Warum muss ein Zahn für eine Krone beschliffen werden?
Was umgangssprachlich „Zähne abschleifen“ heißt, nennt die Zahnmedizin Präparation: Die Außenflächen werden mit feinen rotierenden Instrumenten um so viel reduziert, wie die geplante Krone an Schichtstärke braucht.
Eine Zirkonkrone umschließt den Zahn wie eine Kappe, und diese Kappe hat eine eigene Dicke. Auf einem unbeschliffenen Zahn wäre sie zu dick und würde beim Zubeißen zu früh auf die Gegenzähne treffen. Laut der Cleveland Clinic schafft der Abtrag von Schmelz Platz für die Krone und sorgt dafür, dass sie nach dem Befestigen sicher sitzt; die Patienteninformation der Cork University Dental School & Hospital beschreibt das ebenso.
Eine Krone ist aber nicht für jeden Zahn die erste Wahl. Laut der Bristol Dental School kommen Kronen vor allem bei Zähnen infrage, die durch Karies oder Brüche viel Substanz verloren haben, und nach einer Wurzelbehandlung. Der Ausgangszustand des Zahns bestimmt mit, wie viel abgetragen wird.
Wie viel Zahnsubstanz wird abgetragen?
Eine Zahl, die für alle gilt, gibt es nicht. Die Menge hängt von Lage des Zahns, Füllungen und Brüchen, Biss, abzudeckender Verfärbung und Material ab. Die Unterschiede zwischen Zirkon und anderen Keramiken erklärt unser Ratgeber Zirkon oder Keramik.
Zur Einordnung: Die Übersichtsarbeit von Vanlıoğlu und Kulak-Özkan (2014) zitiert eine Studie an Frontzähnen, nach der für ein Veneer, das nur die Vorderseite bedeckt, 3 bis 30 Prozent des Zahns (nach Gewicht) abgetragen, ein Viertel bis die Hälfte dessen, was eine vollständig umschließende Krone erfordert. Die Schweizerische Zahnärzte-Gesellschaft (SSO) gibt an, dass für eine Krone etwa 70 Prozent des Zahns beschliffen werden, während natürliche Zähne für Veneers nur leicht angeschliffen werden.
Dieselbe Übersichtsarbeit weist darauf hin, dass der Schmelz von Schneidezähnen am Zahnfleischrand nur 0,3 bis 0,4 Millimeter dick ist und dort schon ein Abtrag von einem halben Millimeter das darunterliegende Dentin freilegen kann. Dentin ist empfindlicher als Schmelz.
Lässt sich das Beschleifen rückgängig machen?
Nein. Schmelz und Dentin wachsen nicht nach. Die Bristol Dental School bezeichnet das Beschleifen von Pfeilerzähnen für eine Brücke deshalb als irreversiblen Eingriff; das Gleiche gilt für Einzelkronen. Auch die Cleveland Clinic betont, dass die meisten Veneers nicht rückgängig gemacht werden können.
Praktisch bedeutet das: Ein für eine Krone beschliffener Zahn braucht dauerhaft eine Krone. Geht sie kaputt, wird sie erneuert, aber der Zahn kehrt nicht in seinen ursprünglichen Zustand zurück. Gerade bei gesunden Zähnen, bei denen es nur um das Aussehen geht, sollten deshalb vorher Alternativen mit weniger Abtrag besprochen werden.
Was steckt hinter der Debatte um „Türkei-Zähne“?
„Türkei-Zähne“ („Turkey Teeth“) meint auffällig weiße, gleichförmige Kronen, für die oft weitgehend gesunde Zähne stark beschliffen wurden, meist im Rahmen einer Reise. Die SSO beschreibt das Phänomen als über soziale Medien verbreiteten Trend, bei dem Zähne nach persönlichem Geschmack gewählt werden. Sie weist darauf hin, dass Kronen und Veneers je nach Material nach fünf bis 15 Jahren ersetzt werden müssen und häufige Erneuerung die natürlichen Zähne belastet; mögliche Folgen sind das Absterben des Zahns, Abszesse und Nervenschäden. Die SSO zitiert außerdem eine BBC-Umfrage unter 1.000 britischen Zahnärztinnen und Zahnärzten, von denen mehr als die Hälfte Menschen mit Folgeschäden nach einem Eingriff in der Türkei behandelt hatten.
Das Royal College of Surgeons of Edinburgh (RCSEd) formuliert den Kern des Problems: Schnelle kosmetische Lösungen mit Veneers, Kronen oder Brücken können unnötig invasiv sein und erfordern oft den Abtrag von übermäßig viel gesunder Zahnsubstanz; hinzu kommen Probleme bei der Nachsorge, wenn die Praxis weit entfernt ist. Die britische Zahnärzteaufsicht General Dental Council rät, vor einer Behandlung im Ausland mit der eigenen Zahnarztpraxis zu sprechen, viele Fragen zu stellen und sich nicht am Tag der Beratung festzulegen, wenn die Antworten nicht überzeugen; die Verbraucherzentrale empfiehlt, erst nach einem vollständigen Kostenvoranschlag und einem schriftlichen Vertrag auf dem Behandlungsstuhl Platz zu nehmen.
Das Problem ist nicht das Land, sondern die Indikation. Eine Krone auf einem stark zerstörten oder wurzelbehandelten Zahn ist medizinisch begründet; problematisch wird es, wenn gesunde Zähne allein wegen Farbe oder Form überkront werden, obwohl es Alternativen mit wenig oder ohne Abtrag gibt. Fragen Sie jede Praxis, auch uns, warum für jeden einzelnen Zahn eine Krone geplant ist und welche Alternative es gäbe. Mehr im Ratgeber Zahnbehandlung in der Türkei: Worauf achten?.
Welche Alternativen mit weniger Abtrag gibt es?
Je nach Zustand des Zahns kommen Lösungen infrage, die weniger oder keine Zahnsubstanz kosten:
- Bleaching: Geht es nur um die Farbe gesunder Zähne, ist eine professionelle Aufhellung in der Praxis oft der erste Schritt (siehe Bleaching); die Form des Zahns ändert sie nicht.
- Komposit-Aufbauten (Bonding): Laut der Verbraucherzentrale NRW lässt sich eine Komposit-Verblendung auf einem unbeschliffenen Zahn jederzeit wieder entfernen; damit können etwa zurückstehende Zähne nach vorn gebracht oder Lücken verkleinert werden.
- Veneers: Eine dünne Keramikschale für die Vorderseite der Frontzähne. Nach Vanlıoğlu und Kulak-Özkan liegt der Abtrag bei minimaler Präparation am Zahnfleischrand bei etwa 0,1 Millimetern, in der Zahnmitte bei 0,2 bis 0,5 und an der Schneidekante bei 0,7 bis 1,0 Millimetern; die Verbraucherzentrale NRW nennt daneben Non-Prep-Veneers ohne Abtrag. Mehr im Ratgeber Veneers oder Zirkonkronen.
- Teilkrone (Onlay): Laut der Bristol Dental School bedeckt sie nur die Kaufläche; die Cleveland Clinic sieht sie als Option für Zähne, die für eine Füllung zu stark beschädigt, für eine Krone aber zu gesund sind.
- Füllung: Ist der Substanzverlust begrenzt, reicht eine Füllung.
- Kieferorthopädie: Bei Fehlstellungen gesunder Zähne kann sie Zahnsubstanz schonen; ob sie für Sie infrage kommt, wird bei der Untersuchung geprüft.
Was spüren Sie während und nach dem Beschleifen?
Das Beschleifen erfolgt in der Regel unter örtlicher Betäubung. Nach dem Einsetzen der Krone ist laut Cleveland Clinic eine Empfindlichkeit auf Wärme und Kälte über einige Wochen normal; das Zahnfleisch kann einige Tage leicht gereizt sein.
Bei manchen Zähnen kann die Präparation den Zahnnerv beeinträchtigen. Die Bristol Dental School beziffert das Risiko, dass sich der Nerv eines lebenden Zahns entzündet und abstirbt, mit etwa 20 Prozent; Cork nennt 10 bis 20 Prozent. Dann wird eine Wurzelbehandlung nötig, selten eine Zahnentfernung. Für eine Behandlung im Ausland heißt das: Klären Sie vorab, wie in einem solchen Fall nach Ihrer Rückkehr vorgegangen wird. Nimmt die Empfindlichkeit zu statt ab, oder treten pochende Schmerzen oder eine Schwellung auf, suchen Sie zeitnah eine Zahnarztpraxis in Ihrer Nähe auf und informieren Sie uns.
Wozu dient das Provisorium?
Während die endgültige Krone im Labor entsteht, schützt laut der Patienteninformation aus Cork ein Kunststoffprovisorium den beschliffenen Zahn. Die Cleveland Clinic gibt für die Laborphase in der Regel zwei bis drei Wochen an; wie das bei einer Anreise organisiert wird, lesen Sie im Ratgeber Wie viele Termine braucht eine Zirkonkrone?.
Ein Provisorium ist weniger stabil als die endgültige Krone. Die Bristol Dental School betont, dass Provisorien leicht brechen und nicht für längere Zeit gedacht sind; die Cleveland Clinic rät, in dieser Zeit sehr harte und sehr klebrige Speisen zu meiden.
Wie entscheidet die Zahnärztin oder der Zahnarzt über den Abtrag?
Die Entscheidung fällt nach Untersuchung und Röntgenbildern: Wie viel gesunde Zahnsubstanz ist übrig, welche Füllungen und Brüche gibt es, lebt der Zahnnerv noch, wo steht der Zahn, wie ist der Biss, gibt es Knirschgewohnheiten, welche Verfärbung muss abgedeckt werden, und welche Zahnform ist geplant? Fragen, die Sie stellen können: Warum und ungefähr wie viel wird von meinem Zahn abgetragen? Kommt eine Alternative mit weniger Abtrag infrage? Was passiert, wenn der Nerv betroffen ist, und wer behandelt mich dann zu Hause?
Wie planen wir Kronen bei Rönesans?
Bei der Untersuchung in unserer Praxis in Serdivan beurteilen wir Zähne und Zahnfleisch, besprechen Ihre Erwartungen und die Alternativen und wählen die Zahnfarbe gemeinsam mit Ihnen. Bei gesunden Zähnen, bei denen es um Farbe oder Form geht, prüfen wir zuerst Möglichkeiten mit wenig oder ohne Abtrag wie Bleaching oder Komposit; ob sie bei Ihnen ausreichen, wird bei der Untersuchung entschieden. Wir arbeiten mit digitalem Smile Design, und auf Wunsch wird die geplante Zahnform vorab als Mock-up auf Ihren Zähnen gezeigt (siehe Smile Design). Die Abformung kann mit einem Intraoralscanner erfolgen; Kronen fertigt das zahntechnische Labor, mit dem wir zusammenarbeiten, mit CAD/CAM. Eine nötige Wurzelbehandlung gehört zu den Fachbereichen der Praxis.
Für eine Voreinschätzung können Sie uns Fotos per WhatsApp an +90 532 363 49 54 senden; ein Teammitglied mit Deutsch als Muttersprache antwortet Ihnen. Vor Behandlungsbeginn erhalten Sie einen schriftlichen Behandlungs- und Kostenplan, der für jeden Zahn die geplante Versorgung nennt. Bei der Abreise bekommen Sie eine Kopie Ihrer Behandlungszusammenfassung und Ihrer Röntgenbilder für Ihre Zahnarztpraxis in Deutschland. Die Schritte der Behandlung finden Sie auf der Seite Zirkonkronen, die Nachsorge nach der Rückkehr unter Nachsorge.