

  • Pochende Schmerzen im Zahn (die Cleveland Clinic rät dann zum Zahnarztbesuch)
  • Eine Schwellung am Zahnfleisch oder ein pickelähnliches Bläschen mit Ausfluss (Fistel)
  • Schmerzen beim Zubeißen oder Kauen
  • Eine gelockerte, gerissene oder herausgefallene Krone oder Füllung

Manche Probleme machen keine Beschwerden. Der NHS empfiehlt deshalb, nach der Behandlung die Kontrolltermine wahrzunehmen und regelmäßig zur Zahnärztin oder zum Zahnarzt zu gehen. Bei Schwellung im Gesicht, am Auge oder am Hals, Fieber oder Schwierigkeiten beim Schlucken oder Atmen wenden Sie sich umgehend an eine Notaufnahme. Welche Beschwerden direkt nach der Behandlung normal sind, beschreibt der Ratgeber Tut eine Wurzelbehandlung weh?.

Lässt sich ein Zahn mit Problemen erneut behandeln?

Oft ja. Die AAE beschreibt die Revision (erneute Wurzelbehandlung) als zweite Chance, den Zahn zu erhalten: Der Zahn wird wieder geöffnet, die Wurzelfüllung und bei Bedarf Krone, Stift und Aufbau werden entfernt, die Kanäle unter Vergrößerung und Beleuchtung gereinigt und neu gefüllt, und der Zahn wird provisorisch verschlossen. Danach braucht er so bald wie möglich eine neue Krone oder endgültige Versorgung. Auch die DGZMK nennt bei unvollständiger Heilung die Revision und die Wurzelspitzenresektion als weiterführende Behandlungen.

Kommt keine Revision in Frage, bleibt die Zahnentfernung; die Lücke wird dann meist mit Implantat, Brücke oder Teilprothese geschlossen. In der Studie von Ng und Kollegen war die Vierjahresüberlebensrate nach einer Revision ähnlich hoch wie nach einer Erstbehandlung.

Was können Sie selbst für die Haltbarkeit tun?

  1. Die endgültige Versorgung nicht aufschieben. Fällt ein Provisorium heraus oder bricht es, melden Sie sich.
  2. Tägliche Pflege beibehalten. Die Cleveland Clinic empfiehlt, nach den Mahlzeiten zu putzen und täglich Zahnseide zu verwenden.
  3. Nicht auf Hartem kauen. Die AAE rät, Eis, ungepoppte Maiskörner oder Stifte nicht zu zerbeißen.
  4. Zähneknirschen ansprechen. Die AAE empfiehlt, eine Schutzschiene mit der Praxis zu besprechen; was für Sie passt, wird bei der Untersuchung beurteilt.
  5. Nicht rauchen. Laut Cleveland Clinic kann Rauchen die Heilung verlangsamen.
  6. Kontrollen einhalten. Nach NICE liegt der Abstand je nach Risiko zwischen drei und 24 Monaten.

Was bedeutet das für eine Wurzelbehandlung in der Türkei?

Für Patientinnen und Patienten aus Deutschland ist der wichtigste Punkt dieses Ratgebers die Zeit zwischen Wurzelbehandlung und endgültiger Versorgung. Manche Zähne sind in einer Sitzung fertig, andere brauchen mehrere; wie viele Sitzungen Ihr Zahn braucht, wird bei der Untersuchung festgelegt. Klären Sie vor der Buchung, ob Füllung oder Krone noch im selben Aufenthalt möglich sind und, falls nicht, wer sie zu Hause übernimmt. Buchen Sie den Rückflug erst, wenn der Plan steht: Ein Artikel im British Dental Journal (2023) nennt als Mindestabstand 72 Stunden zwischen einer Wurzelbehandlung und einem Flug, sofern keine Beschwerden bestehen, und betont, dass es dazu wenig Forschung gibt.

Bei der Abreise erhalten Sie Kopien Ihrer Behandlungszusammenfassung und Röntgenbilder, damit Ihre Praxis in Deutschland die Kontrollen übernehmen kann. Nach der Rückkehr erreichen Sie uns weiterhin per WhatsApp (siehe Nachsorge); bei akuten Beschwerden ist eine Praxis in Ihrer Nähe die erste Anlaufstelle. Den Ablauf der Behandlung beschreibt die Seite Wurzelbehandlung.

Wie betreuen wir wurzelbehandelte Zähne bei Rönesans?

Endodontie (Wurzelbehandlung) gehört zu den Fachbereichen unserer Praxis. Schmerzt ein wurzelbehandelter Zahn erneut, werden bei der Untersuchung der Zahn und seine Versorgung beurteilt; um eine Entzündung an der Wurzelspitze oder einen Wurzelbruch zu klären, kann das DVT (digitale Volumentomographie) in unserer Praxis eine dreidimensionale Aufnahme liefern. Ist eine Krone nötig, kann die Abformung mit einem Intraoralscanner erfolgen; Kronen werden im Dentallabor, mit dem wir zusammenarbeiten, im CAD/CAM-Verfahren hergestellt.

Vor Behandlungsbeginn erhalten Sie einen schriftlichen Behandlungs- und Kostenplan, und Sie wissen von Anfang an, wer Sie behandelt. Auf unsere Behandlungen geben wir eine Garantie zu festgelegten Bedingungen für Probleme, die nicht von Ihnen verursacht wurden; die Einzelheiten erklären wir bei der Untersuchung. Für eine erste Einschätzung können Sie uns per WhatsApp an +90 532 363 49 54 Fotos und Röntgenbilder senden; die Kommunikation auf Deutsch übernimmt ein Teammitglied mit Deutsch als Muttersprache.

Quellen
  1. Balto K. Tooth survival after root canal treatment (Zusammenfassung von Ng YL, Mann V, Gulabivala K. International Endodontic Journal, 2010;43:171–189). Evidence-Based Dentistry, 2011;12:10–11.
  2. Ng YL, Mann V, Gulabivala K. A prospective study of the factors affecting outcomes of non-surgical root canal treatment: part 2: tooth survival. International Endodontic Journal, 2011;44:610–625.
  3. Aquilino SA, Caplan DJ. Relationship between crown placement and the survival of endodontically treated teeth. Journal of Prosthetic Dentistry, 2002;87(3):256–263 (PubMed-Zusammenfassung)
  4. Endodontics: Colleagues for Excellence, Spring 2015 – Treatment Planning: Retention of the Natural Dentition and the Replacement of Missing Teeth. American Association of Endodontists
  5. Endodontics: Colleagues for Excellence, 2004 – Restoration of Endodontically Treated Teeth: The Endodontist's Perspective, Part 1. American Association of Endodontists
  6. Endodontic Retreatment – American Association of Endodontists
  7. Endodontic Retreatment Explained – American Association of Endodontists
  8. Cracked Teeth – American Association of Endodontists
  9. Root Canal – Cleveland Clinic
  10. Root canal treatment – NHS
  11. Dental checks: intervals between oral health reviews (CG19), Recommendations – NICE
  12. Wurzelkanalbehandlung – Patienteninformation der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK), 01/2020
  13. Die Wurzelkanalbehandlung – Patienteninformation. Universitätsklinik für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Freiburg, Abteilung für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie
  14. Felkai PP, Nakdimon I, Felkai T, Levin L, Zadik Y. Dental tourism and the risk of barotrauma and barodontalgia. British Dental Journal, 2023;234(2):115–117.

Häufige Fragen

Wie lange hält ein wurzelbehandelter Zahn ohne Krone?

Dazu gibt es keine Zahl in Jahren, aber einen deutlichen Unterschied: In der Studie von Aquilino und Caplan (2002) war das Risiko, den Zahn zu verlieren, ohne Krone etwa sechsmal so hoch wie mit Krone. Ob eine Krone nötig ist, hängt allerdings vom Zahn ab: Frontzähne mit wenig Substanzverlust kommen oft mit einer Füllung aus, Seitenzähne brauchen laut American Association of Endodontists meist eine Versorgung, die die Höcker überdeckt. Mehr dazu im Ratgeber Krone nach Wurzelbehandlung.

Kann ein wurzelbehandelter Zahn wieder Karies bekommen?

Ja. Auch wenn Nerv und Gefäße entfernt wurden, bleibt die Zahnsubstanz kariesanfällig. Laut American Association of Endodontists kann neue Karies die Wurzelfüllung Bakterien aussetzen und den Zahn erneut infizieren. Deshalb ist es wichtig, auch den Kronenrand sauber zu halten.

Warum brechen wurzelbehandelte Zähne?

Brüche gehören zu den häufigsten Gründen, warum wurzelbehandelte Zähne entfernt werden: In der Studie von Ng und Kollegen (2011) war bei etwa 29 Prozent der entfernten Zähne ein Zahn- oder Wurzelbruch die Ursache. Die Patienteninformation des Universitätsklinikums Freiburg weist darauf hin, dass viele wurzelbehandelte Zähne wegen ihres großen Defekts bruchgefährdet sind. Eine höckerüberdeckende Versorgung an Seitenzähnen und der Verzicht auf das Zerbeißen harter Dinge senken das Risiko.

Beeinflusst Diabetes die Haltbarkeit?

In der Studie von Ng und Kollegen war das Risiko, einen wurzelbehandelten Zahn zu verlieren, bei Menschen mit Diabetes und bei Menschen unter systemischer Kortisonbehandlung höher. Das heißt nicht, dass bei Diabetes keine Wurzelbehandlung möglich ist. Nennen Sie bei der Untersuchung Ihre Erkrankungen und Medikamente; das hilft bei Planung und Kontrollabständen.

Wie oft sollte ein wurzelbehandelter Zahn kontrolliert werden?

Einen für alle gültigen Abstand gibt es nicht. Das britische Institut NICE empfiehlt für Erwachsene Kontrollabstände zwischen mindestens drei und höchstens 24 Monaten, die gemeinsam mit der Patientin oder dem Patienten festgelegt werden. Nach einer Wurzelbehandlung kann zusätzlich eine Röntgenkontrolle der Wurzelspitze sinnvoll sein. Diese Kontrollen kann Ihre Praxis in Deutschland übernehmen; nehmen Sie dazu Ihre Unterlagen von uns mit.

Ob die Behandlung für Sie geeignet ist, klärt die Untersuchung

Senden Sie uns Fotos oder Röntgenbilder per WhatsApp für eine Voreinschätzung. Der endgültige Plan entsteht erst nach der Untersuchung vor Ort.

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